Berlin Brettspiel Con

Warum Brettspiele wieder im Kommen sind

Zum dritten Mal startet die „Brettspiel Con“ in Berlin. Die Macher der Messe wissen: Monopoly und Co. erleben ein Comeback.

Johannes Jäger (l.) und Jan Cronauer

Johannes Jäger (l.) und Jan Cronauer

Foto: Maurizio Gambarini

Woran denken Sie, wenn Sie "Mensch ärgere dich nicht" hören? An lange Familienabende bei Kaffee und Kuchen? An Wohnzimmer mit gemusterten Tapeten? An das laute Ticken der Uhren? "Dieses verstaubte Bild ist total überholt", findet Jan Cronauer. Zusammen mit seinem langjährigen Freund und Geschäftspartner Johannes Jaeger machte er sich zur Aufgabe, das Image der Gesellschaftsspiele aufzupolieren. Seit zwei Jahren organisieren die beiden Unternehmer die "Berlin Brettspiel Con". An diesem Sonnabend startet die diesjährige Brettspiel-Messe im Kühlhaus Berlin in Kreuzberg nahe dem Park am Gleisdreieck. Zwei Tage lang können Besucher Spiele testen, an Turnieren teilnehmen und die Neuheiten der Spielewelt entdecken.

Im Vorfeld der Convention trafen wir die beiden Macher in der Wohnung von Jan Cronauer in Friedrichshain. Hier, in der dritten Etage eines Altbauhauses, wohnt und arbeitet der zweifache Familienvater. Das schlauchförmige Arbeitszimmer des 37-Jährigen gleicht einem Brettspiele-Paradies. Unzählige kleine und große Kartons stapeln sich zu bunten Türmen in den Holzregalen entlang der Wände. An die 2000 Spiele seien es insgesamt, schätzt Cronauer. Genau wisse er es aber nicht mehr. Seine Leidenschaft für die Gesellschaftsspiele entdeckte der 37-Jährige mit der Geburt seines ersten Kindes. "Als junge Eltern geht man eben nicht so viel und schon gar nicht lange aus", erzählt Cronauer. Um dennoch Zeit mit Freunden verbringen zu können, habe er angefangen, Spieleabende zu veranstalten, mit wachsendem Erfolg. "Wir haben in der Gruppe Spiele entdeckt, die wir vorher gar nicht kannten." Der Spaß an gemeinsamen Abenden wuchs. Die Spielesammlung auch.

Hunter & Cron präsentieren die analogen Spieleneuheiten

Im Jahr 2013 entschlossen sich Cronauer und Jaeger, die sich bereits seit ihrer Schulzeit in Stuttgart kennen, ihr Hobby zu professionalisieren. Sie eröffneten einen YouTube-Kanal, den sie bis heute betreiben. Als Hunter & Cron, so die Pseudonyme der beiden Gamer, präsentieren sie die Neuheiten der analogen Spielebranche, erklären die Regeln und bewerten die jeweiligen Produkte. Mit rund 18.600 Nutzern ist ihr Kanal nach Angaben der Profispieler der größte deutschsprachige YouTube-Kanal über Brettspiele. Was als Hobby anfing, ist für Jaeger, der zuvor als Regisseur gearbeitet hat, zum Hauptberuf geworden. "Die Spielverlage bringen im Jahr rund 100 relevante Titel raus. Wenn wir das nicht abdecken, dann entsteht eine Lücke", sagt Jaeger und meint damit die Nutzeranfragen zu Spieleneuheiten.

Im Jahr 2015 entschlossen sich die beiden 37-Jährigen, zusätzlich ein "come together" zu organisieren, also eine Veranstaltung, bei der Brettspiel-Fans zusammenkommen und sich austauschen können. "Damals hatten wir vier oder fünf Aussteller und ungefähr 200 Besucher", so Jaeger. Die Veranstaltung am heutigen Sonnabend zeige, dass sich die Einstellung und das Interesse an Brettspielen geändert haben. Verteilt auf drei Etagen stellen rund 30 Verlage auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern ihre Produkte vor. Die Veranstalter rechnen mit 2000 Besuchern an beiden Tagen.

Warum feiern Gesellschaftsspiele ein Revival?

Dass sich das Image der Brettspiele allmählich bessert und sie an Beliebtheit gewinnen, belegen auch die Umsatzzahlen des vergangenen Jahres. Nach Angaben des Spieleverlage e. V., eines Verbundes der wichtigsten Spieleverlage im deutschsprachigen Raum, steigerte sich der Umsatz im Vergleich zum Jahr 2015 um mehr als zehn Prozent. Spitzenreiter seien dabei Kinderspiele mit einem Plus von fast 15 Prozent, Vorschulprodukte mit rund 22 Prozent, aber auch Strategiespiele für Familien mit 26 Prozent.

Doch was ist das Geheimnis? Warum feiern die Gesellschaftsspiele gerade jetzt eine Art Revival? Dafür haben die beiden Wahlberliner eine Erklärung. "Die Menschen sehnen sich wieder nach Kontakten", so Cronauer. Brettspiele bieten eine Alternative zu digitalen Medien, bei denen die Nutzer meistens allein vor einem Laptop, einem Handy-Display oder dem Fernseher hocken. "Außerdem haben Computerspiele nach meinem Gefühl ein Level erreicht, an dem die Branche einfach stagniert", fügt Jaeger hinzu. Er erinnere sich an seine ersten Computerspiele. Damals sei jede grafische Neuerung ein richtiges Highlight gewesen. Heute sei ein Niveau erreicht, das kaum zu übertreffen ist, sagt er weiter.

Gesellschaftsspiele sind recht teuer

Anders sei es bei den analogen Spielen. Technischer Fortschritt eröffnet den Herstellern neue Möglichkeiten. Angefangen bei der Druckqualität, die den Produkten eine andere Wertigkeit verleihen würde, über die zum Teil filigran gestalteten Figürchen, bis hin zu Spielmechaniken, die immer wieder neu erfunden und interpretiert werden. "Da hat man das Gefühl, die Spiele-Branche sei noch lange nicht am Ende", erklärt Cronauer. Das einzige Manko der Gesellschaftsspiele: Sie sind recht teuer. Mit 30 bis 40 Euro pro Spiel gebe der eine oder andere Fan schon ein kleines Vermögen aus.

Die beiden YouTuber bekommen ihre Exemplare von den Verlagen gestellt. "Sonst könnten wir das alles wahrscheinlich nicht bezahlen", so Cronauer und zeigt auf die vollgestopften Wände. Auch bei der "Berlin Brettspiel Con" gehören die Verlage von Brettspielen zu den Event-Sponsoren. "Dennoch wollen wir nicht zu einer kommerziellen Veranstaltung mutieren", sagt Jan Cronauer. Beiden ginge es darum, den Spaß am Spiel zu vermitteln. Deshalb würden die Besucher bei der "Brettspiel Con" an diesem Wochenende auch die Möglichkeit erhalten, einfach nur Produkte auszuprobieren, ohne diese kaufen zu müssen. Wer sich jedoch für den nächsten Spieleabend eindecken möchte, der könne sich auf dem Flohmarkt der Convention umschauen, so die Profi-Brettspielspieler.

Berlin Brettspiel Con Adresse: Kühlhaus Berlin, Luckenwalder Straße 3, Kreuzberg, Öffnungszeiten: Sbd. 9 bis 24 Uhr, So. 9 bis 19 Uhr, Eintritt: Tagesticket 10 Euro, Dauerticket 17 Euro

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