Schloss Charlottenburg

Veranstalter sieht politische Gründe für Weihnachtsmarkt-Aus

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Norman Börner
Der Weihnachtsmarkt am Schloss Charlottenburg lud zuletzt im Jahr 2019 in die malerische Kulisse ein. Seit 2016 sind Terrorschutzmaßnahmen gefordert.

Der Weihnachtsmarkt am Schloss Charlottenburg lud zuletzt im Jahr 2019 in die malerische Kulisse ein. Seit 2016 sind Terrorschutzmaßnahmen gefordert.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Laut Stiftung ist wegen geplanter Bauarbeiten bis 2027 kein Markt möglich. Veranstalter hatte kürzlich erfolgreich gegen Bezirk geklagt.

Berlin.  Am Dienstag machte die Nachricht die Runde: Der Weihnachtsmarkt im Schloss Charlottenburg soll in diesem Jahr zum letzten Mal stattfinden. Der von Veranstalter und Stiftung vereinbarte Vertrag laufe Ende des Jahres aus, hieß es seitens der zuständigen Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Für Veranstalter Tommy Erbe steht fest: „Den Vertrag nicht zu verlängern, ist eine politische Entscheidung.“ Zudem sei es auch noch keinesfalls sicher, dass der Markt in diesem Jahr stattfinden werde.

Veranstalter: Weihnachtsmarkt könnte trotz Bauarbeiten stattfinden

Was steckt hinter dieser Aussage? Der Weihnachtsmarkt in Charlottenburg zählte in den Vor-Corona-Jahren zu den beliebtesten in der Hauptstadt. Laut Veranstalter kamen bis zu eine Millionen Besucher, mehr als 300 Mitarbeiter seien eingebunden gewesen und 15 Millionen Euro Umsatz erzielt worden. „Davon profitierten Einzelhandel, Hotels und das Schloss“, sagt Erbe. In den Jahren 2020 und 2021 fiel der Markt aufgrund der Corona-Pandemie zweimal aus. Und im Dezember soll nach 15 Jahren am Schloss endgültig Schluss sein.

Laut Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg beginne dann die Bauvorbereitung für das auf dem Areal geplante Besucherzentrum. Das nach aktuellen Berechnungen 11,3 Millionen Euro teure Projekt soll bis 2027 abgeschlossen sein. Die Begründung der Stiftung sei für Erbe nicht nachvollziehbar. Es würde Flächen und Möglichkeiten geben, den Markt trotz der geplanten Bauarbeiten stattfinden zu lassen.

Stiftung: Vertragsende sei frühzeitig kommuniziert worden

Ein Sprecher der Stiftung widerspricht. Es sei bereits bei der Vertragsverlängerung mit dem Veranstalter im Jahr 2020 kommuniziert worden, dass der Weihnachtsmarkt aufgrund der Bauarbeiten im Jahr 2022 vorerst zum letzten Mal stattfinden kann. Im kommenden Jahr würde Voruntersuchungen beginnen. Dafür brauche es eine Baufreiheit. Während der Bauzeit bis 2027 könne kein Weihnachtsmarkt stattfinden, heißt es auf Nachfrage dieser Zeitung. Anschließend wolle die Stiftung in Abstimmung mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf eine Fortsetzung prüfen. Die Vergabe würde dann öffentlich ausgeschrieben.

Erst kürzlich war Tommy Erbe vor Gericht gezogen, weil das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf bis Mitte September noch keine Genehmigung für die Veranstaltung erteilt hatte. Der Bezirk hatte für die Verzögerung mit im Vorfeld zu treffenden Abstimmungen mit den Sicherheitsbehörden argumentiert. Das Verwaltungsgericht gab dem Eilantrag des Veranstalters statt.

Das Bezirksamt ist seiner Auffassung nach nicht für die Planung und Finanzierung von Maßnahmen zur Terrorabwehr zuständig. Vielmehr sei dies eine Aufgabe der Senatsinnenverwaltung.

Streit um Zuständigkeit für Anti-Terror-Maßnahmen

Im Kern geht es bei dem Streit nämlich auch um die Frage, wer die Kosten für Maßnahmen zum Schutz vor Terroranschlägen zu zahlen hat. Nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz im Jahr 2016 habe Erbe zwischen 15.000 und 20.000 Euro pro Jahr für Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben. Dazu zählen Anti-Terror-Poller zum Schutz vor einem terroristischen Anschlag, bei dem ein Fahrzeug als Waffe genutzt wird.

Im Sommer hatte Erbe vor dem Verwaltungsgericht auch hier einen Erfolg erzielt. Das vom Bezirk nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz 2016 geforderte Sicherheitskonzept für den Markt vor dem Schloss Charlottenburg sei nach Auffassung der Richter rechtswidrig gewesen.

Umzug des Marktes im kommenden Jahr denkbar

Aufgrund dieser Auseinandersetzungen glaube Erbe, dass politischer Druck auf die Stiftung ausgeübt werde, den Vertrag mit ihm nicht zu verlängern. Bei einer Presserunde am Donnerstag hatte Erbe unter anderem den Bundestagsabgeordneten Christoph Meyer (FDP) eingeladen. „Für Terrorabwehr ist der Staat zuständig“, sagt er. Auch Ariturel Hack (CDU) aus dem Berliner Abgeordnetenhaus sagte Unterstützung zu.

Veranstalter Tommy Erbe sagt, er halte es für denkbar, ab 2023 an einen anderen Ort umzuziehen. Der vorübergehende Umzug des Weihnachtsmarkts am Gendarmenmarkt auf den nahe gelegenen Bebelplatz zeige, dass es möglich ist. Damit würde die 15-Jährige Tradition enden. Eine Zeit, in der sich der traditionell angehauchte Weihnachtsmarkt zu einem beliebten Ziel für Berliner und Touristen entwickelt hat. Der Weihnachtsmarkt soll in diesem Jahr vom 21. November bis zum 26. Dezember vor dem Schloss stattfinden.