Prozess in Berlin

Ermordete Ehefrau - Angeklagter schweigt vor Gericht

Der 49-Jährige lebte seit Jahren getrennt von seiner Frau. Aus Eifersucht soll er sie mit einem Kleidungsstück stranguliert haben.

Im Landgericht Berlin in der Turmstraße findet der Prozess statt

Im Landgericht Berlin in der Turmstraße findet der Prozess statt

Foto: dpa

Berlin. Aus „rasender“ Eifersucht, Wut und verletztem Stolz soll ein 49-jähriger Mann zum Mörder seiner eigenen Ehefrau geworden sein. Die Staatsanwaltschaft wirft dem aus Syrien stammenden und seit etwa 20 Jahren in Berlin lebenden Mohammad H. Mord aus niederen Beweggründen vor. Am Mittwoch begann sein Prozess vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts Moabit.

Am 5. Dezember 2017 gegen 13 Uhr ging bei der Feuerwehr ein Notruf ein, an den sich die diensthabenden Mitarbeiter der Behörde bis heute erinnern. Er habe soeben seine Frau umgebracht, teilte der Anrufer den geschockten Beamten mit. Als die Rettungskräfte in der Kreuzberger Wohnung eintrafen, aus der der Anruf kam, trafen sie auf H. und seine bewusstlose Ehefrau Daniela, eine gebürtige Polin. Der Notärztin gelang es zwar zunächst, die fünffache Mutter wiederzubeleben, aber drei Tage später starb die 44-Jährige im Krankenhaus. Sie war laut Anklage stranguliert worden, die dadurch entstandene Unterversorgung des Gehirns war irreparabel.

Das Opfer wollte die endgültige Trennung vom Ehemann

Das Ehepaar lebte bereits seit Jahren getrennt, regelmäßiger Kontakt bestand dennoch. Mohammad H. hielt sich häufig in der Wohnung seiner Frau auf, um die gemeinsamen Kinder im Alter zwischen 15 und acht Jahren zu sehen. Streit zwischen den Ehepartnern soll es häufig gegeben haben, aber offenbar auch Versöhnungen. Bis Daniela H. ihrem Mann mitteilte, sie wolle die endgültige Trennung. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war es diese Ankündigung, die Daniela H. das Leben kostete.

Wie es genau um das Verhältnis zwischen den Eheleuten stand und ob tatsächlich ein anderer Mann der Grund für die Trennungsabsicht der Ehefrau war, müssen die nächsten fünf angesetzten Verhandlungstage zeigen. H. hat nach seinem Anruf bei der Feuerwehr zu allen Vorwürfen geschwiegen, dabei blieb er auch am ersten Verhandlungstag. Womöglich werde sein Mandant sich später äußern, sagte der Verteidiger. Mit Sicherheit äußern werden sich die Mutter und die beiden Schwestern der Getöteten als Zeugen. Ebenso wie die Kinder des Ehepaares treten sie in dem Verfahren als Nebenkläger auf. Der Prozess wird am 14. Juni fortgesetzt.

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