Fest

„Karneval der Kulturen“ zieht andersherum durch Berlin

Der Senat will „Kontinuität und Verlässlichkeit“ des Festes sichern. Es gibt einige Neuerungen.

Eine bolivianische Gruppe tanzt beim Karneval der Kulturen durch Kreuzberg. Wie in jedem Jahr säumten auch bei der 16. Auflage des Karnevals tausende Zuschauer die Strecke des traditionellen Umzuges (Archivbild)

Eine bolivianische Gruppe tanzt beim Karneval der Kulturen durch Kreuzberg. Wie in jedem Jahr säumten auch bei der 16. Auflage des Karnevals tausende Zuschauer die Strecke des traditionellen Umzuges (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Emily Wabitsch / picture alliance / dpa

Am Wochenende ist es wieder so weit: Wie jedes Jahr zu Pfingsten feiern auch in diesem Jahr vom 18. Mai bis zum 21. Mai mehr als 500.000 Berliner und Touristen beim 23. Karneval der Kulturen. „Im Karneval der Kulturen spiegeln sich die Internationalität und die Weltoffenheit Berlins. Kulturelle Vielfalt prägt das Leben in der Hauptstadt und bereichert unsere Stadt auf vielfältige Weise“, sagte Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister und Schirmherr des Karnevals.

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Der Karneval stellt nicht nur den Spaß in den Vordergrund, sondern möchte für ein „urbanes Miteinander“ begeistern. Dafür ziehen mehr als 4000 Karnevalsakteure in 68 Gruppen am Pfingstsonntag los und werden ihrer künstlerischen Kreativität freien Lauf lassen. Dabei greifen sie Themen auf, die vor allem politisch und gesellschaftlich relevant sind. Die Gruppen widmen sich „den Frauenrechten, dem Einreißen von Mauern und Bauen von kulturellen Brücken“, so die Veranstalter. Von japanischen Trommeln über brasilianische Sambatänze bis hin zu traditionellen Tänzen aus dem Senegal beweisen die unterschiedlichen Gruppen, dass die Hauptstadt von ihrer kulturellen Vielfalt lebt. Unter den 68 Gruppen – 63 von ihnen kommen aus Berlin – finden sich in diesem Jahr 13 Neulinge.

Auch auf dem Straßenfest kann man einiges erleben. Auf drei großen Bühnen und kleineren Musikecken sind Hüftschwünge gefragt. Auf dem „Rasen in Aktion“ werden die Berliner zum Mitmachen, wie Jonglieren, aufgefordert. Und auch für den Hunger zwischendurch wird ein kulinarisches Angebot an fast jeder Ecke bereitstehen.

Tanz der Meeresbewohner gegen den Plastikmüll

Die Tänzer von #wasbewegtdich sind eine der 68 Gruppen, die am Pfingstsonntag in der traditionellen Karnevalskarawane losziehen werden. Sie sind nun schon das dritte Mal dabei und freuen sich jedes Jahr aufs Neue: „Der Karneval der Kulturen macht einfach total glücklich. Es werden so viele Glücksgefühle ausgeschüttet. Ein unglaubliches Gefühl“, sagte Mitglied Stella Caric (36), die sich den Hashtag „Leben“ ausgesucht hat. „Mit dem Hashtag Leben möchte ich vor allem auf unsere Umwelt aufmerksam machen. Mit einer sauberen Umwelt verbinde ich ein gutes Leben“, so die 36- Jährige.

Umweltschutz schreibt nicht nur Caric groß. Die gesamte Gruppe von #wasbewegtdich widmet sich in diesem Jahr dem Thema Schutz der Meere und der Umweltverschmutzung durch Plastik – ein Punkt, der ihnen besonders nahegeht. Caric gab auch einen kleinen Vorgeschmack dazu, was ihr Publikum am Wochenende erwartet: „Wir werden uns als Meeresbewohner verkleiden und zu urbaner Musik tanzen. Doch während wir tanzen, verfangen wir uns immer wieder in Fischernetzen, die mit Müll gefüllt sind. Ein Bild, das man täglich in den Meeren vorfindet“, so die Tanzschulinhaberin. Die Gruppe wird am Pfingstsonntag als vierte in der Karawane losziehen.

Je vielfältiger der Karneval ist, desto mehr ändert sich in diesem Jahr – sowohl im Straßenumzug als auch im Straßenfest. Bei der Route des Straßenumzuges herrscht in diesem Jahr verkehrte Welt. Um 12.30 Uhr startet der Straßenumzug an der Ecke Yorckstraße und Großbeerenstraße und nicht wie in den vergangenen Jahren am Hermannplatz. Damit soll der Umzug vom Straßenfest rund um die Amerika-Gedenkbibliothek entzerrt werden, wie Karnevalsleiterin Nadja Mau sagte. Die Route geht von der Yorckstraße über die Gneisenau­straße zur Hasenheide und endet am Hermannplatz um 21 Uhr. Auch das Straßenfest ist in diesem Jahr von einigen Änderungen betroffen. Die Bühnen „Bazáar Berlin“ und „Eurasia“ präsentieren sich in diesem Jahr als „East2West“-Bühne vor der Amerika-Gedenkbibliothek. Der grüne Bereich wird in diesem Jahr mitten ins Festgelände verlagert. Das Straßenfest wird zudem abgespeckt: Es werde nur noch drei Bühnen geben, 300 Stände bieten aber wieder Leckerbissen und Kunstgewerbe aus aller Welt.

Rund 100.000 Euro Mehrkosten eingeplant

Im Landeshaushalt sind 830.000 Euro für das viertägige Fest am Pfingstwochenende eingeplant. Dabei seien laut der Kulturverwaltung über 100.000 Euro als Mehrkosten abzusehen. Wie viel der Karneval insgesamt an Kosten verursachen wird, ist bislang immer noch nicht klar. „Genaueres wird die Rechnung zeigen“, meinte Torsten Wöhlert (Linke), Staatssekretär für Kultur. Der Karneval der Kulturen wird durch die Senatsverwaltung Kultur und Europa gefördert.

Grund für die Mehrkosten sei ein umfangreiches Sicherheitskonzept, das die Polizei empfohlen habe. „Zuführende Straßen werden gesperrt werden, wenn die Auslastung der Menschenmenge über 75 Prozent liegt – rechnerisch sind das zwei Personen pro Qua­dratmeter“, sagte Nadja Mau, Leiterin des Büros des Karnevals der Kulturen. Je nach Lage sollen einzelne Zugangsstraßen gesperrt werden. Geplant sind auch strengere Zugangskontrollen. Nähere Details wurden am Montag noch nicht genannt. „Wir richten uns an Vorgaben der Polizei, die auch nur die Polizei beantworten kann“, so Mau.

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