Charlottenburg-Wilmersdorf

Tennisplatz soll nach Nelly Neppach benannt werden

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Charlotte Bauer
Ein Aufsteller mit dem Bild der Tennisspielerin Nelly Neppach steht 2015 aus Anlass der European Maccabi Games auf dem Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof.

Ein Aufsteller mit dem Bild der Tennisspielerin Nelly Neppach steht 2015 aus Anlass der European Maccabi Games auf dem Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof.

Foto: imago stock / imago/Ulli Winkler

Die jüdischstämmige Sportlerin feierte Erfolge – bis sie Anfang der 1930er-Jahre in Ungnade fiel. Jetzt soll eine Anlage ihren Namen tragen.

Berlin. Der Tennisplatz an der Harbigstraße in Charlottenburg soll nach der deutschen Tennismeisterin Nelly Neppach benannt werden. Einen entsprechenden Antrag hat die SPD-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf eingereicht. Auch Sportstadträtin Heike Schmitt-Schmelz begrüßt den Vorschlag. „Nelly Neppach hat selber in Wilmersdorf gelebt, deswegen haben wir einen besonderen Bezug“, so die SPD-Politikerin.

Allerdings hätte sie es besser gefunden, wenn die Tennisplätze des Vereins Tennis Borussia Berlin nach dem Tennisstar benannt werden. „Ich persönlich würde diese Variante bevorzugen, weil Neppach hier selber lange Zeit gespielt hat“, so die Sportstadträtin. Allerdings sei die Mehrheit der Bezirksverordneten dafür gewesen, einen öffentlichen Platz, der für jeden zugänglich ist, nach ihr zu benennen.

1925 wurde Neppach deutsche Tennis-Meisterin

Nelly Neppach war einer der ersten Tennisstars in Deutschland und eine der ersten deutschen Frauen, die im internationalen Sport für Aufsehen sorgte. Im Alter von 18 Jahren errang die jüdischstämmige Tennisspielerin ihre ersten Turniersiege. 1919 zog sie nach Berlin. Nach ihrer Heirat mit Robert Neppach wohnte sie an der Prager Straße 24 in Wilmersdorf. Sie trat Tennis Borussia Berlin bei und nahm erfolgreich an zahlreichen Turnieren teil. 1925 wurde sie deutsche Tennismeisterin.

Als sie 1926 einer Einladung der französischen Meisterin Suzanne Lenglen zu den Riviera-Meisterschaften in Menton folgte, fiel sie beim Deutschen Tennis Bund (DTB) in Ungnade, da Frankreich damals als Feind galt. Obwohl sie auf Druck des DTB hin dann doch auf die Teilnahme verzichtete, erteilte der Verband ihr vorübergehend Spielverbot. In einem öffentlichen Schreiben diskriminierte er Nelly Neppach, zeigte auch unverhohlen seine antisemitische Haltung.

Tennisanlage an der Harbigstraße kann kostenfrei genutzt werden

Daraufhin trat Neppach im April 1933 aus dem Verein Tennis Borussia aus. Ob freiwillig oder auf Druck des Vorstands, ist ungeklärt. Schon Mitte April erklärte sich Tennis Borussia Berlin für „judenfrei“. Ebenfalls im April 1933 beschloss der Vorstand des DTB die Sperrung „nichtarischer“ Mitglieder für internationale Turniere. In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai nahm sich Nelly Neppach das Leben. Zwei Stolpersteine erinnern seit 2015 an sie und ihren Mann an der Prager Straße, Ecke Nachodstraße.

Die Tennisanlage an der Harbigstraße bietet vier kunststoffgebundene Tennisfelder, die von Anfang Mai bis Ende September unentgeltlich – nach Maßgabe freier Kapazitäten – genutzt werden können.