Einzelhandel

Kreuzberger Ladenbesitzer bangt um Zukunft seines Geschäfts

Hassan Qadri hat eine Räumungsklage erhalten. Alle Versuche, sich dagegen zu wehren, haben dem Ladenbesitzer nichts genutzt.

Sieht keinen Ausweg mehr: Hassan Qadri in seinem Kreuzberger Geschäft.

Sieht keinen Ausweg mehr: Hassan Qadri in seinem Kreuzberger Geschäft.

Foto: Patrick Goldstein

Kreuzberg. Sein Gerichtstermin rückt immer näher. Nach 17 Jahren am Kottbusser Damm in Kreuzberg, so Unternehmer Hassan Qadri, grüble er jetzt Tag und Nacht, ob er nicht einen letzten Ausweg übersehen hat. Der gebürtige Pakistani mit deutschem Pass soll den Laden, den er nach seinem Sohn Kamil benannt hat, auf Verlangen seines Vermieters aufgeben. Ein neues Geschäft findet er nicht, ein Vermittlungsverfahren hat der Vermieter abgelehnt, und vieles deutet jetzt darauf hin, dass er mit 60 Jahren demnächst ohne Erwerbsmöglichkeit dastehen wird.

„Kamil Mode“ wurde Mitte 2018 gekündigt. Qadri sagt, es habe keine Forderungen nach Umbauten oder mehr Miete gegeben. Auch Versuche, mit dem Vermieter ins Gespräch zu kommen seien gescheitert. Moralische Unterstützung erhielt er von Bürgerinitiativen des Bezirks wie Bizim Kiez und Ora Nostra sowie benachbarten Gewerbetreibenden.

Vertreter von Grünen und Linke in Abgeordnetenhaus und Bundestag nahmen Kontakt auf, im Dezember beschloss die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg auf Antrag beider Parteien eine Resolution, in der der Eigentümer aufgefordert wurde, sich mit Qadri „über eine Fortsetzung des Mietverhältnisses zu verständigen“. Davon ließ sich der Vermieter, der eine Stellungnahme gegenüber der Berliner Morgenpost abgelehnt hat, nicht beeindrucken.

Auf der Suche nach einem neuen Geschäft

Qadri zeigt sich bis heute verwundert, dass die bestärkenden Worte von Initiativen und Lokalpolitik wirkungslos blieben. Unter deren Eindruck war er über die Frist am 31. Dezember 2018 im Laden geblieben, so dass er Mitte Januar den Bescheid über eine Räumungsklage erhielt. Zudem forderte ihn der Vermieter auf, so lange er das Geschäft nicht räume, eine „Nutzungsgeldentschädigung“ zu zahlen.

Statt bisher 1200 Euro Miete wurden im Schreiben rund 3000 Euro veranschlagt. Qadris Anwalt schlug der Gegenseite ein Vermittlungsverfahren beim Güterichter vor. Ende Januar kam die Ablehnung.

Qadri ist auf der Suche nach einem neuen Geschäft. Auf seine Bewerbung an der Karl-Marx-Straße in Neukölln bekam er die Absage, Textilgeschäfte hätten keine Zukunft. Bei drei weiteren Angeboten sollte er zwischen 8000 und 50.000 Euro Abstand zahlen, was er nicht kann. „Außerdem habe ich seit Monaten keine neue Ware geordert, so kommen meine Kundinnen ins Geschäft, und bekommen nicht, was sie suchen. Daher sinken meine Einnahmen.“

Qadris Sohn Kamil spricht noch von der Möglichkeit, mit einem Crowdfunding die Kosten des Rechtsstreits zu finanzieren. Vor dem Gerichtstermin am 12. März auszuziehen, sei nicht realistisch.

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