Konzept vorgestellt

So sollen Parkläufer den Görlitzer Park wieder sicher machen

Drogen, Überfälle, Vermüllung: Der „Görli“ ist in Verruf geraten. Nun wurde ein Konzept vorgestellt, das den Park sicherer machen soll.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beschreitet neue Wege bei dem Versuch, die Probleme in und um Berlins berüchtigtste Grünanlage zu lösen. Der als Umschlagplatz für Drogen bekannte Görlitzer Park soll nach einem gemeinsam mit einer Anwohnerinitiative erarbeiteten Konzept befriedet und für die Anwohner wieder attraktiver gemacht werden. Die Pläne wurden am Mittwoch vorgestellt. Bezirksamt und Anwohner wollen auch die Drogenhändler einbeziehen, von denen viele im Park Cannabis verkaufen. Dabei handelt es sich vor allem um Westafrikaner. Insgesamt 500.000 Euro will sich der Bezirk den Versuch kosten lassen. Neue Spielplätze, breitere Eingänge und neue Toiletten sind bereits fertig.

Der neue Herr im wilden „Görli“

Ein Parkmanager soll gemeinsam mit noch einzustellenden Parkläufern künftig Konflikte entschärfen, moderieren und für Verbesserungen sorgen. Den neu geschaffenen Job wird der 43 Jahre alte Cengiz Demirci übernehmen. Der Arbeits- und Organisationspsychologe arbeitete zuletzt als Stadtteilkoordinator in Charlottenburg. „Ich werde auch die Menschen einladen, die als Problem gelten, und sie mit ins Boot holen“, sagte Demirci mit Blick auf die Drogendealer. Sie zu verdrängen, sei nicht das Ziel, „weil sie sonst in einen anderen Park gehen“. Gemeinsam mit einem einzurichtenden „Parkrat“ und „Würdenträgern“ mit afrikanischem Hintergrund will er dann ein Konzept für den Umgang mit den jungen Männern erarbeiten und umsetzen. Nach Angaben von Bezirksbaustadtrat Hans Panhoff (Grüne) sind es noch etwa 50 bis 80 junge Männer, die sich regelmäßig im Park aufhielten.

Nutzungsanalyse: Ethnologin befragt 300 Parkbesucher

Lorenz Rollhäuser von der Anwohnerinitiative unterstützt diesen Weg. Es sei ein „großes Defizit“, dass es bisher keine sozialen Angebote im Park für die Afrikaner gebe, sagte er. Rollhäuser denkt an Rechtsberatung und Hilfen bei der Jobsuche oder bei der Klärung des Status der oft illegalen Einwanderer. Die Anwohner haben dabei auch die Kunden im Blick, die sich im Görlitzer Park mit weichen Drogen versorgen.

Die Ethnologin Franziska Becker hat in einer Nutzungsanalyse festgestellt, dass viele Nachbarn die gerade im Sommer zahlreichen Partytouristen für eine Belastung halten. Insgesamt sei das Areal gerade für viele alteingesessene Kreuzberger türkischer und arabischer Herkunft ein „Angstraum“ geworden, sagte Becker, die über drei Monate 300 Interviews mit Parkbesuchern und Nachbarn führte.

So soll der Görlitzer Park soll auf Vordermann gebracht werden
So soll der Görlitzer Park auf Vordermann gebracht werden

Viele türkische Frauen trauen sich nicht mehr in die Anlage

Die oft „sexualisierte Kundenansprache“ der Dealer setze gerade Mädchen und Frauen unter Druck. Vielen weiblichen Jugendlichen türkischer Herkunft hätten die Eltern den Besuch in der einzigen größeren Grünanlage in dem dicht bebauten Kreuzberger Gebiet deshalb verboten. Auch Kinder dürften nicht mehr alleine in den Görlitzer Park, hieß es.

Ziel des Konzeptes ist es deshalb auch, den Park für all diejenigen wieder zum Aufenthaltsort zu machen, die sich bisher dort unwohl und unsicher fühlen. Stadtrat Panhoff ist optimistisch. „Wenn es funktioniert, wird dieses Modell raumgreifend auch in anderen Grünanlagen angewandt werden“, sagte der Politiker, der einen Steinwurf vom Park entfernt wohnt.

Insgesamt hat sich die Lage im Görlitzer Park nach einer massiven Offensive durch Polizeirazzien in den vergangenen Monaten sowohl nach Einschätzung der örtlichen Polizei als auch in den Augen der Anwohner etwas verbessert. Ganz loswerden könne man den Drogenhandel aber wohl nicht.

Zumindest ist der Park sauber, seit die Berliner Stadtreinigung (BSR) hier im Einsatz ist. „Die Richtung stimmt“, sagte Anwohner Martin Heuß, die Sauberkeit bringe ein „anderes Gefühl“. Er lebe seit 30 Jahren im Kiez und sei jetzt jedenfalls optimistisch.

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M. Bidian & M. Boenke