Gentrifizierung

In Kreuzberg wird jetzt auch gegen Bio protestiert

| Lesedauer: 2 Minuten
Raimon Klein

Foto: Frank Rumpenhorst / picture-alliance/ dpa

Die Proteste gegen die Verdrängung von Alteingesessenen gehen in Kreuzberg weiter. Jetzt ist sogar einen Bio-Supermarkt ins Visier geraten, weil dafür eine alteingesessene Wäscherei weichen soll.

Direkt am Schlesischen Tor geht die Gentrifizierungs-Debatte in eine neue Runde: Die seit knapp 30 Jahren bestehende Wäscherei von Gerda Scheffler soll einer neuen Filiale der Ökofood-Kette Bio-Company weichen. Doch die Menschen im Kiez haben etwas dagegen. Rund 60 Anwohner, Ladenbesitzer und Demonstranten haben sich vor dem Geschäft in der Skalitzer Straße versammelt. Viele tragen sich in eine Unterschriftenliste ein, um ihre Solidarität mit Gerda Scheffler zu zeigen.

So ist auf einem Schild zu lesen: „Bio-Company – Die Armen ökologisch korrekt verdrängen“. Ein Anwohner sagt: „Es ist ein Unding, dass alteingesessene Geschäftsleute großen Ketten Platz machen müssen.“ Die Betroffene selbst hat kein Verständnis für den Vorgang: „Wir brauchen hier im Kiez eine Drogerie, eine Bank und eine Reinigung – und keinen weiteren Bioladen“, sagt Gerda Scheffler.

Nicht zum ersten Mal regt sich Widerstand gegen die Neuerungen in Kreuzberg. So wollten die Bewohner des Graefekiezes im Juli per Gesetz verbieten lassen, dass kleinere Geschäfte durch gastronomische Betriebe verdrängt werden. Anfang des Jahres musste das BMW Guggenheim-Lab nach massiven Protesten von Anwohnern und der linken Szene seinen angedachten Platz an der Curvystraße aufgeben und nach Prenzlauer Berg ziehen. Und auch eine McDonalds-Filiale wurde attackiert.

Anlass der Solidaritätskundgebung am Schlesischen Tor war ein Treffen von Ladenbesitzerin Scheffler mit den Anwälten der Bio-Company und des Hauseigentümers. Diese waren zu keinem Kommentar bereit. Dabei sei die Rechtslage klar, sagt Ines Gehrisch, Anwältin von Gerda Scheffler. „Da es im Gewerbe keinen Kündigungsschutz gibt, hoffen wir auf weitere Gespräche mit dem Vermieter und dem Nachmieter. Wir wollen den Standort erhalten oder woanders im Kiez hinziehen. Bei dem großen Maschinenpark gestaltet sich ein Umzug jedoch schwierig“, so die Anwältin. Reinigungsmaschinen können nicht überall betrieben werden, Voraussetzung ist eine Genehmigung durch das Umweltamt.

Bis zum 31. Januar 2014 soll Gerda Scheffler nun ausziehen. Sie will für ihre Reinigung weiter kämpfen.