Straßenbahn

Tram-Gleise auf der Oberbaumbrücke werden ausgebaut

Über die Schienen auf der Berliner Oberbaumbrücke fuhr noch nie eine Straßenbahn. Nun werden sie für gut 800.000 Euro demontiert.

Einst teuer eingebaut: Nach 25 Jahren werden die ungenutzten Schienen auf der Oberbaumbrücke demontiert.

Einst teuer eingebaut: Nach 25 Jahren werden die ungenutzten Schienen auf der Oberbaumbrücke demontiert.

Foto: Krauthoefer

Berlin. Eigentlich will der rot-rot-grüne Senat mehr Tramstrecken für Berlin. Doch statt neuer Gleise werden nun erst einmal bereits vorhandene wieder ausgebaut. Nach einer jetzt veröffentlichten Ausschreibung der Senatsverkehrsverwaltung, die der Berliner Morgenpost vorliegt, sollen noch in diesem Jahr die Schienen auf der Oberbaumbrücke komplett demontiert werden. „Die Gesamtkosten betragen einschließlich der Ingenieursleistungen voraussichtlich 830.000 Euro“, teilte Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit.

Die Gleise auf der Oberbaumbrücke haben eine gewisse Symbolkraft: Liegen sie doch bereits seit einem Vierteljahrhundert dort, ohne dass jemals eine Straßenbahn regulär darübergefahren ist. Dabei sollten sie einmal eine neue Zeit verkünden: Die Rückkehr des umweltfreundlichen Verkehrsmittels in den Westteil der Stadt. Bereits 1992 hatte der damals von Eberhard Diepgen (CDU) geführte schwarz-rote Senat beschlossen, die Tram von Osten aus in den seit 1967 komplett straßenbahnfreien Westen zu verlängern.

Daraufhin wurden sowohl auf der Leipziger Straße in Mitte als auch auf der Oberbaumbrücke, die die Stadtteile Friedrichshain und Kreuzberg miteinander verbindet, Gleise für geplante Linienverlängerungen verlegt. Ein „ziemlicher Schnellschuss“, wie sich Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes Igeb, erinnert. Doch alle nachfolgenden Landesregierungen setzten – egal in welcher politischen Farbkonstellation – andere Prioritäten.

Brücke nach 25 Jahren wieder sanierungsbedürftig

Rot-Rot-Grün machte in Sachen Straßenbahn bekanntermaßen eine Kehrtwende. Mehr als 20 neue Tramverbindungen stehen mehr oder minder konkret im 2016 vereinbarten Koalitionsvertrag. Mit deren Bau, zumindest mit der Planung, soll noch in dieser Legislaturperiode begonnen werden. Mit auf der Agenda steht eine Verlängerung der Straßenbahn vom U- und S-Bahnhof Warschauer Straße über den Görlitzer Park zum U-Bahnhof Hermannplatz nach Neukölln. Erst im November vorigen Jahres hat die Senatsverkehrsverwaltung das Projekt öffentlichkeitswirksam gestartet. Nach fast allen bei einer Bürgerversammlung vorgestellten Linienvarianten soll die Tram dabei über die Oberbaumbrücke fahren.

Doch diese ist 25 Jahre nach der letzten Instandsetzung schon wieder sanierungsbedürftig. Mitschuld daran tragen ausgerechnet die damals voreilig verlegten Schienen. In der Beschreibung des Auftrages liest sich das so: „Seit 2010 sind wiederkehrend erhebliche Beschädigungen des Fahrbahnbelages festzustellen, die größtenteils im Bereich der ungenutzten Straßenbahnschienen auftreten. Witterungsbedingt entstehen diese zumeist in den kalten Jahreszeiten. Dabei sorgt das unter der Fahrbahndecke ablaufende Wasser in Kombination mit Frost-Tau-Wechseln für ein Aufbrechen des Asphaltbelages.“

Spätestens seit Entdeckung schwerer Schäden an der Elsenbrücke ist die Tiefbauabteilung der Senatsverkehrsverwaltung in ständiger Alarmbereitschaft und kontrolliert intensiv den Zustand Berliner Brückenbauwerke. Bei der Oberbaumbrücke sehen die Experten jetzt offenbar Handlungsbedarf. Laut der Ausschreibung muss die Baufirma nun 650 Meter Schienen demontieren, zudem 40 Kubikmeter Pflaster und 330 Meter Bordstein ausbauen. Dann hat sie auf 2610 Quadratmetern die Fahrbahnabdichtung zu erneuern.

Arbeiten sind vom 6. Mai bis 24. September geplant

Der Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) bestätigte, dass trotz der jetzt forcierten Pläne für eine Tramverlängerung von Friedrichshain nach Kreuzberg und Neukölln auf der Brücke keine neuen Schienen eingebaut werden. Begründung: „Die Straßenbahnschienen werden zunächst ersatzlos entfernt, da noch nicht abschließend festgelegt ist, ob die Straßenbahn in der Neuplanung der Streckenführung Warschauer Straße bis Hermannplatz überhaupt über die Oberbaumbrücke geführt wird“, so Thomsen. Alternativ wäre eine Verkehrsführung über die Schillingbrücke oder die Elsenbrücke denkbar.

Doch selbst wenn die Tramstrecke am Ende über die Oberbaumbrücke führt, ist der Gleiseinbau abhängig von der weiteren Verkehrsführung. In der Diskussion ist, die Tram entweder über die Falckensteinstraße oder die Oberbaum- und Skalitzer Straße zu führen. Erst im noch einzuleitenden Planfeststellungsverfahren werde die Festlegung der Verkehrsführung der Straßenbahn erfolgen, heißt es aus der Senatsverkehrsverwaltung. Und erst zu diesem Zeitpunkt werde auch die genaue Gleislage auf der Brücke feststehen.

Laut Senatsverkehrsverwaltung soll der Ausbau der Schienen voraussichtlich vom 6. Mai bis zum 24. September erfolgen. Bei extrem ungünstiger Witterung sowie bei einer zusätzlich notwendigen Instandsetzung der Betonplatte unterhalb der Abdichtungsebene könnte die Sanierung auch länger dauern. Witterungsbedingt müssten die Arbeiten bis spätestens Ende Oktober abgeschlossen sein. Die Brückensanierung soll in zwei Phasen erfolgen, für Autos wird dann jeweils ein Fahrstreifen pro Richtung zur Verfügung stehen.

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