Friedrichshain

Pantomimen sollen im Party-Kiez für weniger Lärm sorgen

Vor Bars und Restaurants geht es etwa in der Simon-Dach-Straße oft hoch her. Das heißt vor allem: Laut. Für viele Anwohner wird das zum Problem. Pantomimen sollen jetzt für Ruhe sorgen.

Pantomime gegen Lärm

Video: Abendschau, RBB
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Am Freitagabend haben die Berliner Clubcommission und Visit Berlin die Pantomimen vorgestellt, die in Friedrichshain-Kreuzberg ab sofort für mehr Ruhe sorgen sollen. Ganz in Weiß sind sie gekleidet, mit Hut, Frack und Taschenlampe ausgestattet. Die Pantomimen sollen unter dem Motto Fair Kiez an den Wochenenden durch die Friedrichshainer Straßen ziehen – immer ein Team pro Abend bestehend aus zwei Schauspielern und zwei sogenannten Straßenkommunikatoren. Zum Start am Freitagabend gibt es einen Testlauf in der Simon-Dach-Straße.

,,Ich weiß nicht, ob die Aktion wirklich was bringt“, sagt Marie, 27 aus Lichtenberg, als die Schausteller an ihrem Tisch vor einer Bar performen. Aufmerksam werde man aber auf alle Fälle. ,,Pantomime sehen viele vielleicht eher als Belustigung“, sagt sie - vor allem, wenn Alkohol im Spiel sei. Gerade bei jungen Leuten sei das oft der Fall.

Den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg besuchen zunehmend mehr und vor allem junge Touristen, die nachts lautstark feiern. Anwohner der Kieze des Bezirks haben sich mehrfach über die Lautstärke der feiernden Touristen beschwert, außerdem hinterlassen diese nach den nächtlichen Eskapaden auch eine ganze Menge Müll. Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) hatte sich im vergangenen Sommer öffentlich über die Zustände in dem Bezirk beschwert und einen „Verhaltenskodex“ für jugendliche Touristen gefordert. Der Berliner Senat hatte sich jedoch mehrfach für die Touristen als wichtigen Wirtschaftsfaktor stark gemacht.

In Paris läuft das Projekt erfolgreich

Die Senatswirtschaftsverwaltung stellte Visit Berlin 300.000 Euro zur Verfügung. Anfang März haben die Berliner Clubcommission und Visit Berlin dann ein neues Konzept vorgestellt, das in anderen europäischen Städten bereits mit Erfolg eingesetzt wurde - etwa in Paris. Mit dem neuen Modell will man wieder Herr der Lage werden: Schauspieler sollen lärmende Jugendliche zu mehr Rücksicht auf die Bewohner in den Kiezen anhalten, aber mit ihren Aktionen nicht belehrend auf die Menschen wirken.

Belehrend scheinen sie auf die Menschen hier tatsächlich nicht zu wirken. Es gibt viel Gelächter oder irritierte Blicke, als die Schauspieler sich zu den Gruppen an die Tische setzen oder stellen und sie mit ihren Taschenlampen anstrahlen. Manche fragen aber auch nach, was die Aktion zu bedeuten hat. Und einige sind in der Tat schlagartig verstummt.

,,Wir befinden uns mit dem Projekt noch in der Pilotphase“, sagt Lutz Leichsenring, Sprecher der Clubcommission Berlin. Ob es in der Form fortgesetzt werde, müsse sich erst noch zeigen.

Positive Reaktionen

,,Wir gehen gar nicht davon aus, dass es dadurch auf den Straßen messbar leiser wird“, sagt Chris, einer der Straßen-Kommunikatoren, ,,aber die Reaktion der Leute gerade ist zumindest positiv.“ Gelächter könne man schließlich auch positiv sehen. ,,Und wenn es sogar mal Applaus gibt, ist das ja auch was Gutes.“

,,Meiner Meinung nach kann man die Entwicklung eines Stadtteils kaum aufhalten“, sagt Florian, 40 aus dem Simon-Dach-Kiez. Die Aktion verstehe man auch nicht unmittelbar. ,,Ich finde das Projekt hier auch unnötig“, sagt er. ,,Wenn einem die Lautstärke hier nicht passt, kann man doch wegziehen – mich stört sie jedenfalls nicht.“

Die kommenden Monate, bis Mitte Juli, wird die Aktion dennoch erst einmal stattfinden. An 15 Abenden wird immer ein Team durch die Straßen ziehen, für jeweils vier Stunden, von 22 bis 4 Uhr. Der Schwerpunkt soll auf dem Simon-Dach-Kiez, Ostkreuz, Oberbaumbrücke und an der Schlesischen Straße liegen. Hauptsächlich vor den dort ansässigen Gastronomiebetrieben. Die Kommunikatoren sollen in bis zu vier Fremdsprachen mit Touristen sprechen können. Ob sie dabei auf Verständnis und Interesse stoßen werden oder doch eher auf Ablehnung? An der Simon-Dach-Straße sind Freitagabend jedenfalls schon einige Menschen genervt.

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