Digitaler Guide

Roboter Tim führt durchs Technikmuseum

| Lesedauer: 3 Minuten
Moritz Gutschmidt, Jürgen Stüber
Hat das Zeug zum Publikumsliebling: Roboter Tim

Hat das Zeug zum Publikumsliebling: Roboter Tim

Foto: Rainer Jensen / dpa

Der digitale Guide soll vor allem jugendliche Besucher für die Exponate der Ausstellung begeistern.

Berlin.  „Kannst du bitte den Weg frei machen“, sagt Tim zu dem Museumsbesucher, der vor einem Exponat steht. Die blinkenden blauen Leuchtdioden an seiner Stirn verleihen ihm Respekt. Nachdem der Besucher zur Seite getreten ist, setzt Roboter Tim seine Fahrt fort. „Hier lang!“, kommandiert der Automat seine Gefolgsleute und fragt: „Alle noch da?“ Tim heißt der neue Roboter des Technikmuseums. Er führt durch die Ausstellung „Das Netz“ in der Ladestraße des Museums (Möckernstraße 26), bei der es um Datenverarbeitung geht. Der Roboter erläutert die Exponate an zwölf Stationen, steuert aber auch bestimmte Stationen an. Museumschef Dirk Böndel und sein Team stellten ihren neuen Assistenten am Dienstag vor.

Tim ist anderthalb Meter groß und wiegt 75 Kilo. Er spricht fließend Deutsch und Englisch und interessiert sich nicht für die 35-Stunden-Woche. Einzig die Leistung seiner Batterie setzt dem Automaten Grenzen. Neigt sich die Akkuladung nach sechs bis acht Stunden ihrem Ende zu, steuert die Maschine automatisch eine ihrer Ladestationen in der Ausstellungshalle an und füllt ihre Reserven auf.

Ansonsten navigiert der Roboter souverän drei bis vier km/h schnell durch die Gänge des Ausstellungsraums. Dabei orientiert er sich an einem gespeicherten Lageplan und an den Daten, die ihm die Laser-Sensoren und die 3-D-Kamera an seinem Kopf übermitteln – seine digitalen Augen. „Mit diesen Informationen plant Tim in Echtzeit seine Fahrt um Hindernisse herum“, sagt Andreas Bley, Geschäftsführer der MetraLabs GmbH, in deren Labors in der Universitätsstadt Ilmenau der Roboter seit 2007 entwickelt wird. Roboter dieser Art werden auch im Einzelhandel eingesetzt. Ausgestattet mit einem zusätzlichen Chip erkennen sie Produkte, gleiten nach Ladenschluss an den Regalen vorbei und bestellen Waren, die knapp geworden sind.

Doch so schlau ist Tim nicht. „Er hat keine Spracherkennung“, sagt An­dreas Bley. Die Museumspädagogen suchen neue Wege, auch um die seit 2013 leicht sinkenden Besucherzahlen auszugleichen. „Wir wollen Jugendliche ansprechen, die nicht so gerne Texte lesen“, nennt Kuratorin Eva Kudraß einen Grund, die 30.000 Euro teure Maschine einzusetzen. Tim habe mit seinem charmanten Augenaufschlag das Potenzial zum Publikumsliebling. Und Dirk Böndel scherzt, Tim könne in einigen Jahren die Nachfolge der Museumsleitung antreten.

Roboter können auch in der Pflege eingesetzt werden

Robotik hat in der Berliner Wirtschaft einen hohen Stellenwert. So entwickelt InSystems Automation in Adlershof Industrie-4.0-Anlagen: darunter autonome Transportroboter. Für den Innovationspreis nominiert wurde Pi4-Robotics mit seinem „workerbot4“. Er erledigt Arbeiten in Fabriken, wird als Türsteher und perspektivisch auch als Servicekraft in der Pflege eingesetzt. Das Unternehmen Part Time Scientists entwickelt in Kaulsdorf seit 2008 einen Mondroboter, der unterstützt von Google und Audi auf den Erdtrabanten geschossen werden soll. Kleiner ist Tinkerbot, ein modulares Robotik-Baukasten-System für Kinder. Durch Drehen der Gelenke kann man den Tinkerbots Bewegungen vormachen und abspielen oder sie per Smartphone steuern – ganz ohne Programmierkenntnisse.