Bauvorhaben

Im Postcheckamt entstehen nun doch mehr Wohnungen

Der Investor und der Stadtrat hatten sich geeinigt. Die SPD-Fraktion verlangte eine Nachbesserung - mit Erfolg.

Das Protestplakat rollten die Eigentümer im August am Hochhaus aus.

Das Protestplakat rollten die Eigentümer im August am Hochhaus aus.

Berlin-Kreuzberg. Das ging schnell. Ein erst in der vergangenen Woche im Bauausschuss vorgestellter Kompromiss zwischen Bezirksamt und Investor für das Postscheckamt-Areal am Halleschen Ufer in Kreuzberg ist nachgebessert. Jetzt gibt es auf zusätzlichen 8000 Quadratmetern weitere Wohnungen.

Das Protestplakat am Postscheckamt hängt noch immer. Der Investor, die CG-Gruppe von Christoph Gröner, beschwerte sich darauf, vom Bezirk in seinen Bauplänen ausgebremst worden zu sein. Dabei ist man sich nach monatelangem Streit (wie berichtet) inzwischen einig. Die Eigentümer um Baulöwe Gröner und Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) warben jüngst im Bauausschuss für ihren "Neustart". Der sähe 70 Prozent Gewerbe und Dienstleistung und 30 Prozent Wohnen vor. Die Gebäude für 300 Wohnungen soll die städtische Wohnungsbaugesellschaft Degewo errichten und preisgebunden vermieten.

Das sorgte für Protest aus SPD-Fraktion sowie seitens der FDP-Gruppe im Bezirksparlament. Marlene Heihsel (FDP) sagte man sei "enttäuscht von der Einigung". Die vorgesehene 70:30-Aufteilung für Gewerbe und Wohnen am Halleschen Ufer finde sie "furchtbar".

SPD forderte die CG-Gruppe auf, weiteren Teil des Areals zu verkaufen

Ursprünglich waren verschiedene Formen von Wohnen mit zum Teil niedriger Nettokaltmiete vorgesehen gewesen. Die Verteilung lautete bis Anfang 2018: 30 Prozent Gewerbe, 70 Prozent Wohnen. Daraufhin legte sich Baustadtrat Schmidt quer, was sich zu einem über Berlins Grenzen hinaus publizierten Streit mit der CG Gruppe entwickelte - und zur Veröffentlichung des Protestplakats am Postscheckamt.

In der vergangenen Woche forderte die SPD im Bezirk daraufhin von der CG-Gruppe, einen weiteren Teil des Areals an die Degewo zu verkaufen. Bauausschuss-Vorsitzender John Dahl (SPD) forderte, dass statt 300 nun 450 Wohnungen gebaut werden sollen. Für die CG-Gruppe sei dies "verkraftbar". Schließlich könnten die Investoren mit Gewerbeflächen deutlich höhere Mieteinnahmen erzielen als mit Wohnungen. Der Kompromiss der vergangenen Woche werde für die CG-Gruppe enorme wirtschaftliche Vorteile bedeuten. In einer Überschlagrechnung war Dahl auf eine Summe von 70 Millionen Euro gekommen.

Im Bauausschuss hatten sich Vertreter der CG-Gruppe und Degewo von dieser SPD-Forderung überrumpelt gezeigt. Der Vertreter der Degewo erklärte, man habe üblicherweise "Probleme, städtische Flächen zu erwerben". Über den Kompromiss und damit die Möglichkeit in bester Lage Wohnungen erwerben zu können, "können wir uns nicht beschweren".

Bezirksamt legt neuen Kompromiss vor

Bei der Bezirksverordnetenversammlung am Mittwoch legte das Bezirksamt nun den neuen Kompromiss vor. Statt vormals 28.400 Quadratmeter Geschossfläche für Wohnen, würden nun 36.400 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Dabei würde die CG Gruppe ein zuvor dafür nicht vorgesehenes Baufeld auf ihrem Areal abtreten. "Von Seiten der CG Gruppe besteht die Bereitschaft", so teilen Schmidt und der stellvertretende Bezirksbürgermeister Knut Mildner-Spindler (Linke) mit, "besteht die Bereitschaft, das Baufeld 4a als freifinanzierter Wohnraum anzubieten." Gerechnet wird mit zusätzlich 63 Wohnungen.

Zu einer Diskussion der Vorlage kam es nicht, der Vorgang wurde in den Bauausschuss zurück überwiesen. Seitens der SPD zeigte man sich mit dem überarbeiteten Angebot zufrieden.

Mehr Nachrichten aus dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg lesen Sie hier.

Mehr zum Thema:

Streit über Postscheckamt: Investor und Bezirk einigen sich

Umstrittenes Plakat: Bezirk muss zahlen

Umstrittenes Plakat am Postscheckamt darf bleiben

Streit um das Postscheckamt: Der Baumogul und der Stadtrat

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.