Fünf Jahre nach Anschlag

Ersthelfer vom Breitscheidplatz gestorben

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Eine Schneise der Verwüstung war auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz zu sehen, nachdem der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen über den Platz gerast war.

Eine Schneise der Verwüstung war auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz zu sehen, nachdem der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen über den Platz gerast war.

Foto: Bernd von JutrczenkA

Ein Ersthelfer, der beim Anschlag auf dem Breitscheidplatz schwerst verletzt worden war, ist Anfang Oktober gestorben.

Knapp fünf Jahre nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen, ist ein damals schwerst verletzter Ersthelfer gestorben. Der 49-Jährige sei am 5. Oktober gestorben und inzwischen an seinem letzten Wohnort in Troisdorf bei Bonn beigesetzt, sagte dessen Ehemann am Montagabend der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte der RBB berichtet. Damit sind infolge des Terroranschlags 13 Menschen gestorben.

Sascha Hüsges, damals 44, war einer der ersten, die zu Hilfe eilten, als der Lkw von Attentäter Anis Amri zu stehen kam. Dabei wurde er mutmaßlich von einem Balken am Kopf getroffen und schwer am Kopf verletzt. Seither musste er rund um die Uhr gepflegt werden. Um auch Unterstützung von der Familie zu haben, sei er mit seinem Mann von Berlin nach Troisdorf bei Bonn gezogen, erklärte der 64 Jahre alte Witwer am Montag. Sein Mann sei an einer Infektionskrankheit infolge der Langzeiterkrankung gestorben.

Die Gruppe der Hinterbliebenen und Opfer bittet in einem Brief an die Senatskanzlei und den Untersuchungsausschuss darum, Hüsges Namen als Anerkennung und Respekt für seinen Einsatz am 19.12.2016 auf den Stufen der Gedenkstätte an der Gedächtniskirche aufzuführen. Man wünsche sich demnach eine "unbürokratische Umsetzung bis zum 5. Jahrestag am 19. Dezember".

Politiker reagieren betroffen auf Tod des Ersthelfers vom Breitscheidplatz

Der Berliner Senat zeigt sich offen für den Vorschlag. „Im Senat war klar, (...) dass es sich um jemanden handelt, der als Opfer anzusehen ist“, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) am Dienstag nach einer Senatssitzung.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) teilte mit: „Wir werden mit den Angehörigen Kontakt aufnehmen und wenn es der Wunsch der Hinterbliebenen ist, den Namen an den Stufen der Gedenkstätte an der Gedächtniskirche aufzunehmen, werden wir das selbstverständlich auch gestalten.“

Müller fügte hinzu: „Wir trauern um einen Menschen, der in der Not Hilfe leisten wollte, und der dabei schwer verletzt wurde.“ Der Helfer habe am Abend des Attentats nicht gezögert und sich um die Opfer am Weihnachtsmarkt gekümmert. „Es ist und bleibt von unfassbarer Tragik, dass er in seiner Selbstlosigkeit persönlich auch zum Opfer dieses unmenschlichen Anschlags wurde.“

Der Tod des Mannes löste allgemein Betroffenheit aus. Der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Kai Wegner erklärte am Dienstag, die Nachricht vom Tod des Helfers sei bedrückend. Die CDU unterstütze die Forderung, seinen Namen auf den Stufen der Gedenkstätte an der Gedächtniskirche aufzuführen. „Wir erwarten, dass der Senat dies schnell und unbürokratisch umsetzt.“

Der Grünen-Innenpolitiker Benedikt Lux teilte mit, fast fünf Jahre nach dem Anschlag sei ein 13. Todesopfer hinzugekommen. „Wir werden seiner würdig gedenken und den Kampf gegen Terrorismus und für mehr Schutz unserer offenen Gesellschaft fortführen.“

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Anschlag auf dem Breitscheidplatz: Fehler in Sicherheitsbehörden

Der Tunesier Anis Amri hatte am 19. Dezember 2016 in Berlin einen Lastwagenfahrer erschossen. Mit dessen Fahrzeug raste er über den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz, wo weitere elf Menschen starben. Der abgelehnte Asylbewerber war den Behörden schon vorher als islamistischer Gefährder aufgefallen. Nach dem Attentat floh er nach Italien, wo er von der Polizei erschossen wurde.

Der Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses kam nach vierjähriger Prüfung zu dem Schluss, dass zahlreiche Fehler in verschiedenen Sicherheitsbehörden in Berlin und im Bund den Anschlag ermöglicht haben. Entscheidend sei vor allem die Fehleinschätzung des abgelehnten Asylbewerbers Amri im Sommer 2016 gewesen. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestags hatte unter anderem die Rolle des Bundeskriminalamtes (BKA) analysiert und dort ebenfalls frappierende Fehleinschätzungen des Attentäters festgestellt.

( BM/dpa )