Mampes Neue Heimat

Im Bergmannkiez soll eine Manufaktur für Mampe entstehen

Mehr als 30 Jahre heimatlos soll die Traditionsmarke Mampe Ende 2016 im Kreuzberger Bergmannkiez eine neue Herberge finden.

Mampe: Mit Crowdfunding zur Manufaktur

Mampe: Mit Crowdfunding zur Manufaktur

Foto: PR / BM

Charlottenburg, Stuttgarter Platz. Es ist kurz nach Mitternacht. In der Gaststätte "Zum Hecht" sind die Plätze voll besetzt, zwei junge Männer, gerade 18 geworden, sitzen draußen in der Kälte und bestellen. "Mach ma 'ne Mampe!", grölt der eine Halbstarke. In den Augen der Bedienung blitzt ein kurzer Zweifel an der Volljährigkeit der zwei auf, doch keine zehn Minuten später stehen die Schnapsgläser auf dem Tisch. "Ne dufte Numma!", sagt der andere, und schon sind die Gläser leer.

Eine Szene, wie sie früher, in den besten Jahren der Spirituosenmarke Mampe, häufiger in den Kneipen der Hauptstadt vorkam. Die im Jahre 1877 gegründete Carl Mampe AG war damals mit 70 verschiedenen Spirituosen, die über 11.000 Verkaufsstellen vertrieben wurden, allgegenwärtig. Von 1890 bis 1980 genoss die Marke einen hohen Bekanntheitsgrad. Es gab über 20 Gaststätten in ganz Deutschland, die den Namen "Mampes gute Stube" trugen – die bekannteste von ihnen am Kurfürstendamm 15. Wo einst die bittersüßen Schnäpse Berliner und Touristen den Alltag vergessen ließen, lässt heute McDonald's Burger braten.

Der Fall des Berliner Kult-Getränks

Im vergangenen Jahrhundert ging es mit Mampe steil bergab. Einst Elefantensponsor des Berliner Zoos und in der Saison 1979/80 sogar erster Trikotsponsor des Bundesligisten Hertha BSC, war es mit dem Ruhm schnell vorbei. Der Apfelkornkonzern Berentzen übernahm dann die abgewirtschaftete Traditionsfirma mit dem Elefantenlogo, was der Mampe nicht bekam.

Tom Inden-Lohmar holte Mampe zurück nach Berlin

An dieser Stelle kommt Tom Inden-Lohmar ins Spiel. Er steht als Geschäftsführender Gesellschafter neben einem vierköpfigen Team hinter Mampe und dem Projekt "Mampes Neue Heimat". Gemeinsam mit einem Geschäftspartner kaufte er die Marke vom westfälischen Spirituosenkonzern Berentzen und holte Mampe zurück nach Berlin. Nach dem der erste Schritt, die Rückkehr der industriell gefertigten Produkte Feinbitterlikör, Wodka und Gin in die Regale des Berliner Handels vollbracht wurde – an Bord von Air Berlin gibt es sogar die von Mampe kreierte "Berliner Brise" – folgt nun der nächste Schritt.

"Unser Ziel ist es, Mampe wieder eine Heimat zu geben und den wichtigsten Teil der Spirituosenproduktion wieder ins Herz Berlins zurückholen", sagt Inden-Lohmar.

Mampe im Bergmannkiez

Ein Treffpunkt im Bergmannkiez für alle Berliner, Ur-Berliner, Neu-Berliner, Exil-Berliner, Möchtegern-Berliner. Und alle, die ebenfalls dazu beitragen möchten, Berliner Tradition aufrechtzuerhalten. "Wir möchten eine kleine Manufaktur für exquisite Spirituosen errichten", so der 54-Jährige. Zu diesem Zwecke wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Ziel: 39.000 Euro.

"Das Fundingziel von 39.000 Euro ermöglicht es uns, gleich mit mehreren neuen Produkten zu starten. Für die Entwicklung der Produkte, die dafür notwendigen Versuche und Proben sowie die Produktion der ersten Charge benötigen wir circa 30.000 Euro. Den Rest von 9000 Euro benötigen wir für Dankeschöns an die Kapitalgeber."

Die "Neue Heimat" ist bereits im Bau und soll noch in diesem Jahr ihre Türen öffnen. Dafür wurde ein Kredit bei einer Hausbank aufgenommen. Das Crowdfunding finanziert die Produktentwicklung und -fertigung. Dazu gehören auch die Rohstoffe und Halbwaren wie Botanicals, Flaschen und Verschlüsse. Kurzum alles, was für die Herstellung der handgemachten Produkte benötigt wird. Aktuell wurden knapp über 16.000 Euro gesammelt, noch ist das Fundingziel also nicht erreicht.

In Stein gemeißelte Liebeserklärungen

"Natürlich haben wir Sorge, dass das Ziel nicht erreicht werden könnte. Diese Angst ist da. Wir möchten pünktlich zur Grünen Woche im Januar mit drei bis vier Produkten an den Start gehen. Sollten wir die 39.000 Euro nicht zusammenbekommen, hätten wir eventuell nur ein Produkt, was für eine Manufaktur sehr schade wäre." Für die bisher gesammelte Summe wurden vor allem persönliche Kontakte, die Mitarbeiter und Familien aktiviert. "Jetzt brauchen wir die Berliner, das wird noch ein Stückchen Arbeit", erklärt Inden-Lohmar.

Wer unterstützt, erfährt eine besondere Ehrung in der neuen Destination der Marke. "Alle, die mitgemacht haben, bekommen ihren ganz persönlichen Platz: einen historischen Backstein mit Namen verewigt – oder den der besseren Hälfte, der Kinder, oder, oder, oder." Ein persönliches Stück Berliner Geschichte eben.

Bis zum 28. November 2016 können Mampe-Begeisterte unter startnext.com/mampe noch Finanziers des kleinen Unternehmens werden. Wer am Crowdfunding teilnimmt, hat sogar die Chance darauf, etwas Gutes, abgesehen von der Stärkung der Spirituosenmarke, zu tun. Sollten mehr Spenden als benötigt eingehen, wird ein Teil des Überschusses für ein Berliner Charity-Projekt gespendet.

Mehr zum Thema Mampe:

Wie "Mampe" zum Szenegetränk werden will

Eine Traditionsmarke ist zurück

Wie der Mampe-Likör Berlin zurückerobert

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.