Nur für Frauen

In dieser Berliner Shisha-Bar müssen Männer draußen bleiben

Lästige Blicke und nervende Sprüche gibt es hier nicht: In der Kreuzberger Shisha-Bar „Lady Hookah“ bleiben Frauen unter sich.

Shanay raucht in der Shisha-Bar "Lady Hookah" in Neukölln eine Shisha. In der Bar haben nur Frauen Zutritt

Shanay raucht in der Shisha-Bar "Lady Hookah" in Neukölln eine Shisha. In der Bar haben nur Frauen Zutritt

Foto: Paul Zinken / dpa

„Bitte bleiben Sie draußen, ich trage die Kisten selbst rein!“. Die Ansage der Barkeeperin Shanay an den Lieferanten ist deutlich. Er schafft es gerade mal, den dicken Vorhang zu öffnen und die Kartons mit Nachos am Eingang abzustellen. Männer haben absolut keinen Zutritt zur Berliner Shisha-Bar „Lady Hookah“. Selbst der Chef nicht. „Mit ihm spreche ich per Walkie-Talkie, wenn er draußen steht“, sagt die 23-jährige Shanay.

Der Chef, das ist Muhammad Armih. Ende Juli hat der 32-Jährige Berliner in Kreuzberg eine Shisha-Bar für Frauen eröffnet. Drei seiner Schwestern hätten ihn dazu inspiriert. „Sie haben sich oft darüber beschwert, dass sie von Männern angegafft oder angemacht werden und einen Ort gesucht, an dem sie unter sich sein können“, so Armih.

Er hat offenbar einen Nerv getroffen. An den Wochenenden seien die etwa 60 Plätze komplett ausgebucht. „Viele Frauen reservieren schon eine Woche vorher“, berichtet Shanay. Unter der Woche ist es einfacher, einen der plüschigen Sessel zu ergattern. An diesem Nachmittag sind nur Ebru und Shuke zu Gast. Die beiden 18-Jährigen knabbern Nachos, rauchen Wasserpfeife mit Wildbeerengeschmack und quatschen über Frauenthemen. „Hier können wir das ganz ungestört tun, ohne dass uns jemand dumm anspricht. Wir fühlen uns hier einfach wohler als in anderen Bars, es gibt keine Chance, angemacht zu werden“, sagt die angehende Zahnarzthelferin Shuke.

„Viele gehen heute nicht mehr in Diskotheken, sondern in Shisha-Bars, um jemanden kennenzulernen. Frauen werden dort oft angesprochen, obwohl sie es nicht wollen“, erklärt Betreiber Armih. Nicht nur Musliminnen, die im „Lady Hookah“ ihre Kopftücher ablegen können, spreche das Konzept an. „Zu uns kommen Frauen vieler Nationalitäten, auch Deutsche und Engländerinnen“, so Armih.

„Damit hat man keine Frau geschützt“

In der türkischen Gemeinde stößt das Konzept auf ein geteiltes Echo. „Frauen sollten das Recht haben, unter sich zu sein, sei es nun eine Shisha-Bar oder in einem Café“, meint Ayşe Demir, Vorstandssprecherin des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg (TBB). Das Konzept sei aber fragwürdig, da es auf frauenfeindliche Strukturen reagiere, so Demir. Ehemänner sähen es nicht gerne, dass ihre Frauen abends ausgehen. Auch seien die Frauen nun in gewisser Weise unter Kontrolle der Männer, da diese nun genau wüssten, wo sich die Frauen befinden.

Psychologe und Integrationsexperte Kazim Erdogan glaubt, dass eine solche Bar die Probleme muslimischer Frauen nicht lösen kann: „Sie kommen, rauchen und gehen wieder nach Hause. Damit hat man keine Frau geschützt“, so Erdogan mit Blick auf die Gefahr häuslicher Gewalt. Außerdem sei das Shisharauchen auch noch sehr ungesund.

Ebru und ihre Freundin stört die Kritik nicht. Ebru ist froh, endlich allein ausgehen zu können - ohne Eifersuchtsszenen. „Vorher ging das nur mit meinem Freund. Er ließ mich nicht allein weg“, erzählt sie. Bei Shuke sind es die Eltern, die nun beruhigter seien.

Spezielle Angebote für Frauen gibt es seit Langem. Viele Unternehmen haben das so genannte Gender-Marketing für sich entdeckt, um ihre Produkte und Dienstleistungen noch besser an den Mann oder die Frau zu bringen. Sie reichen vom Einwegrasierer über Fahrtraining bis hin zu Frauenhotels.

Die Nachfrage sei da, bestätigt auch Hildegard Benning, Betreiberin des Frauenhotels „Haus am Meer“ im Ostseebad Nienhagen. Auch in ihrem Haus sei es ohne Männer deutlich entspannter. „Viele Sprüche und Spielchen fallen weg“, so die Inhaberin, die ihrem Hausmeister inzwischen gekündigt hat. „Er hat sich aufgeführt wie ein Platzhirsch“.

Betriebe schaffen „zielgruppengenaue Angebote“

Die Shisha-Bar in Kreuzberg ist aus Sicht der Expertin für Gender-Marketing, Diana Jaffé, ein sehr spezieller Fall. „Hier kommen auch ethnische und kulturelle Faktoren hinzu“, so Jaffé. „Das Beispiel zeigt, dass Frauen, die sonst kulturellen, familiären und religiösen Restriktionen unterliegen, offensichtlich mehr Freiraum bekommen, wenn es solche geschützten Bereiche gibt“, so Jaffé.

Barbesitzer Armih will Frauen weitere solcher Freiräume verschaffen. Hamburg und Frankfurt seien Städte, in denen er sich weitere Frauen-Shisha-Bars vorstellen könne. Aus Sicht des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands liegt solch eine klare Ausrichtung im Trend: „Immer mehr Betriebe fokussieren sich auf klar umrissene Gäste- und Stilgruppen und entwickeln zielgruppengenaue Angebote für Gleichgesinnte oder für unterschiedliche Lebensphasen“, sagt Sprecherin Stefanie Heckel.

Der Ausschluss von Männern dürfte laut Antidiskriminierungsstelle des Bundes jedenfalls unproblematisch sein. Eine unterschiedliche Behandlung wegen des Geschlechts bei Geschäften des täglichen Lebens sei nur dann erlaubt, wenn es einen nachvollziehbaren, sachlichen Grund dafür gebe, erläutert der kommissarische Leiter Bernhard Franke. Ausdrücklich erwähnt werde im Gesetz aber das Bedürfnis nach dem Schutz der Intimsphäre oder der persönlichen Sicherheit. „Männer dürften es deshalb schwer haben, ein solches Café auf Entschädigung wegen einer Diskriminierung zu verklagen.“

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