Berlin Story Museum

Berliner Ausstellung zeigt Hitlers Zimmer im Führerbunker

Show oder Aufklärung? Der Verein Historiale hat in einem ehemaligen Luftschutzbunker Hitlers Wohn- und Arbeitszimmer nachbauen lassen.

Private Museumsmacher haben das Zimmer, in dem sich Hitler am 30. April 1945 das Leben nahm, nachgebaut – in einem heute noch erhaltenen Weltkriegsbunker am Anhalter Bahnhof, knapp zwei Kilometer von dem Ort entfernt, an dem damals der Führerbunker war. Ist das pure Effekthascherei oder inszenierte Geschichte zum Anfassen? "Wir wollen keine Hitler-Show machen", sagt Wieland Giebel vom Verein Historiale, der in einem ehemaligen Luftschutzbunker am Anhalter Bahnhof das Berlin Story Museum betreibt. Das Hitler-Zimmer sei nur im Rahmen einer Führung zu sehen. "Die Führung beginnt in dem Bunker, der für 3500 Menschen vorgesehen war und in dem am Ende des Krieges 12.000 Schutzsuchende waren. Die Parallel-Ebene ist das, was im Führerbunker passierte. Das eine wollen wir nicht von dem anderen trennen."

Kritisch wird der Nachbau von Rainer Alisch (63), Freie Universität Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, gesehen: "Das Hitler-Zimmer soll Touristen anziehen. Die krude Faszination an der NS-Vergangenheit werden wir einfach nicht los. Ich finde es bedauerlich, dass dieser Ort Anziehungspunkt für die rechte Bewegung sein kann." Er vergleicht das Museum mit der Wolfsschanze, dem militärisches Lagezentrum des Führungsstabes der deutschen Wehrmacht und eines der Führerhauptquartiere während des Zweiten Weltkrieges, in Polen. "Den Voyeurismus in dieser Weise zu nähren, könnte die Folge haben, dass Adolf Hitler glorifiziert wird. Die Macher können ja gar nicht beeinflussen, wen diese Ausstellung anlockt und wie sie aufgenommen wird", so Alisch weiter.

Enno Lenze (34) ist der zuständige Historiker der Ausstellung "Dokumentation Führerbunker". Er erwidert: "Wir wollen mit den Mythen um Hitler aufräumen, ganz nach dem Motto Aufklärung ist Abwehr. Wir machen seit drei Jahren schon Führungen durch ehemalige NS-Bunker, Rechte sind da nie aufgetaucht." Laut Lenze wollen diese den Schrecken des Krieges nicht sehen, sondern unter sich bleiben. "Die ersten 45 Minuten zeigt die Dokumentation, wie der Zweite Weltkrieg abgelaufen ist.

Das Arbeitszimmer ist nur ein Teil der Ausstellung. Daher mache ich mir keine Sorgen, dass das Bunkermuseum zum Wallfahrtsort für die Rechtsbewegung wird. Schon unsere Hausordnung ist da mehr als eindeutig." Die Rekonstruktion des Hitler-Zimmers sei annähernd richtig, erklärt Christoph Neubauer, der für eine animierte 3-D-Dokumentation die Geschichte des Führerbunkers aufwendig anhand alter Fotos und Baupläne recherchiert hat. Die Couch-Garnitur zum Beispiel habe in der Realität anders ausgesehen.

Berlin ist reich an authentischen, aber auch inszenierten Geschichtsorten, die von Besuchern aus aller Welt besichtigt werden. Im Stasi-Museum an der Normannenstraße ist das Arbeitszimmer von Staatssicherheit-Chef Erich Mielke im Originalzustand zu sehen. Im heutigen Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst wurde am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet – die im Kapitulationssaal stehenden Tische und Stühle seien zwar wohl aus der Zeit um 1945, sagt Museumssprecherin Margot Blank. Die Original-Einrichtung gelte aber als verschollen.

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