Restaurants in Kreuzberg

Wo es in Kreuzberg gutes Essen für unter 20 Euro gibt

Unsere Reporter sind in den Restaurants der Stadt unterwegs. Einzige Bedingung: Das Essen darf nicht mehr als 20 Euro kosten.

Berlin. Brandneuer Szene-Laden oder alteingesessene Institution, gediegene Traditionsküche oder schnelles Street Food: Die kulinarische Vielfalt ist in Berlin grenzenlos. Unsere Reporter sind in den Restaurants der Stadt unterwegs, testen Geschmack, Ambiente und Service. Einzige Bedingung: Das Menü darf nicht mehr als 20 Euro kosten. Guten Appetit!

Belle Alliance: Soulfood mit Pasta und gekonnter Aubergine

Den Gast empfängt ein Raum im aufpolierten Industriestil, teils mit backsteinernen Wänden, mitteldunklem Holz, originellen Lampen, viel Kerzenlicht und dezenter Barmusik. Die Speisekarte ist ledergebunden. Sie könnte man schon morgens durchblättern, denn es gibt eine schöne Frühstücksauswahl. Der aufmerksame, muntere Service fragt, ob es schon ein Aperitif sein dürfe.

Am Nachbartisch steht bereits ein Kühler mit einer Flasche Crémant auf dem Tisch - es ist unverkennbar, dass Kreuzberg inzwischen auch "gehoben" kann. Die Küche gibt sich international und unkompliziert, von Salat über Pasta bis Fisch. Es gibt bei den Salaten nur ein bis maximal vier Gerichte zur Auswahl - ein Zeichen für Frische und überlegte, aber nicht überkandidelte Kompositionen des Küchenchefs. Das Lachsfilet beispielsweise: gedünstet, mit gegrillter Zucchini, Avocado und Ancienne-Senf. Die "Smokey Aubergine", also Auberginenmousse, Basilikumpesto mit Walnüssen und Grana Padano entpuppt sich als ein vegetarischer Gaumengenuss, der zeigt, wie gut Gemüseküche sein kann. Mit der "mediterranen Pasta" samt Tagliatelle, geschmolzenen Tomaten, Pesto und Mozzarellastückchen könnte man auch in einem Ristorante punkten.

In der Summe ergibt das Soulfood den Wunsch, beim nächsten Besuch das Frühstücksangebot kennenzulernen, zu dem auch das wunderbare Schwergewicht Eggs Benedict gehört.

Besucht im Dezember 2016.

Mehringdamm 56, Kreuzberg, tägl. 10 - 0.15 Uhr, Tel. 23 94 82 38, www.bellealliance.berlin

Chan: Klassische Thai-Küche aus dem Wok und vom Grill

Am und um das Paul-Lincke Ufer geben sich die Gastroadressen die Klinke in die Hand. Vom Sternerestaurant bis zur Caféinstitution reicht die kulinarische Palette. Mittendrin das Thai-Restaurant Chan. Beliebt bei der jüngeren Klientel und das mittags wie abends. Neugierig aber macht eher die vermeintliche Besonderheit: Die Küche sei von den asiatischen Markt- und Straßenküchen inspiriert, heißt es.

Lebhaft geht es zu an den teils langen Tischen, den hölzernen Sitzbänken und -hockern mit hübschen grauen Filzkissen. Auch der junge Service gibt sich flink. Der servierte Ingwer-Honig-Tee steht flugs auf dem mit Besteck und Stäbchen bestückten Tisch. Geschmacklich ordentlich, leider wurde die Wurzel nicht wie üblich in Stäbchen geschnitten, sondern befindet sich fein gerieben am Keramikbecherboden. Das macht die letzten Schlucke nicht mehr trinkbar.

Auch der kleine Papayasalat lässt nicht lange auf sich warten, ist ob seiner Frische und Knackigkeit ein gelungener Auftakt. Die Speisekarte offeriert im Grunde die üblichen über Thailand hinausreichenden Verdächtigen von Nudelsuppen über Pad Thai-Nudeln bis zu Currys. Mit den „knusprigen Enten“-Gerichten wird auch noch eine Reise nach China angetreten. Es gibt die Rubrik Wok und Grill, die eigentlich besser getrennt gehört. So darf die Zubereitungsart der Hühnchenbruststreifen mit Ingwer, verschiedenen Gemüsen und Soja-Austernsauce auch nur vermutet werden. In diesem Fall: aus dem Wok und damit im Grunde genommen nichts Ungewöhnliches. Hühnchen mit Gemüse und Reis eben, mild und ohne besonderen Twist. Der Reis unspektakulär. Nicht, dass es ein vergeudeter Abend gewesen wäre, aber von Streetfood zumindest bei dieser Bestellung keine Spur.

Besucht im Januar 2017.

Paul-Lincke-Ufer 42, Kreuzberg, Mo.-Fr. 12-24 Uhr, Sbd.+So. 13–24 Uhr, Tel. 69 53 33 22, chan-berlin.com

Hello Good Pie: Herzhaft-deftige Pies von der britischen Insel

Ein Freund aus London auf Berlin-Besuch schwärmte von „Hello Good Pie“. Die herzhafte Kuchenvariante ist ein urbritisches Gericht und zählt zu den Klassikern des sogenannten Pub-Foods, zu dem der Brite gerne ein helles Lager zischt. Von einem traditionellen Londoner Pub unterscheidet sich das „Hello Pie“ allerdings erheblich. Die Falckensteinstraße hat sich in den letzten Jahren zu einer Art Street-Food-Market in kleinen Lokalen gemausert. Ein Laden reiht sich an den anderen, Döner, Falafel, Asia-Food, Sushi, Pasta, Pizza und vieles andere, häufig, wie beim „Hello Pie“ mit Selbstbedienung, alle sehr preiswert.

Mit-Besitzer Peter Oluboduns Eltern stammen aus Nigeria. Der Mittdreißiger war nie dort, wuchs in London auf, studierte Deutsches Recht und arbeitete einige Jahre als Rechtsanwalt in Düsseldorf. Offensichtlich nicht das, was ihn erfüllte, denn er betreibt mit Kompagnon Matthew Minch aus Irland das Geschäft mit den herzhaften Kuchen. Um die Mittagszeit waren alle 25 einfachen Sitzplätze belegt. 4,50 Euro kostet ein Pie. Klassiker im „Hello Pie“ ist die Version „James Joyce“, bei der sich im salzigen Mürbeteig zartes, in Guinness geschmortes Rindfleisch versteckt. Dazu kann man Erbsen wählen, oder Quetschkartoffeln und unbedingt den sämigen Gravey.

Diese „Bratensoße“ stellt Matthew Minch nur aus Gemüse her, damit sie auch zur vegetarischen und veganen Pie passt, „Purple Rain“ mit Rote Beete, „Ali Baba“ mit Auberginen, Tomate und Paprika. Zum Lunch gibt es Pie, mashed Potatoes und Gravey plus hausgemachte Limo aus Limette, Ingwer und Gurke oder Icetea für sieben Euro. Da reicht das Geld noch für einen krachsüßen Brownie oder eine Lime Pie. Der Espresso danach ist ein Muss, 1,30 Euro.

Besucht im Januar 2017.

Falckensteinstraße 9, Kreuzberg, Tel. 0176-25 69 60 18, Mo.-Sbd. 11-19 Uhr, www.hellogoodpie.de

Santa Maria: Kulinarische Vielseitigkeit hält sich noch in Grenzen


Santa Maria ist vielseitig: eine Azoreninsel, ein Schiff von Christoph Kolumbus, eine von Roland Kaiser besungene Frau und ein mexikanisches Streetfood-Restaurant in Kreuzberg. Letzteres scheint die meiste Ausstrahlung zu haben. Es ist rappelvoll an einem winterkalten Montagabend, so wie die gesamte Oranienstraße in Kreuzberg. Es herrscht ein internationales Stimmengewirr in dem schrammeligen Hipster-Laden. Besteck und Servietten stehen auf den bemalten, sauberen Holztischchen, junge Männer bringen charmant die Karte.

Tacos, Quesadillas, Burritos, Tostadas, Margaritas, Mezcal, Tequila und Cocktails, kurzum Mexiko, wie man es kulinarisch kennt, aber im aufgepeppten Rahmen für die junge Gastrogeneration. Ein gelungener, erfrischender Start ist die hausgemachte Limonade Aguas Frescas Lemon. Bei einer Guacamole für sieben Euro erwartet man, trotz aktueller Höchstpreise für Gemüse, eine ordentliche Portion. Die aber fällt sehr reduziert aus, könnte mehr Salz und Limette vertragen und wird von den Tacochips nicht aufgewogen. Zitrusfruchtstückchen werden aber auf Nachfrage unverzüglich angedient.

Neues Terrain sind die Campechanos, also erst einmal der Handy-Check: Als Adjektiv stünde das Wort für "burschikos", also Taco Campechano für eine Tacovariante mit Fleisch-Topping. Das ist gerade in Miami der letzte Schrei. Was in Kreuzberg angesegelt kommt, sind zwar drei größere Tacos. Doch der Chorizo-Rinderfilet-Mix war zu lange in der Pfanne und ist wie die Grillzwiebeln geschmacklich nicht mehr zu differenzieren. Einziges Leuchtfeuer: die eingelegten Kaktus-Streifen. So endet der Besuch mit der Erkenntnis, dass an der kulinarischen Vielseitigkeit noch gearbeitet werden kann.

Besucht im Februar 2017.

Oranienstr. 170, Kreuzberg, tägl. ab 12 Uhr, Tel. 92 21 00 27, www.santaberlin.com

Pacifico: Hier klemmt der Burger zwischen Brioche-Hälften

Brioches sind süßer Naschkram. Stimmt und auch wieder nicht. Das französische Hefegebäck kann auch herzhaft und amerikanisch. Am Kreuzberger Moritzplatz reihen sich ein paar junge Lokale aneinander, darunter das gut besuchte Pacifico. Ein Deli mit Hochtischen an den vom Boden bis zur Decke reichenden Fenstern. Über einen Beamer läuft an den teils schwarz gehaltenen Betonwänden tonlose Filmkunst, von der meterhohen Decke hängen Baugitter und ein paar Grünpflanzen hinunter. Urban-asiatisch könnte man es kurz beschreiben, das Mädchen am Bestelltresen jedenfalls passt in die Szenerie.

Was es gibt, steht auf der Tafel über der offenen Küche. Es gibt vor allem Buns und Bowls, zudem Ramyun, koreanische Instantnudeln. Man gibt die Bestellung auf, Getränke nimmt man sich aus den kleinen Kühlschränken, zahlt und nennt seinen Namen. Der ertönt eine Weile später und ein Tablett darf abgeholt werden. Der erste, optische Eindruck ist überaus positiv. Ein dicker, hoher, aber immer noch gut zu händelnder O.C. Burger - ein Cheeseburger mit 150 Gramm saftige Rinderbulette mit Cheddar, Salat, Pickles, Mayo und Ketchup zwischen eben jenen Brioche-Hälften.

Dazu eines der derzeit angesagten Schüsselgerichte, eine Seoul Bowl: ein mittelgroßer Metallnapf, ordentlich gefüllt mit warmen wie kalten Zutaten, mit Reis, Kimchi, Sojabohnen, Gurke, Ei, Erdnüssen und Bratei. Scharf soll es sein, schön pikant ist es und zur Neutralisierung sind auch noch Tofustücke integriert. Man kann ein Topping dazubestellen, das Pulled Pork erweist sich als geschmacklich richtige Entscheidung. Bun und Bowl sind für eine Person zu viel, für den unterschiedlichen Gaumengenuss aber ein schönes Duo.


Prinzenstr. 84.1 (Eingang Ecke Oranienstr.), Kreuzberg, Mo. - Do. 12 - 22.30, Fr.+Sbd. 12 - 23 Uhr, pacifico-berlin.com

Alle Restaurants unserer "Unter 20 Euro"-Serie auf einer Karte

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