Tiergehege

Hoffnung für Tiere im Kreuzberger Viktoriapark

Im Kreuzberger Viktoriapark gibt es Wirbel um das Tiergehege, in dem zuletzt 17 Tiere lebten. Das Bezirksamt ließ die Ziegen, Hasen, Enten und Meerschweinchen wegbringen. Doch jetzt gibt es Hoffnung.

Foto: Amin Akhtar

Für das verwaiste Tiergehege im Kreuzberger Viktoriapark ist vielleicht doch noch nicht aller Tage Abend. Der Verein Vogelgnadenhof und Altenheim für Tiere hat angeboten, die Betreuung der zuletzt 17 Tiere zu übernehmen. Er betreibt im Pankower Ortsteil Blankenburg ein Tierheim mit rund 300 Plätzen und eine Informationsstelle für Tierschutz. In den kommenden Tagen will sich der Vorstand mit Verantwortlichen aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg treffen, um sein Konzept vorzustellen.

Wie berichtet, ließ das Bezirksamt in der vergangenen Woche fünf Ziegen, vier Hasen sowie Enten und Meerschweinchen in ein Gehege in Alt-Marzahn bringen. Die Tiere wurden bisher im Viktoriapark von einem Ehrenamtlichen sowie Ein-Euro-Jobbern versorgt. Nun stieg der Trägerverein aus, er wollte keine Stellen für Ein-Euro-Jobber mehr beantragen. Und das Bezirksamt winkte aus finanziellen Gründen ab. Zwei Pflegekräfte plus Futter würden 100.000 Euro pro Jahr kosten, das könne sich der Bezirk nicht leisten, sagte Sprecher Sascha Langenbach. Auf der Fläche sollen Metallskulpturen aufgestellt werden. Die Entscheidung löste starke Proteste in der Nachbarschaft aus, auch die CDU kritisierte die Schließung des Geheges. Eine Bürgerinitiative gründete sich, am vergangenen Sonntag veranstaltete sie eine Demonstration mit 70 Teilnehmern. Sogar Schauspieler Til Schweiger, der in der Nähe des Parks wohnt, macht sich für die Rettung des Geheges stark und bot an, Geld zu spenden.

Pankower Tierretter finanzieren sich ausschließlich über Spenden

Die Tierretter aus Pankow wollen das Kreuzberger Gehege als Zweigstelle ihres Hofes in Blankenburg führen. Sie arbeiten mit Ehrenamtlichen, sind aber auch berechtigt, beim Jobcenter Anträge für Beschäftigungsmaßnahmen zu stellen. Der Betrieb wird ausschließlich über Spenden finanziert. „Wir würden für jeden Wochentag jeweils einen festen Tierbetreuer nach Kreuzberg schicken, der könnte dann noch durch weitere Freiwillige unterstützt werden“, sagte Hartmut Benter, der Schatzmeister des Vereins, zum Konzept. Das Gehege müsste umgestaltet werden, derzeit ist es mit einem Doppelzaun gesichert. Spendenaufrufe wolle man aber erst starten, wenn klar sei, dass der Verein sich in Kreuzberg engagiert. Til Schweiger habe für diesen Fall bereits seine Unterstützung zugesagt, sagte Benter.

Im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg freut man sich über die Offerte, bleibt aber skeptisch. Das Konzept des Vereins müsse „gut durchgerechnet“ sein, die Finanzierung dauerhaft gesichert. Für den Bezirk dürften weder Sach- noch Personalkosten anfallen, sagte Sprecher Langenbach. Auch er geht von erheblichen Investitionskosten aus. Das Gehege sei in seinem jetzigen Zustand nicht mehr zeitgemäß, gab er zu bedenken. Im Unterschied etwa zum Kinderbauernhof am Görlitzer Park gebe es kein pädagogisches Konzept, es habe sich auch nicht um einen Streichelzoo gehandelt. Die Tiere 365 Tage im Jahr angemessen zu betreuen, sei eine „echte Herausforderung“, der Bezirk sei aber für Anregungen offen. Langenbach erwartet wegen der Schließung des Geheges am heutigen Mittwoch Bürgerproteste bei der Bezirksverordnetenversammlung im Rathaus Kreuzberg.

2001 war das Tiergehege schon einmal in die Schlagzeilen geraten

Schon zu Beginn des Jahres 2001 hatte das Tiergehege für Schlagzeilen und Bürgerwut gesorgt. Damals wurde bekannt, dass wenige Wochen zuvor in einem Schreiben des Kreuzberger Naturschutz- und Grünflächenamtes die Anweisung erteilt wurde, den damals noch größeren Tierbestand im Gehege aus Platz- und Kostengründen zu reduzieren. Mit den Tieren könne nach Belieben verfahren werden, hieß es in dem Schreiben. Ein Tierpfleger verteilte daraufhin generös Gänse und Enten als Weihnachtsbraten an Bezirksamtsmitarbeiter. Vom „Schlachtefest“ war die Rede.