Chronologie

Wie Friedrichshain zur Hochburg der Hausbesetzer wurde

Der Großeinsatz der Polizei an der Rigaer Straße am Mittwoch sorgt für Aufregung. Der Kiez gilt schon lange als Szene-Hochburg.

Bei der Räumung von 13 besetzten Häusern in der Mainzer Straße in Friedrichshain kommt es zu blutigen Straßenschlachten. Danach bietet sich ein Bild der Verwüstung.

Bei der Räumung von 13 besetzten Häusern in der Mainzer Straße in Friedrichshain kommt es zu blutigen Straßenschlachten. Danach bietet sich ein Bild der Verwüstung.

Foto: dpa Picture-Alliance / Peter Hammer / picture alliance / Peter Hammer

In der Berliner Hausbesetzer- und militanten Szene gilt die Rigaer Straße als eine Hochburg. Das Gebäude mit der Hausnummer 94 ist bereits seit dem Jahr 1990 besetzt. Die dort wohnenden Männer und Frauen hatten 1992 vom damaligen Eigentümer, der Wohnungsbaugesellschaft Friedrichshain, sogenannte Rahmenmietverträge und teilweise auch Einzelmietverträge erhalten. Im Jahr 2000 wurde das Gebäude verkauft. Auch die Bewohner waren an einem Kauf interessiert, erhielten aber keinen Zuschlag.

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Danach eskalierte die Situation immer wieder. Es kam zu Prozessen zwischen Bewohnern und Eigentümern. Wiederholt kam es zu Räumungen sowie im Zusammenhang damit zu Ausschreitungen und Randale rund um das Gebäude. Den Besetzern wurden vom Bezirk alternative Räumlichkeiten angeboten, letztlich kam es zu keiner Einigung.

Im Jahr 2007 kam es mehrmals zu größeren Krawallen, die sich im Vorfeld des 1. Mai ereigneten. Dabei begingen rund 200 Randalierer zahlreiche schwere Brandstiftungen, die zu heftiger Kritik an der Polizei führten. Die Beamten hatten sich von einem zunächst friedlichen Straßenfest zurückgezogen und wurden von der plötzlich ausufernden Gewalt überrascht.

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Der letzte große Kampf um ein besetztes Haus fand im Februar 2011 statt

Ein Jahr später zogen erneut rund 100 Aktivisten der Hausbesetzerszene randalierend umher, weil das Gebäude erneut geräumt worden war. Im Oktober 2008 erreichte die Gewalt in der Rigaer Straße eine neue Qualität. Ein vorbeifahrendes Auto der Polizei wurde von zwei Schüssen getroffen. Im Jahr 2010 wurde ein Streifenwagen an der Rigaer Straße Ecke Liebigstraße mit Pflastersteinen beworfen, von denen einer die Frontscheibe beschädigte und einen Beamten verletzte.

Schwere Ausschreitungen wurden am 2. Februar 2011 begangen, als das Haus in der nahen Liebigstraße 14 von der Polizei geräumt wurde. Es war der letzte große Kampf um ein besetztes Haus in der jüngeren Berliner Geschichte. Wegen des erwarteten Widerstands waren 2500 Einsatzkräfte an der Räumung beteiligt. Die Polizei rückte damals mit Wasserwerfern, Hubschraubern und Räumfahrzeugen an. Bis in die frühen Morgenstunden zogen sich Krawalle hin, die sich auf mehrere Wohnquartiere in Friedrichshain ausgeweitet hatten. Die Polizei zählte 61 verletzte Beamte und 82 vorläufige Festnahmen, 22 davon wurden einem Haftrichter vorgeführt.

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1990 standen sich 3000 Polizisten und 600 Autonome gegenüber

Von extremer Gewalt war südlich der Frankfurter Allee im November 1990 auch die Räumung von 13 besetzten Häusern in der Mainzer Straße begleitet. Es kam zu Straßenschlachten, nach Angaben des damaligen Polizeipräsidenten Georg Schertz standen 3000 Polizisten 500 bis 600 Autonomen gegenüber. Mehr als 70 Beamte wurden verletzt. Die Polizei nahm 417 Randalierer fest, überwiegend wegen Landfriedensbruchs.

In der Rigaer Straße kam es 2013 zu einem massiven Brandanschlag auf einen Neubau, der Linksautonomen zugerechnet wird. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei im Gebiet rings um die Rigaer Straße kommt es immer wieder vor, dass sich die Täter in das Haus Nummer 94 zurückziehen.

Meistens kommt es am Wochenende zu Ausschreitungen

Ausschreitungen gibt es zumeist an den Wochenenden, wenn sich größere Personengruppen auf der Straße versammeln. Seither wurden vermehrt Streifenwagen mit Steinen beworfen. Die Täter halten sich auf den Hausdächern auf und attackieren im Schutz der Dunkelheit die Fahrzeuge.

Von 1970 bis 2014 gab es in Berlin etwa 630 Besetzungen von Häusern und Wagenplätzen, von denen die meisten im Nachgang legalisiert wurden.