Auseinandersetzung

Streit um den Standort für das Jazzfest

Während die BVV das Festival in der Bergmannstraße halten will, sind die Veranstalter längst auf die Kreuzbergstraße eingestellt.

Essen, trinken, Musik hören: Das Jazzfest ist eine Berliner Institution

Essen, trinken, Musik hören: Das Jazzfest ist eine Berliner Institution

Foto: Christian Hahn / picture alliance / Eventpress Mu

Berlin - Kreuzberg. Diesmal wird alles anders: Die Pläne für das Bergmannstraßenfest 2019 nehmen Gestalt an. Die Veranstalter bekommen es mit so vielen Veränderungen zu tun, wie nie zuvor. Das fängt damit an, dass sie sich selbst völlig umorganisiert haben.

So ist der veranstaltende Verein nahezu komplett ausgetauscht: Manne Pokrandt, Studiobetreiber, Soundmann und Bassist der renommierten Band Engerling ist nach Jahren als Mixer vieler Jazzfest-Konzerte nun Vereinsmitglied, zuständig für künstlerische und technische Leitung. Mit dabei sind zudem Jürgen Most, Roland Schmidtke, Andree Garduhn und Antje Höricht.

Erfahrene Mitglieder dagegen sind Toge und Ingrid Schenck, die jetzt den Vorsitz übernommen haben. Der Verein musste sich neu gründen, da Mitglieder des etablierten "Kiez und Kultur e.V." aufhören wollten, allen voran Yorckschlösschen-Chef und Festgründer Olaf Dähmlow. Der neue Name lautet nun "Kreuzberg-Festival e.V.". In ein bis zwei Wochen, so Toge Schenck (72), liege die Genehmigung vom Registergericht vor.

Was da insgesamt nach langweiliger Bürokratie klingen mag, hat tatsächlich existentielle Bedeutung für das Jazzfest: Erst als Verein kann ein Konto eröffnet werden, auf das Einnahmen, etwa von Händlern und Imbissbesitzern wandern und von dem Bands und Ausrüstung bezahlt werden können.

Verein will Jazzfest in Kreuzbergstraße verlegen

Augenfälliger für die jährlich mehreren 10.000 Besucher an den drei Tagen des Jazzfests ist die Neuerung eines anderen Standorts, der Kreuzbergstraße. Die Erprobung der Bergmannstraße als Begegnungszone mit 15 Parklets nimmt jenen Raum für Catererer und Stände, durch die das Fest erst finanziert wird. Gegner der Zone in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) führten zuletzt an, mit Beendigung der Testphase vor November 2019 könne auch das Fest am üblichen Standort gerettet werden, wenn auch erst zum September.

In ihrer Sitzung am 30. Januar hatte die BVV dann, wie berichtet, einen lange umkämpften Beschluss zur Bergmannstraße gefasst. Das Bezirksamt wurde aufgefordert, die Erprobungsphase der Begegnungszone Bergmannstraße Ende Juli 2019 zu beenden sowie das Jazzfest dort dann zu ermöglichen.

Allerdings: Schenck selbst hat an solch einer Regelung überhaupt kein Interesse. "Seitens der Initiatoren des Beschlusses in der BVV hatten wir zuvor schon von dem Ansinnen erfahren. Aber was soll ich mit einem Termin im September? Meine Händler und Bands haben da schon wieder ganz andere Termine - die sind auf den üblichen Zeitraum in Kreuzberg eingestellt: Ende Juni. Also bleibt es dabei."

Für die Open-Air-Party vom 28. bis 30. Juni auf der Kreuzbergstraße hat Schenck nun die Unterstützung vom Bezirksamt, das bislang nicht signalisiert hat, dass man den BVV-Beschluss umsetzen will. Die zuständige Senatsverwaltung, die ebenfalls an der Begegnungszone festhält, will sich bei der BVG für die Umleitung der Buslinie 140 während des letzten Juni-Wochenendes einsetzen.

Bergmannfest feiert 25-jähriges Jubiläum

Dass das Bergmannstraßenfest ausgerechnet im 25. Gründungsjahr nicht an der namengebenden Staße stattfindet, wirkt sich auch auf einen Publikumsrenner aus, der dem Image des Festivals immer gut getan hatte: das Gourmet-Zelt am Chamissoplatz. Dort hatten namhafte Köche der Berliner Gastro-Szene wie Herbert Beltle gehobene Gerichte zu günstigen Preisen serviert. Diesmal fällt es fort.

Grund sind Sicherheitsbedenken. So sollte es in einem von drei Vorschlägen beim neuen Jazzfest an der Möckernstraße, in 15 Metern länge parallel zu den Hausfassaden stehen. Dagegen erhob aber die Feuerwehr Einspruch. Sollte es in einem der Gebäude links des Zeltes brennen, kämen Löschfahrzeuge, die nur rechts davon Platz fänden, nicht mehr mit den Leitern an die Häuser heran.

Markus Herbicht, regelmäßig Teilnehmer und Chef des Schmelzwerks in den Sarotti Höfen am Mehringdamm sagt: "Wir wissen nicht, ob das Zelt in diesem Jahr überhaupt stattfindet. Es gibt momentan die wildesten Gerüchte, wann und wo es steigt. Im März setze ich mich mit den Kollegen Beltle und Thomas Kurt zusammen, und dann beraten wir, wie es weitergeht."

Indes ist Schenck dieser Tage unterwegs im Kiez, um die für ihn neuen baulichen Gegebenheiten, Toreinfahrten und Abstände auszumessen. Er merkt, dass sich, wie bei Herbricht, der BVV-Beschluss im Kiez herumgesprochen hat. "Jeder, dem ich begegne, erklärt mir: 'Nein, nein, das Fest findet im September statt'", so Schenck amüsiert. "Meine Antwort ist dann immer: Verzeihen Sie, aber ich müsste das doch wissen - als Veranstalter."

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