Berlin-Kreuzberg

Café Rizz erteilt AfD Hausverbot - und wird bedroht

Das Kreuzberger Café Rizz erteilt Rechtsradikalen und AfD-Anhängern Hausverbot und wird danach bedroht - nicht nur im Internet.

Das "rizz" in Kreuzberg

Das "rizz" in Kreuzberg

Foto: Francis Kahwe Mohammady

Birgit legt das Handy weg: „Schon wieder so ein Spinner, der uns droht. Eigentlich habe ich aufgehört solche Kommentare auf Facebook zu lesen.“ Statt dem Handy hält sie jetzt eine Zigarette zwischen den Fingern und zieht den Rauch genüsslich ein. Stress ist die Leiterin vom Kreuzberger Café Rizz eigentlich gewöhnt. Das Restaurant überträgt unzählige Sportarten live auf Leinwand und ist nicht nur am Wochenende bestens besucht. Der Stress, dem sie seit zwei Wochen ausgesetzt ist, hat andere Gründe.

Als der Fraktionsvorsitzende der AfD, Alexander Gauland, die Verbrechen des NS-Regimes mit einem „Vogelschiss“ verglich, reichte es der Berliner Wirtin. Über den Kurznachrichtendienst Twitter erteilte sie Nazis und ausdrücklich auch den Anhängern der AfD ein generelles Hausverbot im Kreuzberger Café Rizz. Prominente Resonanz folgte auf dem Fuß. Der ehemalige Vorsitzende der AfD-Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, verurteilte den Beitrag und bezeichnete das Café als „intoleranten, undemokratischen und faschistoiden Hort“. Mit diesem Echo hatte die Cafébetreiberin Birgit, die nur mit Vornamen genannt werden möchte, nicht gerechnet. In den darauffolgenden Tagen verbreitete sich ihre Nachricht tausendfach in den sozialen Netzwerken. Seitdem solidarisieren sich viele Menschen mit dem Café Rizz. Andere fühlen sich angegriffen und drohen den Café-Mitarbeitern mit Gewalt.

„Als ich nach dem Tweet zum ersten Mal wieder auf mein Handy geschaut habe, dachte ich: Au weia!“, erzählt Birgit. Innerhalb kürzester Zeit erreichten die Restaurantleiterin zahlreiche Drohungen. Ein Absender schrieb etwa, dass jemand mit Baseballschläger demnächst vorbeikommen werde. Ein anderer kündigte an, das Café mit Fäkalien vollzuschmieren. Sie habe auch echten Besuch bekommen, erinnert sich die Wirtin: „Auf einmal stand ein hagerer Mann, so Mitte 50, im Café. Der hat dann nur gesagt: Ich bin Nazi“ und sei danach schnell wieder verschwunden. Ein anderer Besucher wurde in den frühen Morgenstunden dabei erwischt, wie er heimlich Fotos vom Rizz gemacht haben soll. Als Nachbarn den jüngeren Mann ansprachen, sei dieser sofort geflüchtet.

Drohbriefe und E-Mails werden ans LKA weitergeleitet

Mittlerweile wird das Café von Mitarbeitern des Landeskriminalamts Berlin (LKA) überwacht. Drohbriefe und Emails werden sofort an die Beamten weitergeleitet. „Für den Schutz bin ich sehr dankbar“, sagt Birgit. Zeit, um sich Sorgen zu machen, habe sie sowieso nicht. Die Vorbereitung für die WM-Spiele stehen an: „Als Restaurantleiterin habe ich weiß Gott was Besseres zu tun, als Hass-Post zu lesen“, sagt sie. Dass die Wirtin klare Haltung gegenüber Rechtsradikalismus gezeigt hat, bereut sie nicht. Auch weil sie von vielen Seiten unterstützt wird.

„Uns erreichen viele Liebesbriefe“ erzählt Birgit. Manche Gäste kamen auch persönlich vorbei, einige mit Blumen. Die Nachbarschaft stehe geschlossen zum Rizz. Auch der Gemeindepastor habe seine Unterstützung zugesichert. Am Dienstag stattete Thomas Lengfelder, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Berlin (Dehoga), dem Café einen Besuch ab: „In unserer Branche beherbergen und bedienen wir Menschen aus allen Kulturen und Nationen, mit allen Religionen und Hautfarben. Deswegen lehnen wir sämtliche Diskriminierung ab.“ Einen Vorfall in dieser Größenordnung habe er noch nie erlebt.

Die Mitarbeiter des Rizz hoffen, dass schnell wieder Ruhe einkehrt und der Trubel bald ein Ende nimmt. „Am Donnerstag beginnt die WM. Wir wollen jetzt loslegen. Jetzt haben wir gesagt, für was wir stehen und freuen uns auf das Publikum“, sagt Birgit und drückt ihre Zigarette aus.

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