Berlin-Friedrichshain

Keine Luxussanierung im Quartier an der Petersburger Straße

In Berlin-Friedrichshain steigt die Nachfrage nach hochwertigen Wohnungen. Jetzt bekommt das Gebiet einen Milieuschutz, damit die langjährigen Bewohner bleiben können.

Foto: Google Streetview

In Friedrichshain steigt die Nachfrage nach Wohnungen mit luxuriöser Ausstattung. Gewünscht werden Räume mit großzügigen Grundrissen, Fußbodenheizung, Terrassen und Designerbäder. Sie lassen sich gut vermarkten. Stark betroffen davon ist das Quartier rund um die Petersburger Straße. Es ist besonders begehrt, weil der Szenekiez um die Simon-Dach-Straße mit vielen Cafés und Kneipen in der Nähe liegt.

Etwa 28 Prozent der Wohnungen im Quartier an der Petersburger Straße sind bereits in den vergangenen drei Jahren modernisiert worden. Viele Bewohner, die seit Langem in diesem Viertel leben, können sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten, und ziehen aus. Um diesen Trend zu stoppen und weitere Luxussanierungen zu verhindern, wird das Gebiet jetzt unter Milieuschutz gestellt. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat im November die sogenannte Erhaltungsverordnung beschlossen. Sie legt fest, welche baulichen Veränderungen die Hauseigentümern vornehmen dürfen, und in welchen Fällen das Amt keine Zustimmung gibt.

Nun soll die Bezirksverordnetenversammlung ihre Zustimmung für diese Verordnung geben. Die neuen Restriktionen gelten, sobald sie im Berliner Amtsblatt veröffentlicht sind.

Schutz gilt für 21.500 Bewohner

Der Milieuschutz gilt künftig für 21.500 Bewohner und rund 13.500 Wohnungen. Zwei Drittel der Bauten stammen aus der Zeit um 1900, ein Drittel sind Nachkriegsbauten. Grundlage für den Milieuschutz ist eine sozialempirische Untersuchung, die eine Gesellschaft im Auftrag des Bezirksamtes durchgeführt hat. Dieser Studie zufolge leben Dreiviertel der Anwohner in Ein- und Zwei-Personen-Haushalten. Rund 70 Prozent der Wohnungen haben nur ein oder zwei Zimmer.

Es gibt enge nachbarschaftliche Beziehungen. Familien mit Kindern und Ältere haben gute Kontakte untereinander. Geschäfte und Dienstleistungen, Kindergärten und Grundschulen sind in ausreichendem Maß vorhanden. Die Studie weist nach, dass es eine starke Tendenz zur Aufwertung im Quartier gibt. Mieter, die neu einziehen, zahlen 22 Prozent mehr als die langjährigen Bewohner. Immer mehr Eigentumswohnungen entstehen.

Die neue Verordnung besagt, dass in Zukunft kleine Wohnungen nicht mehr zu größeren zusammengelegt werden dürfen. Wohnungen dürfen nicht als Ferienunterkunft vermietet werden. Nicht erlaubt ist der Anbau von Balkonen mit mehr als vier Quadratmetern Grundfläche und von Zweitbalkonen. Für Einbauküchen wird keine Genehmigung erteilt, ebenso wenig wie für das zweite WC und Doppelhandwaschbecken. In Badezimmern dürfen Badewanne und Dusche nicht getrennt voneinander eingebaut werden. Aufzüge werden grundsätzlich genehmigt. Neubauten sind nicht von den Einschränkungen betroffen. Sie gelten nur für Häuser, die schon errichtet sind.

Überprüfung in vier Jahren

Das Milieuschutz-Gebiet an der Petersburger Straße wird im Norden durch die Landsberger Allee begrenzt, im Süden durch die Frankfurter Allee und den Weidenweg. In vier Jahren sollen erneut Daten erhoben werden, um zu prüfen, ob dieser Schutz weiter bestehen soll. Die Kosten für die Untersuchung liegen bei 18.000 Euro.

Bislang gibt es in Friedrichshain nur ein Milieuschutzgebiet, am südlichen Boxhagener Platz, und fünf in Kreuzberg. Der frühere Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) hatte bereits im Frühjahr 2013 angekündigt, dass weitere Gebiete in Friedrichshain unter Milieuschutz gestellt werden sollen. Baustadtrat Hans Panhoff(Grüne), der seit dem Sommer für den Bereich Stadtentwicklung zuständig ist, setzt diese Ankündigung jetzt um.

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