Karl-Marx-Allee

Bedrohte Mieter erhalten Klarheit über Zins-Konditionen

Die Mieter an der Karl-Marx-Allee erfahren, wie ihnen Senat und Investtionsbank helfen wollen.

Norbert Bogedein (mi.), Vorsitzender des Mieterberats, moderiert die Zusammenkunft.

Norbert Bogedein (mi.), Vorsitzender des Mieterberats, moderiert die Zusammenkunft.

Foto: Patrick Goldstein

Berlin. Die Stimmung war aufgeheizt. Rund 100 Mieter von der Karl-Marx-Allee kamen am Donnerstagabend in einem Amtsgebäude des Bezirks an der Friedrichshainer Koppenstraße zusammen, um sich das Hilfspaket anzuhören, das der Senat und die Förderbank des Landes Berlin, die Investitionsbank Berlin (IBB) für sie bereit halten.

Ihr Sorge wächst seit Wochen. Viele Mieter fürchten durch den Verkauf ihrer Wohnungen an die Deutsche Wohnen erhebliche Mietsteigerungen. Die Rede ist von 700 Wohnungen, die Deutsche Wohnen spricht von "800 denkmalgeschützten Wohnungen und Gewerbeeinheiten". Eine Bürgschaft der IBB soll ihnen ermöglichen, ihr Vorkaufsrecht wahrzunehmen. Die Zeit drängt: Nur bis zum 4. Januar 2019 haben die Mieter aufgrund der Rechtslage die Möglichkeit, zu kaufen.

Für ein Gebäude mit 81 Wohnungen ist dies womöglich einfacher als für die anderen drei, weil es in einem sogenannten Milieuschutzgebiet liegt. Friedrichshain-Kreuzberg könnte hier ein Vorkaufsrecht geltend machen, um der Verdrängung alteingesessener Mieter entgegenzuwirken und preisgünstigen Wohnraum zu erhalten. Alternativ könnte sich die Deutsche Wohnen verpflichten, bestimmte Vorgaben für den Milieuschutz einzuhalten.

IBB-Vertreterinnen erklärten den Mietern am Donnerstagabend die Modalitäten, unter denen sie einen Kredit erhalten würden. Für ein Darlehen von 100.000 bis 300.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung wird der Wert vom kommenden Montag angesetzt. Zum letzten Stand waren dies: Bei einer Tilgungsleistung von zwei oder drei Prozent sind Zinsen von 1.83 oder 1.81 Prozent zu zahlen, je nachdem, ob man 15 Prozent Eigenkapital mitbringt oder weniger. Wer mehr als 300.000 Euro leiht, zahlt 1.78, bzw. 1.76 Prozent Zinsen. Nach Auskunft des Mieterbeirats beträgt der Quadratmeterpreis, den die Deutsche Wohnen von Mietern bei der Nutzung ihres Vorkaufsrechts angesetzt hat, zwischen 3200 und 4400 Euro.

Auf dem Podium bekräftigte Finanz-Staatssekretärin Margaretha Sudhof, was Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) schon Ende vergangener Woche in einem Schreiben an die Mieter erklärt hatte. Eine Übertragung der Wohnungen an eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft, indem die Mieter die Wohnungen zunächst kaufen und dann weitergeben, erscheine nicht möglich. Friedrichshain-Kreuzbergs Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Grüne), der auf dem Podium neben Stadtentwickungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) Platz genommen hatte, favorisiert dagegen dieses Modell. Die Zahl derer, die den Deal der IBB annehmen werden, schätzte er am Donnerstagabend auf zehn Prozent der Bewohner der Wohnungen außerhalb des Milieuschutzgebiets.

Für sie sind jetzt eine Beratungshotline sowie eine Webseite eingerichtet. Damit sie ihre Kredite fristgerecht erhalten, müssen sie eine Reihe Unterlagen bis zu 14. Dezember bei der IBB einreichen. Die Vertreterin der Bank warnte allerdings, Interessenten müssten "genug Geld auf der hohen Kante" behalten. Als Eigentümer würden sie nicht nur Wohngeld zahlen, sondern mit anderen Eigentümern Rücklagen bilden müssen. Sie empfahl, nichts ohne Rechtsberatung zu entscheiden.

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