Stiftung Berliner Mauer

Die East Side Gallery soll für immer bleiben

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Julius Betschka
Der Künstler Kani Alavi (v.l.), der Historiker Alex Klausmeier und Kultursenator Klaus Lederer vor dem Bild „Maske“ von Wjatscheslaw Schljachow.

Der Künstler Kani Alavi (v.l.), der Historiker Alex Klausmeier und Kultursenator Klaus Lederer vor dem Bild „Maske“ von Wjatscheslaw Schljachow.

Foto: Soeren Stache / dpa

Das Stück Mauer in Friedrichshain steht nun unter Denkmalschutz und wird zu einem Ausstellungsgelände entwickelt.

Friedrichshain. Nichts mehr soll herausgerissen werden, nirgendwo mehr sollen die Bagger von millionenschweren Investoren rollen. Die Mauer bleibt – für immer. Die East Side Gallery, das gigantische Stück Geschichte im Herzen von Berlin, hat nun eine Ewigkeitsgarantie: Das 1,3 Kilometer lange, bemalte Mauerstück in Friedrichshain steht seit Anfang November unter Aufsicht der Stiftung Berliner Mauer.

Das Gelände steht nun auch unter Denkmalschutz. Deren Direktor Axel Klausmeier sagte am Mittwoch, er könne hundertprozentig ausschließen, dass weitere Mauersegmente entfernt würden. Für das Gelände am Spreeufer gebe es keinen Bebauungsplan und keine Bauanfragen mehr, sagte Klausmeier. Hinter ihm stand Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und nickte. Er hatte kurz zuvor selbst von einem „Tag der Freude“ gesprochen.

In den vergangenen Jahren waren wiederholt wegen einiger Bauprojekte Teilstücke der 1990 von über hundert Künstlern aus aller Welt bemalten Grenzanlage entfernt worden. Dies hatte zu teils massiven Protesten geführt, die vergeblich blieben. So wurde am Mittwoch sicherlich auch eines der größten stadtpolitischen Streitthemen der vergangenen Jahre beigelegt – wohl auch ein Grund für Lederers Freude.

Areal soll Gedenk- und Bildungsstätte werden

Die Stiftung Berliner Mauer ist in Zukunft dafür verantwortlich, das Gelände zu entwickeln. Dafür stellte Klausmeier am Mittwoch erste Pläne vor. Er kündigte an, das Areal zu einer Gedenk- und Bildungsstätte auszubauen. Allerdings solle auch der bisherige Kunstcharakter erhalten bleiben. Mit drei Millionen Besuchern pro Jahr sei die East Side Gallery eine der Hauptattraktionen Berlins, ohne das es bislang eine entsprechende touristische Infrastruktur gebe. „Das wird sich jedenfalls ändern“, sagte Klausmeier.

So beliebt das buntbemalte Mauerstück auch bei Touristen ist, bislang erwartet Besucher an einem kalten Novembertag nicht mehr als eben jene weltbekannte Möglichkeit, den Berlin-Besuch mit einem Foto vor der 3,60 Meter hohen Betonmauer festzuhalten. Ein Klick und weiter geht es. In Zukunft solle dieser Ort Touristen besser erklärt werden, so Klausmeier. „Wir wollen Besuchern aus aller Welt mehr Orientierung bieten und die Aufenthaltsqualität verbessern“, sagte der Stiftungsdirektor. Vorstellbar seien Texttafeln, die einerseits den historischen Ort einordnen, aber auch die vielen Kunstwerke an der Mauer besser erklären.

Besucher sollen befragt werden, was sie vermissen

Ziel der Stiftung ist es, bis 2022 eine „zurückhaltende Ausstellung“ an dem Ort zu schaffen. Was Klausmeier meint: Der Ort soll in seiner Beschaffenheit erhalten bleiben, es soll bewusst keine zweite Gedenkstätte Berliner Mauer wie an der Bernauer Straße entstehen. Aber warum kann so eine Ausstellung erst 2022 kommen? Klausmeier erklärte, man sei gerade dabei „den Ort in den Griff zu bekommen“. Schließlich sei man erst seit drei Wochen vor Ort.

Erst einmal will er nun durch Besucherbefragungen herausbekommen, was die vielen Touristen eigentlich vermissen. So viel Aufregung wie in der Vergangenheit jedenfalls soll es nicht mehr geben um den Ort. Klar ist bereits: „Wir werden natürlich eine App haben“, sagte Klausmeier.

Den Blick zurück wagte am Mittwoch der deutsch-iranische Künstler Kani Alavi. „Ohne unsere Bilder würde die authentische Mauer nicht mehr existieren“, sagte der Vorsitzende der Künstlerinitiative East Side Gallery, der sich seit Jahrzehnten engagiert. Er hofft, dass aus den Mauerdurchbrüchen gelernt wurde. „Wer da rumfummelt, verfälscht Geschichte.“ Gänzlich zufrieden wirkte Berlins Kultursenator Klaus Lederer.

Der Linken-Politiker wagte an dem historischen Ort sogar den Bezug zur politischen Weltlage: Die Stiftung habe die Aufgabe, die Erinnerung an die Opfer von Mauer und Stacheldraht zu bewahren. An der East Side Gallery solle die Stiftung zeigen, „dass zementierte und bewehrte Abschottung kein dauerhaftes Mittel gegen den Freiheitswillen des Menschen ist“.

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