Sekundarschulen

Eltern kämpfen für Oberstufe an Kreuzberger Veseli-Schule

Eltern der Refik-Veseli-Schule bemängeln das Fehlen einer weiterführenden Schule mit Abitur-Option im östlichen Kreuzberg. Nun übergaben sie gesammelte Unterschriften an die Bildungsverwaltung.

Foto: Massimo Rodari / <219,4,191>Massimo Rodari

Kreuzberger Eltern machen Druck. Sie fordern die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Refik-Veseli-Sekundarschule an der Skalitzer Straße. Ihr Argument: Der östliche Teil Kreuzbergs (ehemaliges SO36) ist unterversorgt, es gibt dort keine weiterführende Schule mit Abitur-Option. Außerdem wollen die Eltern, dass ihre Kinder so lange wie möglich gemeinsam lernen, und zwar an einer Schule im Wohnumfeld. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, haben die Eltern am Freitag einen entsprechenden Brief mit 1136 Unterschriften bei der Bildungsverwaltung abgegeben.

Die Kreuzberger Mütter und Väter stehen mit ihrer Forderung nicht allein da. Vier Jahre nach der Oberschulreform, die zur Entstehung der Sekundarschulen führte, wird immer deutlicher, dass Eltern mit dieser Reform nur teilweise zufrieden sind.

Schnelle Entscheidung nötig

Integrierte Sekundarschulen (ISS) werden vor allem dann akzeptiert, wenn sie eine gymnasiale Oberstufe haben. In diesem Fall ziehen nicht wenige Eltern die Sekundarschule sogar dem Gymnasium vor, weil sie sich wünschen, dass ihre Kindern mehr Zeit bis zum Abitur haben und damit weniger Druck. Die Möglichkeit, an einem Oberstufenzentrum (OSZ) das Abitur abzulegen – dieser Weg ist für Sekundarschulen ohne Oberstufe vorgesehen –, akzeptieren die meisten Eltern indes nicht.

In Kreuzberg ist es die „Elterninitiative für Schulentwicklung SO36“, die sich für die Einführung einer Sekundarstufe II an der Refik-Veseli-Schule einsetzt. Der Initiative gehören sowohl Eltern der umliegenden sechs Grundschulen wie der Heinrich-Zille-Grundschule, der Nürtingen-Grundschule oder der Fichtelgebirge Grundschule als auch Eltern der Refik-Veseli-Sekundarschule an.

Neuer Name, neues Programm

Alle gemeinsam haben sie ein neues Konzept für die Veseli-Schule entwickelt. Die hatte lange einen schlechten Ruf und deshalb kaum Anmeldungen. Daran änderte auch die Sekundarschulreform wenig. Ein neuer Name, eine neue Schulleitung und ein neues Schulprogramm sollen die Situation nun grundlegend verbessern. In einer Stellungnahme der Elterninitiative, die der Berliner Morgenpost vorliegt, heißt es dazu: „Damit aus dem Umbruch ein Aufbruch wird, fordern wir eine eigene Sekundarstufe II für die Refik-Veseli-Schule.“

Günter Rohleder, Elternvertreter der Fichtelgebirge Grundschule, sagte, dass die Verwaltung jetzt schnell entscheiden müsse. Vor allem die Eltern der Sechstklässler seien unter Zeitdruck. „Sie stehen bereits vor der Entscheidung, welche weiterführenden Schulen für sie infrage kommen.“ Einige Schulen hätten schon zum Tag der offenen Tür eingeladen, die anderen würden in Kürze folgen. „Eltern wie Kinder brauchen dringend Klarheit, ob die Refik-Veseli-Schule für sie eine Option ist oder nicht.“

Eine Oberstufe brauche ausreichende Wahlmöglichkeiten

Der Bezirkselternausschuss (BEA) Friedrichshain-Kreuzberg und die Bezirksverordnetenversammlung unterstützen die Forderung der Eltern. Alle Sekundarschulen mit eigener Oberstufe im Bezirk seien übernachgefragt, heißt es in der Begründung des BEA. Nur die besten Schüler bekämen dort einen Platz, alle anderen müssten den Bezirk verlassen. Die Auslastung der Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe sei hingegen zu gering. Dies führe regelmäßig zu einem nicht ausgeglichenen Schuletat.

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagte, dass die Senatorin um eine zeitnahe Entscheidung bemüht sei. „Wir überprüfen gegenwärtig die gesamte Region hinsichtlich der vorhandenen Schulplätze.“ Dabei habe Scheeres die Refik-Veseli-Schule besonders im Blick. Die Entscheidung sei eine Frage der Kapazitäten und des Bedarfs, sagte Stoffers. Es gehe um das Wohl der Jugendlichen. „Denen ist mit einer kleinen Oberstufe, die nur dürftige Angebote machen kann, nicht geholfen.“ Die Oberstufe müsse mit ausreichend Schülern eingerichtet werden. Nur dann stünden den Jugendlichen viele Kurse zur Auswahl.

Stoffers räumte außerdem ein, dass die Eltern besser über das Angebot der Oberstufenzentren informiert werden müssten. „Hier ist Aufklärung nötig“, sagte sie. Die Verwaltung prüfe zurzeit außerdem, ob an den Oberstufenzentren ein Abitur ohne Fachbezug möglich sei.

Das Angebot soll besser werden

Bildungssenatorin Scheeres hat zudem Anfang des Schuljahres Klaus Brunswicker, er leitete bis vor kurzem die erfolgreiche Sophie-Scholl-Sekundarschule, damit beauftragt, das Oberstufen-Angebot der Sekundarschulen zu verbessern. Gemeinsam mit Schulleitern von Oberstufenzentren, Gymnasien und Sekundarschulen soll Brunswicker neue Kooperationsformen für die Abiturstufe finden. Dabei geht darum, die Angebote der Oberstufenzentren zu optimieren. Außerdem soll den Schülern nach Abschluss der zehnten Klasse der Übergang von einer Sekundarschule auf ein Gymnasium erleichtert werden.

Einen ganz neuen Weg will die Wilhelm-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule in Prenzlauer Berg einschlagen. Schulleiterin Gabriele Anders-Neufang sagte, dass es dabei nicht einfach nur um eine Kooperation mit einem Oberstufenzentrum gehe. „Stattdessen werden wir zusammen mit dem OSZ Elinor Ostrom ein Konzept für eine gemeinsame Oberstufe entwickeln.“ Dieser Weg ermögliche es, die besondere Form des gemeinsamen Lernens, die an der Gemeinschaftsschule praktiziert werde, auch in der Oberstufe fortzuführen. Die Oberstufe beider Schulen soll nach den Angaben von Gabriele Anders-Neufang ein eigenes Gebäude bekommen.