"Menschenskinder"

Eine Kita mit fast so vielen Mängeln wie der BER

Die gerade erst sanierte Kita "Menschenskinder" in Friedrichshain muss einen Wasserschaden beheben. Es ist nicht der erste.

Die Kita "Menschenskinder" im Sommer (Archivbild).

Die Kita "Menschenskinder" im Sommer (Archivbild).

Berlin. Es ist die jüngste einer Reihe von Pleiten, Pech und Pannen, die die Erzieher und Kinder der Kita Menschenskinder an der Fürstenwalder Straße im Zuge der Sanierung bewältigen müssen: Nun wurde dort auf zwei Etagen ein schwerer Wasserschaden festgestellt. „In zwei Räumen sind jeweils die Garderoberäume betroffen“, sagte Manuela Stuhlsatz, Geschäftsführerin der menschenskinder-berlin gGmbH.

Dabei war man am 24. November 2018 erst zurück ins Haus gezogen. Wegen Sanierungsarbeiten war die Kita ab Mai 2016 in einem Container auf dem Grundstück ausgelagert gewesen. Die Rückkehr ins Gebäude hatte sich dann für die 80 Kinder wieder und wieder verzögert. Als es dann so weit war, wurden so viele Mängel festgestellt, dass es keine Betriebserlaubnis gab und die Betreuung erst eine Woche später im Dezember beginnen konnte.

Nach einer Schließzeit über den Jahreswechsel kehrte Manuela Stuhlsatz Anfang Januar 2019 morgens in die neuen Kitaräume zurück und stellte fest: „Die Krippen standen in erstem Stock und Erdgeschoss unter Wasser. Das war ein ziemlicher Schock.“

Diesmal kann der Kitabetrieb aber weiter gehen. Zur Trockenlegung sind jetzt Fußbodenheizung und ein Entlüfter im Einsatz, der störend dröhnt, während im Haus Kinder ab drei Jahren betreut werden, im direkten Umfeld sind es zwei Gruppen à 15 Kindern. „Wir fahren den Entlüfter deshalb zeitweilig herunter, dadurch dauert es allerdings länger, bis die Räume wieder hergestellt sind“, so die Geschäftsführerin. „Wir wissen nicht, was die Ursache ist, ob es ein Konstruktionsfehler gibt. Es war ja schon der der dritte Wasserschaden.“ Auf Anfrage der Berliner Morgenpost teilte der Fachbereich im Bezirksamt mit, dass „durch eine Undichtigkeit an einer Regenwasserleitung Wasser ins Gebäude eingedrungen“ war.

Geschäftsführerin: Fast so viele Mängel wie am BER

Frank Vollmert, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) reagierte auf das Bekanntwerden der neuesten Panne mit Befremden. Aus seiner Fraktion hatte es in den vergangenen Jahren zahlreiche Anfragen in der BVV gegeben. Vollmert fordert nun eine umfassende Aufklärung darüber, wie es zu der Havarie kommen konnte und inwieweit der Betrieb der Kita dadurch kurz- und langfristig gestört ist. Er hinterfragte zudem, inwieweit der Schaden schon in der Konstruktion und von Amtsseite genehmigten Planung angelegt war.

Laut Fachbereich werden Schadensursache und -höhe jetzt durch einen Sachverständigen untersucht. Die ausführende Sanitärfirma habe sich „gleich kooperationsbereit“ gezeigt. Mögliche Schadensursachen an ähnlichen Stellen im Gebäude würden ebenfalls untersucht. Es werde erwartet, dass keine Extrakosten entstehen, da es sich um einen Mangel innerhalb der Gewährleistungszeit handele.

„Wenn man sich die gesamte Historie unserer Sanierung anschaut“, so Geschäftsführerin Stuhlsatz ironisch, „können wir es mit dem Großflughafen BER aufnehmen.“ Statt im Herbst 2016 konnten die Arbeiten erst im Frühsommer 2017 beginnen. Die Verzögerung entstand, weil unerwartet Schadstoffe entdeckt worden waren. Neue Untersuchungen folgten, es musste mehr entsorgt werden, als erwartet.

Wiederholt fanden sich keine Betriebe, die - wie von anderen Bezirksbauprojekten bekannt - die Aufträge annehmen wollten. Für Elektroarbeiten scheiterten zwei Vergabeverfahren, weil keine Angebote eingingen. Erst im September 2017 statt im Frühjahr kamen die Handwerker. Laut Bauamt zog das Verzögerungen in anderen Bereichen nach sich, es kam zu Terminverzögerung und sogar Abwesenheit von Unternehmen, was zu Kündigungen führte - und zu wieder neuen Ausschreibungen.

Ursprünglich sollten Kinder und Erzieher ab Juli 2017 zurückkehren. Nach vielen Korrekturen und dem Einzug im Dezember 2018 mit nun 91 Kindern ist jetzt noch immer nicht alles ordnungsgemäß gebaut und installiert. „Ich habe eine vier Seiten lange Mängelliste“, sagt Geschäftsführerin Stuhlsatz. So stünden Treppengitterstäbe so weit auseinander, dass ein Kinderkopf dazwischen passe. Vorrichtungen zum Zähneputzen sind nicht nutzbar, Türen schleifen auf dem Boden, Schrauben schauen hervor und die Holzböden sind stellenweise nicht behandelt, so dass verkippte Flüssigkeiten einen Fleck im Holz hinterlassen würden. Nicht einmal die Telefonanlage funktioniert regelmäßig. Bei wichtigen Anrufen ist Manuela Stuhlsatz längst dazu übergegangen, ihre eigene Handynummer herauszugeben.