Popstar

Unterwegs mit "Mr. Rockpalast" Albrecht Metzger

In seiner Ex-Heimat Kreuzberg führt Albrecht Metzger Besucher durch eine Musik-Ausstellung. Die Morgenpost zeigt die Tour vorab.

Zwischen Zappa und den Doors: Der langjährige "Rockpalast"-Moderator Albrecht Metzger.

Zwischen Zappa und den Doors: Der langjährige "Rockpalast"-Moderator Albrecht Metzger.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Berlin-Kreuzberg. Es ist, als bekäme man eine persönliche Führung durchs "Tagesschau"-Studio mit Jan Hofer, oder eine private Trainingseinheit mit Jogi Löw: Albrecht Metzger, der Mann, der in den 70er- und 80er-Jahren Rock, Soul und Pop in Deutsche Wohnzimmer brachte, lädt von diesem Sonntag an in eine Kreuzberger Ausstellung mit Covern und Fotografien der Musikgeschichte und erzählt dazu persönliche Erinnerungen und wundersame Anekdoten.

Zwischen 1976 und 1984 präsentierte Metzger an der Seite des Briten Alan Bangs die Konzertreihe "Rockpalast". Von jungen Wilden wie Elvis Costello und The Police bis zu neuen deutschen Spaßrockern wie Trio, von Reggae-Helden wie "Toots and the Maytals" bis zu Klassikern wie den Kinks und afrikanischen Pop-Giganten wie King Sunny Adé: Lange vor Youtube, Internet und der freien Wahl zwischen 500 internationalen TV-Kanälen auf der Fernbedienung war da der "Rockpalast" das Tor zur Musikwelt. Und Metzger der Tor-Hüter.

Der gebürtige Stuttgarter machte gar keinen Hehl aus seinem sperrigen Englisch und kündigte von der Bühne stets mit einem immer etwas zermatscht klingenden "Dschörmen Televischen proutly prisentz" den nächsten Künstler an. Deutschland galt international noch nicht als cool und irgendwie schien Metzger ("Ich komme vom Bauernhof") immer damit zu kokettieren.

1977 zog er für Theatergruppe "Rote Grütze" nach Berlin, übernahm mit seiner späteren Frau bald eine Wohnung am Kreuzberger Heckmannufer, in der er fast vier Jahrzehnte lang wohnen würde. Wie Kreuzberg damals war? "Wir waren ständig unterwegs und wenn es eine Demo gab, waren wir dabei. Aber nicht ein einziges Mal hatte ich in Kreuzberg das Gefühl der Angst." Manchmal kam Sänger und Texter Rio Reiser zum Sauerkrautessen vorbei. Später, als Metzger vom Moderator zum Filmer wurde, hat er eine Dokumentation über ihn gedreht: "Halt dich an deiner Liebe fest".

Kreuzberg sei gewiss ein raues Pflaster gewesen. "Aber wir waren auch rauh", sagt der heute 73-Jährige. Was die Stadt mit den zahlreichen Zugezogenen aus Baden-Württemberg machte, stellte Metzger ab 1988 und dann in 280 Vorstellungen auf der Bühne dar. "Sich einmal mit der Stellung von uns Schwaben in Berlin zu beschäftigen, war für mich wie eine Entdeckung", sagt er. "Da stecken Widersprüche, Konflikte, aber auch Unglück drin. Insgesamt: Das Ganze ist einzigartig."

Im Eiszeit-Kino an der Kreuzberger Zeughofstraße des späteren "Babylon Berlin"-Regisseurs Tom Tykwer hatte sein nun gegründetes Theaterensemble "Schwabenoffensive" Premiere. Vor mehrheitlich Neuberlinern spielte man Szenen über Abschied von der Heimat, vom Leben im fremden Berlin. "Die Zuschauer wurden immer stiller - es war genau das, was sie erlebt hatten."

Während Metzgers Frau als Lehrerin an der Rütli-Schule in Neukölln arbeitete, später laut Metzger "an unserem Küchentisch dem legendäre Brandbrief von 2006 den letzten Schliff gab", verlegte er sich auf Soloauftritte. Wie seine Frau ist er inzwischen pensioniert. Auf Pi-Radio, einer freien Radiostation (88,4 MHz) spielt er nun einmal im Monat Stücke seiner rund 7000 Schallplatten, gern auch mal Metal nach Mozart, "solange es einen guten Flow ergibt", und bereitet seit zwei Wochen die Führung in der Browse Gallery vor.

Dort zeigt der nordirische Kurator John Colton jetzt Plattencover von Pink Floyd, Queen, Billy Idol, David Bowie, zudem schwarz-weiße Aufnahmen der Beatles, von Frank Zappa und Jazzern wie Miles Davis und Count Basie. Die Vorbereitung sei für ihn jetzt wie "das Erklimmen eines Berges", sagt Metzger. "Eine Herausforderung", denn mit der Kunstform der Plattenhülle habe er sich sich nie beschäftigt. Dabei weiß er wohl um ihre magische Wirkung: "Ich sehe die Cover und in meinem Kopf erklingt die Musik", sagt er.

Ausstellung "Look who's come for tea!" Browse Gallery, Bergmannstr. 5, Innenhof rechts, Kreuzberg, https://browse.gallery/, 7.12.2018- 11.1.2019, Di-So, 14-20 Uhr, Eintritt frei, Führungen durch die Ausstellung mit Albrecht Metzger 9.12., 16.12., 23.12.2018, 12-13 Uhr, Führungen: 10/erm. 7 Euro,
Anmeldung über Formular auf Kontaktseite.

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