Wohnungen

Karl-Marx-Allee: Unsicherheit für Wohnungskäufer

Ein Gericht hat den Verkauf von Wohnblöcken an der Karl-Marx-Allee durch die Predac an den privaten Konzern Deutsche Wohnen gestoppt.

Wohnungen an der Karl-Marx-Allee

Wohnungen an der Karl-Marx-Allee

Foto: Christoph Soeder/dpa

Berlin. Das Verwaltungsgericht hat per einstweiliger Verfügung den Verkauf von Wohnblöcken an der Karl-Marx-Allee durch die Predac an den privaten Konzern Deutsche Wohnen vorerst gestoppt. Grund: Womöglich genießt die kommunale Gesellschaft WBM ein Vorkaufsrecht, das sich aus alten Verträgen ergibt. Damit liegt auch die von Senat und Bezirk vor Weihnachten umgesetzte Ankaufaktion von rund 300 der 672 Wohnungen durch die landeseigene Gewobag auf Eis. Senat und Bezirk wollten damit verhindern, dass der gesamte Block an die umstrittene Deutsche Wohnen geht.

Geschädigt durch den rechtlichen Schwebezustand sind aber auch etwa 30 Mieter. Sie wollen ihre Wohnung tatsächlich selber kaufen. Die Mehrheit ihrer Nachbarn hatte ihre vier Wände zwar formal erworben, sie aber auf Anraten des Senats sofort an die Gewobag weitergereicht.

Einer derjenigen, die den Gedanken der Mieterprivatisierung ernst genommen haben, ist der Architekt Christian Speelmanns. Er hat sich einen Kredit besorgt, um seine Zwei-Zimmer-Wohnung für 3700 Euro pro Quadratmeter zu erwerben. Er wohnt dort seit 2009.

Die Bank wird demnächst seinen Kredit genehmigen. Ab diesem Zeitpunkt tickt die Uhr für Zins und Tilgung, obwohl die Übergabe der Wohnungen nicht erfolgt ist. Dann bliebe ihm nur, vom Kreditvertrag zurückzutreten. Unklar ist auch, ob er auch in dem Fall seine Wohnung kaufen darf, wenn die WBM sich vor Gericht durchsetzt und sie den ganzen Block per Vorkaufsrecht erhält.

„Ich möchte nichts geschenkt haben, ich will die Wohnung nur kaufen“, sagt Speelmanns. Er möchte, dass die WBM die Sperre im Grundbuch aufhebt, damit sein Kauf vollzogen werden kann. „So ein Rechtsstreit kann ein Jahr dauern.“

Speelmanns ist nicht allein. Auch ein anderer Kaufinteressent hat sich per Mail bei der Morgenpost beklagt: „Vielleicht begreifen ja auch die Politiker irgendwann, dass sie mit der einstweiligen Verfügung etwas erreicht haben, was Predac und Deutsche Wohnen mit ihrem fragwürdigen Vorgehen nicht erreicht haben: nämlich dass die Mieter ihre Wohnung nicht erwerben können.“

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