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Linie M10

So könnte die Party-Tram bis zum Hermannplatz führen

Die Tramlinie M10 wird über die Warschauer Brücke hinaus verlängert. Es gibt mehrere Streckenvarianten.

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Berlin. Von Friedrichshain über Kreuzberg bis nach Nord-Neukölln soll sie führen – die Verlängerung der M10. Jetzt hat die Senatsverwaltung für Verkehr vorgestellt, wo genau die sogenannte Party-Tram entlangfahren könnte. Bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung diskutierten am Donnerstagabend Anwohner über sieben mögliche Varianten.

Mehr als hundert Interessierte waren zur Diskussion in den motionlab, ein Coworking-Space in einer ehemaligen Lagerhalle in der Buchestraße in Alt-Treptow gekommen. Dort hörten sie vor allem eines immer wieder von den Planern und Mitarbeitern der Senatsverwaltung: „Wir stehen ganz am Anfang.“ Bis die ersten Bahnen von Friedrichshain nach Neukölln rollen, würden mindestens sieben Jahre ins Land gehen. Währenddessen soll es immer wieder zu Bürgerbeteiligungen kommen.

Zunächst drei Möglichkeiten

Aus den ersten Auswertungen und Überlegung der Verkehrsplaner sind zunächst drei Möglichkeiten entstanden, wo die Tram über die Spree rollen könnte: über die Oberbaum-, die Schilling- oder die Elsenbrücke. Danach könnte die M10 unter anderem mitten durch Kreuzberg über den Lausitzer Platz zum Hermannplatz fahren, den Görlitzer Park queren oder am westlichen Ende des Treptower Parks entlang über die Wildenbruchstraße auf die Sonnenallee führen.

Für Elisabeth Schwab war am Donnerstagabend schnell klar: „Variante vier mit Streckenführung durch den Görlitzer Park muss her.“ Sie wohnt im Reuterkiez und würde sich über eine direkte Anbindung an die Warschauer Straße freuen. Setzt sich ihr Favorit durch, würde die Tram in der Nähe ihrer Wohnung halten.

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Die meisten Bedenken mussten sich die Planer zum Bereich rund um den Görlitzer Park und in den Wohnstraßen rund um das Schlesische Tor anhören. Werden negative Auswirkungen auf die vielen Kitas in der Cuvry-Straße mit bedacht? Wird der einzige Park weit und breit zerstört? Warum die Tram nicht am Rande des Schlesischen Busches fahren lassen, statt mitten durch den Görlitzer Park? „Sie müssen sich darauf einstellen, dass es massive Proteste geben wird“, sagte eine Anwohnerin in einer Gesprächsrunde.

Eugen Kontschieder, Bezirksverordneter der SPD in Neukölln, ist für Variante sechs. Auch er hat sich unter die Diskutierenden gemischt, würde sich über eine weiträumige Erschließung von Alt-Treptow und eine möglichst lange Streckenführung über die Sonnenallee freuen. Besonders wahrscheinlich ist diese Variante aber nicht: sie wäre wegen ihre Länge vermutlich eine der teuersten.

Einwände und Anregungen im Planungsprozess berücksichtigt

Nachdem die Fragen der Anwohner in Kleingruppen diskutiert wurden, beantworteten sie die Planer noch einmal vor versammeltem Publikum. Viele Anwohner sind überzeugt: ihre Einwände und Anregungen werden im Planungsprozess berücksichtigt. „Ich denke die werden sich das alles hier zumindest noch einmal durchlesen und das wichtigste bedenken“, sagt Patrick, der am Ostbahnhof wohnt. „Die wollen ja auch wissen, bei welchen Varianten es am meisten Widerstand gäbe“, sagt Anwohnerin Schwab.

Die Verlängerung zum Hermannplatz hat der Senat im „Stadtentwicklungsplanung Verkehr“ verankert. Der Ausbau soll der Straßenbahn soll demnach eine umsteigefreie Verbindung zwischen dem S- und U-Bahnhof Warschauer Straße und dem U-Bahnhof Hermannplatz ermöglichen und die Anbindung der Stadtquartiere an den öffentlichen Nahverkehr weiter verbessern.

Die Verkehrsplaner verweisen in ihrer Bewertung auf die Auswirkungen der Tram-Verlängerung zum Hauptbahnhof. Nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hat das allein der Linie M10 in nur drei Jahren einen Fahrgastzuwachs von rund 45 Prozent beschert.

Einen solchen Positiv-Effekt erwarten Verkehrsexperten bei der aktuell diskutierten Streckenverlängerung erst recht. Denn die wegen ihrer starken Nutzung in den Abendstunden und an den Wochenenden von Berlinern gern auch als „Party-Tram“ bezeichnete Linie würde die Wohn-, Arbeits- und Feierquartiere in Friedrichshain mit denen in Kreuzberg und Neukölln verbinden.

Umstritten ist bislang, wo genau die neue Tram-Strecke lang führen soll und was die ganze Sache am Ende kosten wird. Beides hängt dabei eng zusammen. „Die Kosten der Straßenbahnverlängerung können erst mit Festlegung der Vorzugs-Trasse abgeschätzt werden“, so die Senatsverwaltung.

Nach der Diskussionsveranstaltung am Donnerstagabend können sich Bürger auf der Webseite www.mein.berlin.de bis zum 29. November online an der Diskussion beteiligen.

Erster Planungsschritt im Frühjahr

Abgeschlossen werden soll der erste Planungsschritt für das Tram-Projekt im Frühjahr 2019. Dann soll auch eine exakte Kosten-Nutzen-Rechnung vorliegen. Erst dann kann das notwendige Planfeststellungsverfahren für die Strecke beginnen. Erklärtes Ziel der rot-rot-grünen Landesregierung ist es, dass mit der Umsetzung noch innerhalb der aktuellen Legislaturperiode begonnen wird, die im Herbst 2021 endet. Ein Baubeginn bis zu diesem Zeitpunkt gilt unter Experten allerdings als wenig realistisch.

Als Teil ihrer neuen Verkehrspolitik zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs plant die rot-rot-grüne Koalition rund zwei Dutzend neue Tram-Strecken in der Stadt. Bei der Realisierung der Vorhaben kommt der Senat allerdings nur sehr langsam voran. Am weitesten sind die geplanten Verlängerungen vom Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße sowie eine direkte Tram-Anbindung für den Bahnhof Ostkreuz und eine weitere Strecke in Adlershof. Angedacht ist auch eine Tram-Strecke, die vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz führt.

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