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Görlitzer Park

Warum die Dealer weg waren, als Boris Palmer kam

Weil die Polizei Störaktionen von Linksextremen zum Palmer-Besuch befürchtete, schickte die Behörde Streifen durch den Görlitzer Park.

Unter Polizeischutz: Boris Palmer zu Besuch im Görlitzer Park

Foto: Reto Klar

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Berlin. Kurz bevor der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) am Mittwoch den Görlitzer Park in Friedrichshain-Kreuzberg besuchte, sorgte die Berliner Polizei in der Grünanlage für Recht und Ordnung. Zuerst hatte die „BZ“ darüber berichtet.

Wie die Berliner Morgenpost aus Polizeikreisen erfuhr, waren an dem Tag zwar nicht mehr Beamte im Dienst, allerdings sei man vor dem Besuch des Politikers gezielt im Park unterwegs gewesen, hieß es.

Der Görlitzer Park ist einer der Drogenumschlagsplätze in Berlin. Beim Besuch von Boris Palmer war der Park allerdings ungewöhnlich leer. Die Drogendealer hatten den Park wegen der erhöhten Polizeipräsenz am Mittwoch verlassen.

Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost teilte die Polizei mit: „An dem in Rede stehenden Tag hat unsere standardmäßig geplante Brennpunkt- und Präsenzstreife (BPS) ihre Tätigkeit genau dafür aufgenommen, wofür sie eingerichtet wurde und vorgesehen ist – die Präsenz an kriminalitätsbelasteten Orten“.

Polizei: Keine Platzverweise und „Überprüfungen“

Die BPS sei auch dafür vorgesehen, auf spontane Lageentwicklungen zu reagieren. Der Besuch von Boris Palmer war so eine besondere Lage. Allerdings, so die Polizei weiter, seien weder vor Eintreffen der Parkbesuchenden noch währenddessen Platzverweise und „Überprüfungen“ durchgeführt worden.

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Allerdings galt die erhöhte Aufmerksamkeit der Polizei weniger den Dealern, sondern befürchteten Störaktionen durch Linksextreme. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Polizeikreisen. Im grün regierten Friedrichshain-Kreuzberg ist der grüne Oberbürgermeister eine Reizfigur. Zu Zwischenfällen kam es dann nicht.

Im Abgeordnetenhaus wurde der Palmer-Besuch am Donnerstag ebenfalls thematisiert. Der SPD-Politiker Sven Kohlmeier twitterte, dass ein CDU-Abgeordneter wissen wollte, ob die Grünen die Drogendealer im „Görli“ vor der Polizei gewarnt hätten. Eine Sprecherin der Bezirksamtes sagte der Berliner Morgenpost: „Wir hatten mit dem Termin nichts zu tun, außer dass er in unserer Grünanlage stattfand“.

Boris Palmer hatte im Interview mit der Funke Mediengruppe, zu der auch die Berliner Morgenpost gehört, über Berlin gesagt: „Wenn ich dort ankomme, denke ich immer: Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands“.

Der Fraktionschef der Berliner CDU, Burkard Dregger, hatte Palmer daraufhin nach Berlin eingeladen und ihm die Stadt gezeigt. Nun gibt es Kritik, dass die Situation im Görlitzer Park beim Besuch Palmers nicht der Realität entsprach.

Der Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, Olaf Wedekind, twitterte, dass Palmer sich den Görlitzer Park nun noch einmal unangekündigt und allein angucken will.