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Hannah Sophie Lupper ist die Neue in der BVV

Hannah Sophie Lupper rückt für die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung für Stephan Ott nach.

"Zurück in die Kieze": Hannah Sophie Lupper an der Bergmannstraße

"Zurück in die Kieze": Hannah Sophie Lupper an der Bergmannstraße

Foto: Carl-Friedrich Höck/SPD-BVV-Fraktion

Berlin. Sie hat in Süddeutschland an mittelalterlichen Ausgrabungen teilgenommen, im Himalaya anderthalb Jahre lang Motorradtouren organisiert und vertritt jetzt im Bezirksparlament von Friedrichshain-Kreuzberg eine Partei, die bundesweit Vertrauen, Ansehen und Wählerstimmen verliert. Ab sofort gehört Hannah Sophie Lupper zur SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung. Was ihre Partei jetzt noch retten könne, sei die Arbeit an der Basis. "Wir müssen zurück in die Kieze", sagt sie.

Die 28-Jährige rückt nach für Stephan Ott. Er gibt seine Aufgabe aus beruflichen Gründen ab. Lupper übernimmt zudem Otts Sitz in den Ausschüssen für Wirtschaft und Ordnungsamt, Eingaben und Beschwerden sowie für Umwelt, Klimaschutz, Verkehr, Immobilien.

Im Allgäu aufgewachsen, sammelte sie Erfahrungen in einer Reihe höchst unterschiedlicher Jobs. Darunter auch ganz Unglamouröses wie Kellnern. 2013 kam sie wegen ihres Politologie-Studiums in Berlin.

Engagement für Geflüchtete

Die Nähe zur SPD kennt sie von Hause aus. Der Großvater war Koch, der Stiefvater kommt vom Bau. 2014 trat sie in die Partei ein. Inzwischen ist sie im Vorstand der Abteilung SPD Kreuzberg 61 und Mitglied im Kreisvorstand. Ihr Engagement für die Geflüchteten, die die Kreuzberger Berliner Gerhart-Hauptmann-Schule bis 2017 fünf Jahre besetzten, mündete in einem der beiden Schwerpunktthemen ihrer politischen Arbeit, der Migrationspolitik. Als Dozentin für Demokratiebildung, ihrem Beruf neben dem Studium, der sie etwa in Berufsschulen führt, geht es da um für sie vertraute Aspekte.

Zum Anderen macht sie sich gegen Rechtsextremismus stark. So mobilisierte sie im vergangenen Jahr jeweils montags mit Bürgerinitiativen am Kreuzberger Mehringplatz gegen Kundgebungen des Vereins "Wir für Deutschland", der rechtsextremen Kreisen nahe steht. "Deren Präsenz hatte dafür gesorgt", sagt Lupper, "dass die Anwohner vorübergehend ihre Kinder nicht mehr zum Spielen hinaus ließen." Ende des Jahres war sie an der Organisation eines nachbarschaftlichen Winterfests beteiligt, bei dem so verschiedene Gruppen wie die Flüchtlingskirche, Stadtteilmütter, Kreuzberger Parteien, die IG-Metall, "Omas gegen Rechts" und "Sultans Bistro" eingebunden waren.

Ende der Begegnungszone samt Parklets im Bergmannkiez gefordert

Für die neue Aufgabe im Bezirksparlament hat Lupper Beruf und Studium erheblich heruntergefahren. Jetzt sei harte Kärrnerarbeit gefragt, sagt sie. In sozialen Netzwerken spricht sie sich für eine Impfpflicht aus - auch aus der eigenen Erfahrung heraus: "Ich habe während meiner Zeit in Indien Erwachsene kennen gelernt, die als Kind an Polio erkrankt sind. Die wären um eine Impfung froh gewesen. Auch Masern sind kein Spaß, sondern eine ernsthafte Erkrankung."

Als Anwohnerin im Bergmannkiez fordert sie ein Ende der einjährigen Testphase der Begegnungszone samt Parklets. "Daraus hat sich eine Lärm- und Müllproblematik entwickelt und 70 Prozent der Anwohner sind unzufrieden. Die Testphase wird dennoch krampfhaft fortgesetzt, obwohl das Ziel längst klar verfehlt ist", sagt sie.

Es sei im Bezirk noch viel Luft nach oben für die SPD. "Es gibt eine Vielzahl Menschen in Friedrichshain-Kreuzberg, die unter prekären Arbeitsbedingungen und geringer sozialer Durchlässigkeit leiden." Das "Kernklientel" ihrer Partei sei durchaus vorhanden, sagt Lupper.