Bau

In der Skalitzer Straße entstehen Büros statt Herbergen

Nach Anwohnerprotesten und Kritik aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg wird das Hostel- und Hotelprojekt wird.

Foto: Charlene Rautenberg

Berlin. Der Druck von der Straße hat offenbar Wirkung gezeigt. Der Bauherr eines geplanten Hotel- und Hostelgebäudes mit großflächigem Einzelhandel im Erdgeschoss an der Skalitzer Straße 122, die Ideal Lebensversicherung, ist von seinen Plänen abgerückt. Statt einer weiteren Herberge in Friedrichshain-Kreuzberg wird dort nun Büroraum geschaffen. Es sollen kleine Ladeneinheiten errichtet werden. Darauf einigten sich jetzt die Versicherung, Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) für das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg sowie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen.

Die Ideal hat sich dabei bereit erklärt, die neuen Räume vor allem an Unternehmen zu vergeben, die bereits im Bezirk ansässig sind sowie an jene mit gemeinwohlorientiertem sozialem Ansatz. Bei der Senatsverwaltung wurde vereinbart, dass die Ideal jetzt ihr Projekt entsprechend ändert und ihre Planung beim Bezirk einreicht. Baustadtrat Schmidt erklärte auf Twitter, "Feintuning zu Gebäude und Gestaltung" finde in dieser Woche statt.

Den bisherigen Plänen zufolge sollte nahe dem Kottbusser Tor ein Hochhauskomplex entstehen. Mehr als 250 Zimmer waren geplant. Dafür lag seit Mai 2014 eine Baugenehmigung vor. Schmidt hatte aus seiner kritischen Haltung gegenüber dem vor seiner Amtszeit genehmigten Projekt nie einen Hehl gemacht. Auf der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung antwortete er auf eine Anwohneranfrage: "Ich habe schon an anderen Stellen betont, dass ich Hotelneubau in diesem Gebiet dort für nicht zielführend halte."

Anwohner und Aktivisten hatten sich dagegen unter dem Namen "No Hostel 36" formiert. Mit regelmäßigen Versammlungen und Protesten an der Baustelle, etwa am vorvergangenen Wochenende, versuchte man Druck auf Bezirk und Senat zu machen. In einem Flyer erklärten die Gegner die Befürchtung: "Dieses Projekt wird zu einer weiteren Touristifizierung und weiter steigenden Gewerbe- und Wohnmieten führen." Ähnlich begründet und mit noch stärkerem Protest waren Demonstranten gegen den Plan von Internetunternehmen vorgegangen, im Umspannwerk an der Kreuzberger Ohlauer Straße eine Dependance zu öffnen. Google gab letztlich auf und zog sich im Oktober 2018 aus dem Bezirk zurück.