Prozessbeginn

Illegales Autorennen: 19-Jähriger in Berlin vor Gericht

Ein 19-Jähriger steht vor Gericht, nachdem er sich im November 2017 in Kreuzberg ein illegales Autorennen geliefert haben soll.

Die Nachbildung der Justitia steht neben einem Holzhammer und Akten.

Die Nachbildung der Justitia steht neben einem Holzhammer und Akten.

Foto: dpa

Berlin. Dieser Prozess ist ein Novum. Erstmals wird in Berlin gegen einen Autoraser nach dem am 13. Oktober 2017 in Kraft getretenen Gesetz um verbotene Kraftfahrzeugrennen verhandelt.

Das Rennen soll sich am 13. November 2017 in Kreuzberg abgespielt haben. Laut Anklage hatte sich der zur Tatzeit 19-jährige Mohammed T. mit einem anderen Fahrzeug ein spontanes Autorennen geliefert. Der Angeklagte wollte sich am Dienstag dazu vor einer Moabiter Jugendrichterin nicht äußern. Doch es gibt mit dem Polizeibeamten Tino R. einen wichtigen Zeugen.

Der 31-Jährige war am 13. November mit einem Kollegen in Kreuzberg mit einem Zivilfahrzeug unterwegs. Es habe zuvor mehrfach Beschwerden von Anwohnern wegen des Lärms gegeben, den zu schnell fahrende Autos verursachen, sagte der Beamte vor Gericht. Seinem Kollegen sei dann gegen 19.30 Uhr ein weißer Mercedes AMG aufgefallen, der auffällig schnell fuhr, so der Zeuge. Sie hätten das Fahrzeug mit ihrem Opel Astra auf dem Mehringdamm verfolgt, „das waren schon mehr als 80 Stundenkilometer“. Wenig später hätten sie vor dem weißen Mercedes einen roten Mercedes gesehen, auch dieser ein Sportwagen. Beide hätten an einer Kreuzung kurz gehalten – es ist bekannt, dass es dort einen Blitzer gibt. Anschließend seien sie mit quietschenden Reifen losgefahren, jetzt mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Stundenkilometer. An der Kreuzung Yorckstraße/Großbeerenstraße mussten die Fahrzeuge erneut halten. „Das war unsere Chance“, sagte Tino R. „Wir haben die Kelle rausgehalten und dem Angeklagten klargemacht, dass er rechts ranfahren soll.“

Raser waren unterwegs zu einer Hochzeitsfeier

In dem weißen Mercedes saßen nicht nur Mohammed T., der den Wagen fuhr, sondern noch fünf weitere Personen, allesamt in Festkleidung. Sie seien zu einer Hochzeit unterwegs und hätten Anschluss an einen Konvoi finden wollen, sagte er damals zu den Beamten. Ein Autorennen sei es nicht gewesen, er habe den roten Mercedes ja nicht überholt. Für den Polizisten war das eine Ausrede. „Es gibt in der Formel 1 ja auch Rennen, bei denen der Sieger von der ersten Sekunde an führt“, sagte er vor Gericht.

Über den Fahrer des roten Mercedes machte Mohammed T. damals schon keine konkreten Angaben. Tatsächlich handelt es sich um einen Cousin, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zu der Hochzeitsfeier unterwegs war. Auch auf den 21-jährigen Hassan H. wartet jetzt ein Prozess. Am Dienstag war er als Zeuge geladen, machte aber von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, das ihm als Verwandter des Angeklagten zusteht. Der Prozess gegen Mohammed T. wird am 25. Juni fortgesetzt.

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