Schneller ins Umland

Neuer Bahnhof Ostkreuz ist fast fertig

Der Umbau des Bahnhofs Ostkreuz ist fast abgeschlossen. Ab Dezember werden dort noch mehr Züge als bisher halten.

Baustelle Ostkreuz: Ab dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember werden noch mehr Züge an Deutschlands verkehrsreichster Station

Baustelle Ostkreuz: Ab dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember werden noch mehr Züge an Deutschlands verkehrsreichster Station

Foto: euroluftbild.de/Robert Grahn / euroluftbild/FUNKE Foto Service

Berlin/Potsdam.  Mit dem Fahrplanwechsel drei Wochen vor dem Jahresende will die Deutsche Bahn nicht nur das Angebot für Fernreisende spürbar verbessern. Auch Nutzer des Regionalverkehrs in Berlin und Brandenburg können ab dem 10. Dezember auf zahlreiche positive Änderungen hoffen.

Möglich wird dies vor allem durch die nächste Stufe der Inbetriebnahme des Bahnhofs Ostkreuz. Der Bahnknoten im Berliner Osten wird seit 2006 bei laufendem Betrieb von Grund auf modernisiert und umgebaut. Rund 450 Millionen Euro haben der Bund und die Bahn in das Projekt investiert. Mit mehr als 1500 Zug-Halten ist das Ostkreuz nach Bahnangaben bereits jetzt die am stärksten frequentierte Station in Deutschland. Nun sollen noch mal weitere 200 Stopps hinzukommen.

"Für uns ist das der größte Fahrplanwechsel seit der Inbetriebnahme des Nord-Süd-Tunnels 2006", sagte Renado Kropp, Angebotsmanager bei der Bahntochter DB Netz, zu den anstehenden Veränderungen im Regionalverkehr. Für Zehntausende Reisende würden sich dadurch aber die Fahrmöglichkeiten erheblich verbessern.

Bislang ist das Ostkreuz zuallererst ein wichtiger Umsteigepunkt für die Nutzer der Berliner S-Bahn. Züge von gleich neun Linien (S3, S5, S7, S75, S8, S85, S9 sowie die Ringbahnlinien S41/42) halten dort teilweise im Zwei-Minuten-Abstand. Mehr als 100.000 Fahrgäste steigen am Ostkreuz aus, ein oder um. Auf der Ringbahn-Ebene halten seit zwei Jahren auch Regionalzüge der Linien RB12 (nach Templin), RB24 (nach Senftenberg und Eberswalde) und RB25 (nach Werneuchen). Anfang Dezember kommt auf der unteren, der Stadtbahn-Ebene nun ein weiterer Regionalbahnsteig hinzu.

Dort werden dann auch Regionalexpresszüge der wichtigen Berufspendler-Linien RE1 (Frankfurt/O.–Berlin–Brandenburg/H.), RE2 (Cottbus–Berlin–Wismar) und RE7 (Berlin–Flughafen Schönefeld–Wünsdorf Waldstadt) sowie die RB14 (Flughafen Schönefeld–Berlin–Nauen) halten.

Künftig werden sogar Fernzüge am Ostkreuz einen Stopp einlegen. Den Anfang macht im Dezember der private Bahn-Konkurrent Flixbus, dessen Locomore-Zug aktuell vier Mal pro Wochen zwischen Berlin und Stuttgart hin- und herfährt. Startpunkt in Berlin ist für den Zug der Bahnhof Lichtenberg, weitere Einstiegshalte sind der Ostbahnhof, der Hauptbahnhof, der Bahnhof Zoo und ab 10. Dezember dann eben auch Ostkreuz.

Kulturzug nach Breslau hält auch weiter am Ostkreuz

Auch die Deutsche Bahn will einen Fernzug an dem Bahnknoten halten lassen, jedoch erst ab Juni. Es ist der IC2432 von Cottbus nach Norddeich, der morgens um 6.04 Uhr in der Lausitz abfährt und etwa 7.15 Uhr in Berlin eintreffen wird. Bei der Rückfahrt fährt der IC vorerst am Ostkreuz noch durch. Bestehen bleibt dort übrigens der einzige Halt eines grenzüberschreitenden Zuges. Der "Kulturzug", der an Sonn- und Feiertagen Berlin mit Breslau verbindet, wird auch 2018 von den Ländern finanziert (siehe Info-Kasten).

Vor allem Berufspendler werden von den neuen Angeboten profitieren, können sie doch in Ostkreuz relativ bequem in die Ringbahnlinien der S-Bahn umsteigen. Dadurch reduziert sich laut Bahnmanager Kropp etwa die Fahrzeit für Reisende von Frankfurt (O.) nach Berlin-Pankow gegenüber heutigen Verbindungen um zwölf Minuten (auf insgesamt eine Stunde und 15 Minuten) oder von Cottbus nach Gesundbrunnen um sechs Minuten (eine Stunde 29 Minuten). Doch wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer: So werden der RE2 nicht mehr am benachbarten Ostbahnhof und der RE7 und die RB14 nicht mehr in Karlshorst halten.

Doch nicht nur am Ostkreuz, auch auf der Strecke Berlin-Dresden gehen im Dezember umfangreiche Bauarbeiten zu Ende. Die Strecke wird seit dem Sommer 2016 modernisiert und für Zug-Geschwindigkeiten von bis 200 Kilometern pro Stunde ausgebaut. Dafür müssen an der Strecke nach und nach alle Bahnübergänge mit Schranken verschwinden. Seit Sommer vorigen Jahres ist dafür der Streckenabschnitt zwischen Wünsdorf Waldstadt (Teltow-Fläming) und Hohenleipisch (Elbe-Elster) voll gesperrt. Ab 10. Dezember kann der RE5 dann wieder bis Elsterwerda durchfahren.

Die Fahrzeit der Fernzüge, die derzeit noch über Falkenberg umgeleitet werden, verringert sich für die Verbindung Berlin-Dresden um etwa eine viertel Stunde auf dann eine Stunde und 47 Minuten. Tempo 200 können die Eurocity allerdings erst mit der Inbetriebnahme der elektronischen Zugsicherung ETCS fahren, das wird allerdings erst im Dezember 2020 sein. Damit können laut Bahnmanager Kropp noch einmal fünf Minuten Fahrzeit gespart werden. Die von der Bahn angestrebte Fahrzeit von 80 Minuten zwischen Berlin und Dresden kann laut Kropp erst erreicht werden, wenn die sogenannte Dresdner Bahn, die umstrittene Fernbahntrasse durch Lich­tenrade gebaut ist. Im Herbst haben die Vorarbeiten für das Projekt begonnen, 2025 könnte die Strecke fertig sein.

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