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Zoo Berlin: Tod von drei Affen gibt Rätsel auf

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Katrin Lange
Der Mandrill gehört zur Familie der Meerkatzen. Im Zoo gab es vier Tiere.

Der Mandrill gehört zur Familie der Meerkatzen. Im Zoo gab es vier Tiere.

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Ende August starben drei Mandrille im Zoo. Nur das älteste Tier überlebte. Viele Todesursachen können ausgeschlossen werden, wie Corona

Berlin. Es ist ein ganz großes Rätsel, das auch nach mehreren Wochen noch nicht gelöst ist: Innerhalb von wenigen Tagen sind drei Mandrille, die zur Familie der Meerkatzen gehören, im Zoo gestorben. Vier Tiere waren insgesamt in der Gruppe. Jetzt ist nur noch das älteste übrig, die 26 Jahre alte Saba. Zuerst hatte die BZ davon berichtet. Passiert ist das Drama bereits Ende August. Nur eines ist bislang sicher: „Die Affen hatten kein Corona“, so Zoo-Sprecherin Philine Hachmeister am Donnerstag auf Anfrage der Morgenpost. Das hätte nie zur Debatte gestanden. Generell gehe man nicht von einem Virus aus.

Betroffen sind die drei Mandrille Aron (geboren 2012), Susan (2010) und Arthur (2009). Aron und Susan wurden am morgen von ihren Tierpflegern tot im Affengehege gefunden. Arthur lebte noch, doch auch ihm ging es bereits sehr schlecht. Obwohl er sofort behandelt wurde, konnten ihn die Tierärzte nicht mehr retten.

„Um die Todesursache zu klären, werden sie in der Pathologie des Landeslabors Berlin Brandenburg untersucht“, heißt es am Donnerstag aus dem Zoo. Von den Pathologen konnten bislang bereits diverse Ursachen ausgeschlossen werden. So kommen Parasiten, Bakterien und Viren demzufolge nicht infrage. Darüber hinaus wurde auf zahlreiche Toxine, wie Pflanzenschutzmittel, untersucht – bislang mit negativem Ergebnis. Allerdings dauern die Auswertungen noch an.

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Zoo Berlin: Vergiftetes Futter könnte in das Gehege gelangt sein

Eine Vergiftung kann zum derzeitigen Zeitpunkt dennoch noch nicht endgültig ausgeschlossen werden. „So könnte zum Beispiel Futter von außen hereingeworfen worden sein“, gibt Philine Hachmeister zu Bedenken. Allerdings hält sie das für nicht besonders wahrscheinlich. „Am Affengehege ist eine sehr hohe Glaswand, die etwa drei Meter hoch ist“, so die Zoosprecherin. Sie wisse nicht, wie man da etwas drüber werfen könnte. Dennoch muss sie zugeben: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass etwas in das Gehege gelangt ist.“

Dieser These widerspricht wiederum, dass es dem ältesten und letzten Tier der Gruppe immer noch gut geht. „Das verbleibende Mandrill-Weibchen Saba zeigt glücklicherweise keinerlei Symptome“, so der Zoo. Die Tierpfleger würden jetzt ein besonderes Auge auf sie werfen und jede Regung beobachten. Saba ist mittlerweile 26 Jahre alt, sie gilt damit schon als Affen-Oma.

„Es ist rätselhaft, wir forschen weiter und sind dran"

Sollte vergiftetes Futter in das Gehege gelangt sein, waren die drei jüngeren Tiere vielleicht auch einfach nur schneller und haben es ihr weggeschnappt, bevor sie angelaufen kam. „Es ist rätselhaft, wir forschen weiter und sind dran“, sagt Philine Hachmeister. Die Proben werden jetzt nicht nur in der Pathologie des Landeslabores Berlin Brandenburg untersucht. Unterstützung kommt auch vom Primatenzentrum in Göttingen. Auch dorthin sind Proben geschickt worden, um Aufschluss über die Todesursache der drei Tiere zu erhalten.

Immerhin gibt es auch gute Nachrichten: Für die anderen Affen, so zum Beispiel die Gorillas, soll nach Auskunft des Zoos keine Gefahr bestehen. Die Gruppe der Menschenaffen lebt am anderen Ende des Affenhauses und kommt mit den Mandrillen nicht in Berührung. Die Besucher können sich also weiterhin an den Fortschritten des kleinen Gorilla-Mädchens Tilla erfreuen. Tilla kam Mitte Februar 2021 auf die Welt, es war der erste Gorilla-Nachwuchs nach 16 Jahren im Zoo. Eine kleine Sensation. Die ersten Monate hat Mutter Bibi das Baby überhaupt nicht losgelassen. Doch seit einigen Wochen zieht Tilla auf Entdeckungstour los und macht sich auf ihren eigenen Weg. Sie löst sich langsam von ihrer Mutter.

Das nächste Projekt im Zoo Berlin: Ein neues Affenhaus

Das nächste große Projekt ist ohnehin ein neue Affenhaus. Es ist seit Langem geplant. Deshalb werden jetzt nach dem Tod der drei Mandrillen keine neuen Affen in den Zoo ziehen. „Der Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms für die Mandrillen aus dem Zoo Budapest wurde bereits über den Tod der drei Tiere informiert und auch darüber, dass wir einen neuen Halter für das einzelne, verbliebene Weibchen suchen“, heißt es aus der Zoo-Pressestelle. Er habe daraufhin schriftlich seine Mithilfe zugesagt. Das bedeutet, dass auch die alte Saba Berlin verlassen wird. Sie soll bald wieder mit ihren Artgenossen in einem anderen Zoo zusammengebracht werden.

Wann der Neubau oder der Umbau des Affenhauses beginnt, steht noch nicht fest. „Auf jeden Fall ist es das nächste Haus, an das wir ranmüssen“, sagt die Zoo-Sprecherin. Die Coronapandemie hätte allerdings die dafür geplanten Rücklagen aufgebraucht. Jetzt sei der Zoo auf Unterstützung angewiesen, damit die Affen so bald wie möglich ein großzügigeres naturnahes Heim bekommen.