Asylpolitik

Baumbesetzerin vom Oranienplatz feiert Hochzeit

Napuli Paul Lange wurde bekannt als die Frau, die fünf Tage in einer Baumkrone auf dem Oranienplatz ausharrte – aus Protest, weil ihr Asylantrag nicht beschieden wurde. Nun heiratete sie.

Foto: Amin Akhtar

Musik erklingt aus der runden Holzhütte auf dem Oranienplatz in Kreuzberg. Zwei Männer tanzen. Es wird gehämmert und geräumt, Tische und Bänke werden geschoben. Ein Mädchen zieht den langen Rock ihres rosafarbenen Prinzessinnenkleides hinter sich her durch den Schneematsch.

Es soll Hochzeit gefeiert werden. Auf dem Platz, auf dem seit Oktober 2012 bis vor acht Monaten Flüchtlinge und ihre Unterstützer für ein Aufenthaltsrecht in Deutschland demonstriert hatten. Die Presse ist geladen, denn es ist eine Hochzeit mit politischem Statement. Die Braut ist Napuli Paul Lange, bekannt geworden als die Frau, die im April 2014 aus Protest fünf Tage und Nächte in der Baumkrone einer Platane auf dem Oranienplatz ausgeharrt hatte. Die Sudanesin hatte 2012 Asyl beantragt, weil sie als Menschenrechtsaktivistin in ihrer Heimat verfolgt worden war. Der Antrag sei bis heute unbeantwortet, sagen Unterstützer. Unter dem Baum hatte damals Max Görlich, ihr Verlobter, gestanden. Die beiden lernten sich auf dem Oranienplatz bei einer Demonstration kennen. Am Freitag haben sie vor dem Standesamt geheiratet.

Monatelanger Kampf mit den Behörden

Draußen plötzlich ein Jubelschrei. Sie kommen. Napuli und Max Görlich gehen langsam durch den grauen Schnee. Sie trägt ein Brautkleid mit ausladendem Tüllrock und kleine weiße Blumen im Haar. Das Mädchen im Prinzessinnenkleid wirft buntes Konfetti, die Gäste klatschen, jubeln, einige weinen. In der Holzhütte stehen zwei mit blauem Stoff überzogene Stühle für das Brautpaar bereit. „Das ist mein Mann. Er ist jetzt Teil meines Körpers“, sagt Napuli in ein Mikrofon, „ich liebe ihn.“

Das Paar erzählt, dass es monatelang mit den Behörden gekämpft habe, um heiraten zu dürfen. Man habe geglaubt, es sei keine Heirat aus Liebe, sondern nur fürs Papier, sagt Napuli auf Englisch. Auch darum soll es an diesem Tag gehen. Die Flüchtlingsaktivistinnen fordern eine Ende der Kriminalisierung von Liebe. Gleichzeitig aber auch ein Ende der sexuellen Ausbeutung von Frauen, zu der sich viele durch Ehe gezwungen sähen, um ihren Aufenthalt zu sichern.