Berlin

Grüne wollen Amerika-Gedenkbibliothek erweitern

Abgeordnete fordern Entscheidung zur Zentral- und Landesbibliothek noch in diesem Jahr und einen zügigen Beginn der Bauplanung.


Die Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg: Für einen Erweiterungsbau ist der Platz äußerst begrenzt

Die Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg: Für einen Erweiterungsbau ist der Platz äußerst begrenzt

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Die Grünen fordern ein Bibliothekskonzept für Berlin. Bibliotheken seien zwar die meistbesuchten Kulturorte und Teil der öffentlichen Grundversorgung. Eine landesweit abgestimmte Strategie für alle bezirklichen, wissenschaftlichen und privaten Einrichtungen und insbesondere für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) gebe es aber nicht, kritisiert die Abgeordnetenhausfraktion der Grünen.

Insbesondere bei der seit Jahren ausstehenden Entscheidung über einen Neubau für die ZLB will sie Druck machen. Fraktionschefin Antje Kapek forderte am Freitag eine Standortentscheidung noch in diesem Jahr. Nach der parlamentarischen Sommerpause solle es "eine kurze und knackige Diskussion" geben, dann könne der Senat im Spätsommer zu einem Ergebnis kommen. Die Grünen favorisieren eine Erweiterung der Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) am Kreuzberger Blücherplatz. Die AGB ist bereits ein Standort der Landesbibliothek, der andere ist an der Breiten Straße in Mitte. Seit Jahren sollen die Bestände an einem größeren und zeitgemäßen Standort zusammengeführt werden.

Nur noch zwei Standorte im Rennen

Nach einer Standortuntersuchung seien nur noch zwei Grundstücke im Rennen, sagte Kapek: eine Grünfläche neben der Amerika-Gedenkbibliothek und das Marx-Engels-Forum in Mitte. Diesen Standort lehnen die Grünen aber vehement ab, vor allem, weil sie den Baugrund nicht für tragfähig halten und eine "Staatsoper zwei" befürchten. Außerdem habe sich in einem Bürgerdialog eine breite Mehrheit dafür ausgesprochen, dort die Freifläche zu erhalten. Die AGB hingegen werde bereits heute sehr gut angenommen. Einst für 500 Besucher pro Tag konzipiert, kämen dort heute zum Beispiel an Sonnabenden oft mehr als 4000 Gäste.

Die Grünen erwarten eine Mehrheit für ihren Standortfavoriten in der Koalition, lediglich Teile der Linken hingen am Marx-Engels-Forum. Daniel Wesener, kulturpolitischer Sprecher der Grünen-Abgeordneten, sieht indes einen anderen Diskussionspunkt. Wenn die Standortentscheidung gefallen sei, müsse auch gebaut werden. Die Grünen fordern daher, die Entscheidung zeitnah umzusetzen und für 2019 Planungsmittel bereitzustellen. Im nächsten Doppelhaushalt für 2020/2021 müsse dann Geld für den Erweiterungsbau vorgesehen werden.

Volksentscheid verhinderte Neubau am Tempelhofer Feld

Als Grundlage müsse aber zunächst ein Bedarfsprogramm für die ZLB erarbeitet werden. Auch ihr inhaltliches Profil sei zu definieren. Immerhin: Als der Neubau der ZLB noch am Rand des Tempelhofer Felders vorgesehen war, also vor dem Volksentscheid, wurden die Kosten auf 360 Millionen Euro taxiert. Diese Summe würde bei der Lösung am Blücherplatz vermutlich nicht anfallen.

Die Grünen fordern auch, der ZLB wieder eine bibliothekarische Leitung zu geben. Das Haus dürfe nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden. Die Kritik richtet sich gegen Volker Heller, der seit 2012 die Landesbibliothek managt. Die Führung sei nicht adäquat, sagte Sabine Bangert, die Vorsitzende des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus. Die Grünen kritisieren insbesondere, dass die ZLB die Medienbeschaffung outgesourct habe und nun durch eine Buchhandelskette wahrnehmen lässt. Sie befürchten eine Verflachung des Angebots, mit dem die Zentral- und Landesbibliothek ihrer Rolle nicht gerecht werde.

Letzter Bibliotheksentwicklungsplan von 1994

Bangert erinnerte daran, dass der letzte Berliner Bibliotheksentwicklungsplan aus dem Jahr 1994 datiert, mithin über 20 Jahre alt ist. Das inhaltliche Angebot der wohnortnahen Bezirks- und Stadtteilbibliotheken müsse gesichert und gestärkt werden. Denn die Büchereien seien nicht nur Kultur- sondern auch Bildungs- und soziale Orte. Daniel Wesener erinnerte daran, dass von ehemals mehr als 200 Bibliotheksstandorten in der Stadt nur noch 78 übrig seien. Seit den neunziger Jahren sei die Zahl der öffentlichen Bibliotheken kontinuierlich zurückgegangen – aus finanziellen oder personellen Gründen, nicht etwa auf der Basis eines inhaltlichen Konzepts.

Vor zehn Jahren hätten die öffentlichen Berliner Bibliotheken noch rund 1000 Mitarbeiter gehabt, sagte Wesener, seit 2013 stagniere die Zahl bei etwa 700. Dabei steige die Nachfrage nach Bibliotheksleistungen, auch im Zusammenhang mit der wachsenden Stadt. Die Ausgaben dafür gelten rechtlich allerdings als freiwillige, nicht als Pflichtausgaben. Wesener forderte daher, dass ein neues Bibliothekskonzept auch qualitative Standards der räumlichen, technischen und medialen Ausstattung festschreibt. Derzeit schwanken die Etats der Bezirke für Bibliotheken nach Angaben der Senatskulturverwaltung zwischen 90 Cent und 1,50 Euro pro Jahr und Einwohner.

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