Parkplätze statt Büsche

Am Sonntag geht es um die Zukunft des Fraenkelufers

In drei Bauabschnitten will der Bezirk das Nordufer des Landwehrkanals neu gestalten. Eine Bürgerinitiative plädiert für eine Sanierung.

Sie wollen das Fraenkelufer nur sanieren; Michael Westdickenberg, Gisela Bosse und Gabriele Aischer

Sie wollen das Fraenkelufer nur sanieren; Michael Westdickenberg, Gisela Bosse und Gabriele Aischer

Foto: Massimo Rodari

Genau genommen geht es um 240 Meter – eine verkehrsberuhigte Zone entlang des Landwehrkanals zwischen der Admiralbrücke und Erkelenzdamm. In diesem Bereich des Fraenkelufers in Kreuzberg sind am Morgen Jogger, Radfahrer, Spaziergänger, Autofahrer, Mütter mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer unterwegs. Von Nutzungskonflikten und zahlreichen Engstellen spricht der Bezirk. Er will deshalb das Fraenkelufer neu gestalten und umbauen. Eine Anwohnerinitiative fordert dagegen eine behutsame Sanierung im Bestand. Weil sich beide Seiten nicht einigen konnten, dürfen die Friedrichshain-Kreuzberger am Sonntag, 27. November, in einem Bürgerentscheid darüber abstimmen, wie das Fraenkelufer künftig aussehen wird.

Uferpromenade soll auf acht Meter verbreitert werden

Für die 210.000 Wahlberechtigten werden 80 Wahllokale im Bezirk öffnen. Stimmen 20.038 für den Vorschlag der Anwohner, hat die Initiative gewonnen. „Ich bin gespannt auf das Ergebnis“, sagt Hans Panhoff (Grüne), Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg. Sollte der Bürgerentscheid erfolgreich sein, werde er dem Willen der Bürger nachkommen. Dann gebe es keinen Umbau, sondern nur eine Instandsetzung. Die Fördermittel vom Land aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ in Höhe von 800.000 Euro seien dann aber verloren. Eine Sanierung müsste der Bezirk bezahlen – 350.000 Euro, die frühestens 2018 zur Verfügung stehen.

>>>Flaniermeile am Fraenkelufer soll bleiben<<<

In drei Bauabschnitten will der Bezirk das Nordufer des Landwehrkanals neu gestalten. Der erste Abschnitt zwischen Baerwaldbrücke und Luisenstädtischem Kanal ist bereits abgeschlossen – ohne Debatte und Protest wurde der Uferbereich am Böcklerpark saniert. Dort gibt es jetzt einen breiten Weg am Ufer, eine grüne Erholungsfläche und neue Bänke entlang der Promenade. Der zweite Abschnitt ist der im Bürgerentscheid zur Debatte stehende Bereich bis zur Admiralbrücke und der dritte soll anschließend bis zur Kottbusser Brücke gehen.

Das Bezirksamt will den Gehweg in dem nun strittigen zweiten Abschnitt zu einer Uferpromenade ausbauen. Diese soll gepflastert und von jetzt 5,5 auf bis zu acht Meter verbreitert werden. Um Platz zu gewinnen, müssten die Autos künftig längs statt quer zur Fahrbahn parken. Alle 44 Parkplätze bleiben erhalten, dafür fallen Büsche weg. An deren Stelle entstehen neue Stellplätze. „Ansonsten gehen wir an die Vegetation nicht heran“, sagt Stadtrat Panhoff. Die Bäume seien von dem Umbau nicht betroffen. Am Übergang zum Böcklerpark soll neben der sogenannten Schneckentreppe eine Rampe zum Ufer hinabführen. Der gesamte Bereich wird barrierefrei sein.

Gegen eine Sanierung des Uferbereichs hat die „Nachbarschaftsgruppe Fraenkelufer“ nichts einzuwenden. Doch in ihren Augen geht das auch mit einfacheren Mitteln. Sie wollen das historische Erbe gewahrt wissen. Peter Joseph Lenné hatte 1846 den Uferstreifen entworfen, in den 80er-Jahren wurde er von dem Architekten Hinrich Baller neu gestaltet – mit geschwungenen Wegen, einer Wiese mit Hügeln und Tal, Rosen- und Fliedersträuchen. Das soll nach dem Willen der Anwohner so erhalten bleiben. „Es geht uns um die Ästhetik“, sagt Michael Westdickenberg von der Nachbarschaftsgruppe. Die Gründfläche werde durch den Umbau entwertet. „Der Zauber ist weg. Und der verwunschene Wald auch“, pflichten ihm Gabriele Alscher und Gisela Bosse bei.

Sie fordern den Erhalt der jetzigen Uferstrukturen mit Querparken und Freiflächen. Die Autos sollen dafür auf der Fahrbahn einen Stopper bekommen, damit die Räder nicht bis an den Bordstein rollen und Heck oder Motorhaube einen halben Meter über den Gehweg ragen. Damit sei genug Platz für den Uferweg. Alle Nutzer hätten gewonnen, Büsche und Rosensträucher könnten erhalten bleiben, so die Sicht der Initiatoren. Sie sprechen sich zudem gegen eine Pflasterung des Weges aus. Stattdessen bevorzugen sie einen befestigten Boden, eine sogenannte Tenne.

Größter Kritikpunkt ist der Bereich rund um die schneckenförmige Treppe. Zwar fordern auch die Bürger eine Instandsetzung der Treppe mit einem barrierefreien Übergang zum Wiesental. Aber nicht in Form einer 20 Meter langen Rampe und auch nicht mit Materialien wie Edelstahl und Granit. Sie schlagen Serpentinen vor. Die Drei wollen nicht die „Bestimmer“ sein. „Aber wir fordern die Wiederaufnahme der Bürgerbeteiligung“, erklärt Westdickenberg.