Diebstahl

So viele Autos werden in der City West gestohlen

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Norman Börner
Ein Mann versucht eine Autotür mit einer Metallstange aufzubrechen (Symbolfoto).

Ein Mann versucht eine Autotür mit einer Metallstange aufzubrechen (Symbolfoto).

Foto: Axel Heimken / dpa

Im Bezirk werden häufig Fahrzeuge geklaut. Manche Ortsteile sind Hotspots. Woran das liegen könnte und wie Sie sich schützen.

Berlin. In den Ortsteilen Charlottenburg, Wilmersdorf und Westend schlagen Autodiebe im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf am häufigsten zu. Das geht aus einer Anfrage der Abgeordneten Sandra Khalatbari (CDU) an das Abgeordnetenhaus hervor. So registrierte die Polizei in diesem Jahr im Ortsteil Charlottenburg 203 Diebstahlsdelikte, in Wilmersdorf 152 und im Westend wurden 81 Kraftfahrzeuge gestohlen. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf führt mit 3987 Fällen im Zusammenhang mit Diebstahl an oder aus einem Fahrzeug auch die Statistik in Berlin an.

Berlin hat eine enorm große Anziehungskraft auf Autodiebe. In der Hauptstadt wurden im vergangenen Jahr im Verhältnis zur Einwohnerzahl zehn Mal so viele Autos gestohlen wie im deutschen Durchschnitt. So steht es aktuell im Kfz-Diebstahlreport des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Ein Grund für die vielen Taten in Berlin sind laut Polizei die Nähe und die schnellen Autobahnverbindungen zu Osteuropa. Die Szene wird in Berlin laut der Polizei von spezialisierten Banden aus Osteuropa dominiert.

Charlottenburg-Wilmersdorf: Nähe zur Autobahn, Wohlstand und Kriminalitätsbelastung

Die gute Anbindung des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf könnte dabei eine Rolle spielen. Der Ortsteil Charlottenburg wird beispielsweise von der Stadtautobahn mit zwei Anschlussstellen tangiert. Eine verkehrsreiche Verbindung durch Wilmersdorf ist das Teilstück der Stadtautobahn A 100. Im Westend hat die Stadtautobahn mehreren Ausfahrten im Osten. Im Südosten liegt das Autobahndreieck Funkturm, von wo die A 115 nach Südosten in Richtung Wannsee und Potsdam abzweigt.

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Man muss dazu sagen, dass absolute Zahlen und die Aufteilung nach Bezirken nur begrenzt aussagefähig sind. Die Polizei rechnet mit eigenen Regionen, die sich nicht an die Bezirksgrenzen halten. Hierbei zeichnet sich ab, dass gemessen an der Einwohnerzahl auch Grunewald und Halensee Schwerpunkte sind. Der Grunewald und andere Teile des Bezirkes zähen zu den einkommensstärksten Berlins. Laut Polizei stehen bei Dieben vor allem hochwertige Pkw, SUV-Modelle und Kleintransporter im Fokus der Diebe. Die City West und der Kurfürstendamm in Charlottenburg sind zudem allgemein stark von Kriminalität belastet.

Zahlen seit einigen Jahren rückläufig – Corona-Delle im Jahr 2020 schwer erklärbar

Die gute Nachricht: In allen Ortsteilen des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf ist die Zahl der Diebstähle von Fahrzeugen rückläufig. Wurden im Bezirk 2017 noch 1019 Diebstähle von Kraftfahrzeugen registriert, waren es 2021 nur noch 721. Zum Stichtag 30. September sind in diesem Jahr allerdings bereits 610 Fälle erfasst.

Ein Tiefpunkt wurde während des Lockdown-Jahres 2020 mit nur 577 Diebstahlsdelikten erreicht. Eine Zahl, die insofern überrascht, weil in Zeiten von Home-Office für viel Berlinerinnen und Berliner während des Homeoffice der Arbeitsweg wegfiel und viele Autos über Tage ungenutzt herumstanden.

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Aber auch die Einbrüche in und der Vandalismus an Fahrzeugen waren im ersten Corona-Jahr erstaunlich niedrig. Dies deckt sich mit den Beobachtungen der Berliner Polizei, wonach in den Lockdowns 2020 Delikte wie Taschendiebstahl, Raubüberfälle, Autodiebstahl und Wohnungseinbrüche zurückgingen.

Weniger Einbrüche in Fahrzeuge in Sommermonaten festgestellt

Sobald die Tage kürzer und dunkler werden, nehmen auch die Straftaten an Kraftfahrzeugen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zu. Gab es im Juli 89 und im August 100 Einbruchsdelikte im Zusammenhang mit Fahrzeugen, stiegt die Zahl im September auf 144 und im Oktober auf 155 Einbrüche in Fahrzeuge.

Die meisten Fahrzeugeinbrüche in den vergangenen zwölf Monaten gab es mit 243 Delikten im Januar. Bei den Diebstählen von Fahrzeugen ist eine solche saisonale Tendenz nicht erkennbar. Erwischt werden Autoknacker nur selten. So wurden 2021 bei 14.897 Taten nur 584 Tatverdächtige gefasst und 842 Fälle aufgeklärt, was einer Quote von rund 5,7 Prozent entspricht.

Polizei erklärt, wie sich die Bevölkerung vor Autodieben schützen kann

Laut Polizei werden Fahrzeuge meist aufgebrochen. Andere Täter tauschen bei einer Probefahrt die Schlüssel, unterschlagen Mietfahrzeuge oder stehlen die Autoschlüssel. Am wichtigsten sei es, beim Verlassen des Autos die Zündschlüssel zu ziehen und alle Fenster, Türen, Kofferraum, Schiebedach und Tankdeckel abzuschließen. Mechanische sowie elektronische Sicherungen könnten sinnvoll sein.

Hochwertige Fahrzeuge sollten in einem Unterstand oder nur an gut beleuchteten und belebten Straßen geparkt werden. Das Lenkradschloss sollte einrasten. Zudem sollen Autofahrer darauf achten, dass das Verriegeln der Türen durch ein optisches Signal quittiert wird. Funkblocker können das Funksignal stören.

Störsender können verhindern, dass Autotür geschlossen wird

So nahmen Einsatzkräfte des Landeskriminalamtes im Juni diesen Jahres in Charlottenburg zwei Verdächtige fest. Sie standen im Verdacht, sich mit Hilfe eines Störsenders unberechtigt Zugang zu einem Pkw verschafft und daraus Gegenstände entwendet zu haben. Bei Fahrzeugen mit einem sogenannten Keyless-Komfortsystem sollten die Schlüssel nie in der Nähe der Wohnungstür gelagert werden.

Die Polizei Berlin sagt, sie entwickle seit Jahren Konzepte zur Bekämpfung des Fahrzeugdiebstahls. Diese würden neben repressiven, auch präventive Ansätze enthalten. Unter anderem habe man einen Anhänger für den Fahrzeugspiegel entwickelt, der signalisiert, dass sich im Auto keine Wertgegenstände befinden.

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