Zoo Berlin

Neue Nashorn-Anlage im Zoo: 25-Meter-Pagode fast fertig

| Lesedauer: 5 Minuten
Charlotte Bauer
Neue Nashorn-Anlange im Berliner Zoo - der Baufortschritt im Zeitraffer

Neue Nashorn-Anlange im Berliner Zoo - der Baufortschritt im Zeitraffer

Im Berliner Zoo entsteht eine neue Nashorn-Anlage. Der Baufortschritt im Zeitraffer.

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Der 25 Meter hohe Turm, Zentrum der neuen Nashorn-Anlage, steht vor der Fertigstellung. Er soll ein "Denkmal für den Artenschutz" sein.

Berlin. Er fällt jedem Besucher in der City West dieser Tage sofort ins Auge. Ein neuer großer, exotisch ausschauender Turm aus braunem Beton bohrt sich vom Zoologischen Garten aus direkt in den winterlichen Himmel. Nun gibt es eine erste Erfolgsmeldung: Er hat seine endgültige Höhe von 25 Metern erreicht. Entstehen soll hier im Zentrum der neuen Nashorn-Pagode ein neues Denkmal für den Artenschutz. „Nach der Grundsteinlegung im Spätsommer 2021 hat sich einiges auf der Baustelle getan“, teilte der Zoo Berlin kürzlich mit.

So seinen in diesen Tagen die letzten Elemente des Turms montiert werden. Mit großen grünen Kränen wurde jedes einzelne der insgesamt 68 bis zu zehn Tonnen schweren Elemente hochgehoben. Auch der Rohbau des Innenbereichs sei nach Angaben des Zoos bereits weit fortgeschritten und solle in wenigen Wochen fertiggestellt werden. Anschließend soll eine Turmspitze aus goldgelb-lackiertem Blech auf dem Gebäude weit über die Grenzen des Zoos hinaus die Blicke anziehen.

Zeichen für die vom Aussterben bedrohten Tiere

Diese Aufmerksamkeit ist dem Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem besonders wichtig, um damit ein Zeichen für die vom Aussterben bedrohten Tiere zu setzen. „Wir stehen vor einer großen, komplexen und überaus bedrohlichen Herausforderung“, sagt er. Denn nicht nur die Panzernashörner, die hier ein neues Zuhause bekommen sollen, gelten als vom Aussterben bedroht, auch für einige andere Tierarten ist die Situation dramatischer denn je.

Das belegen aktuelle Zahlen der Weltnaturschutzunion IUCN. Demnach gelten aktuell fast 37.500 Tier- und Pflanzenarten als vom Aussterben bedroht. Jetzt müssten Taten folgen, damit bedrohte Tiere wie das Panzernashorn auf der Erde auch langfristig eine sichere Zukunft haben, betont Knieriem.

„Wir müssen uns bewusst machen, dass mit schwindender Biodiversität die Grundlage jeglichen Lebens auf unserem Planeten Stück für Stück verloren geht. Daher geht dieses Thema jeden einzelnen von uns an“, sagt der Zoo- und Tierparkdirektor. Der Turm solle als Denkmal auf dieses Thema aufmerksam machen.

Der Bau soll optisch auch an die anderen historischen Gebäude des Zoos angelehnt sein. Der markante Turm in der Mitte des neuen Nashorn-Geheges soll eine moderne Interpretation der historischen Elefanten-Pagode bilden. Eine Pagode ist dabei ein markantes, mehrgeschossiges, turmartiges Bauwerk, dessen einzelne Geschosse meist durch vorragende Gesimse oder Dachvorsprünge voneinander getrennt sind. Für den Bau sind laut Zoo Berlin insgesamt rund 20 Millionen Euro veranschlagt. Etwa Dreiviertel der Summe wird durch Fördermittel der Berliner Wirtschaftsverwaltung finanziert.

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Im Herbst diesen Jahres soll das Gehege fertiggestellt sein. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase der Tiere können dann auch die Zoobesucher im Frühjahr 2023 die Panzernashörner in ihrem neuen Gehege besuchen und an einem Wunschbrunnen für den Artenschutz dieser Tierarten zu Spenden. Sämtliche Einnahmen sollen nach Angaben des Zoos in Artenschutzprojekte, unter anderem für den Schutz des Panzernashorns in nordostindischen Assam, fließen.

Nashörner beim Baden unter Wasser beobachten

Von dem Turm aus sollen die Besucher drei Panzernashörner zusammen mit Pustelschweinen und Tapiren von oben und von unten durch große Panoramascheiben beim Baden unter Wasser beobachten können. Ziel sei es, damit den Menschen die Tiere so nah wie möglich zu bringen und auch dadurch mehr Bewusstsein für den Artenschutz zu schaffen. Mit hohen Gräsern und idyllischen Wasserläufen soll das rund 14.000 Quadratmeter große Gelände so nah wie möglich dem natürlichen Lebensraum der Tiere nachempfunden werden.

Besonders wichtig dabei sei dem Zoodirektor bei der Planung gewesen, dass die Panzernashörner mehr als ausreichend Platz haben. „Mehr Platz für weniger Tiere – das muss man sich auch mal trauen können“, betonte Knieriem schon damals bei der Grundsteinlegung. „Für unsere Tiere und den Schutz ihrer Artgenossen im natürlichen Lebensraum lohnt es sich diesen – manchmal doch mühsamen – Weg zu bestreiten“, ergänzte er.

Ein neues Gehege für die Panzernashörner ist auch dringend nötig. Denn die bisherige Anlage der Nashörner und Tapire im Zoo ist mittlerweile sichtlich in die Jahre gekommen und entspricht heute nicht mehr den Ansprüchen einer artgerechten und modernen Tierhaltung.

(mit Beatrix Fricke)

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