Zoo Berlin

Die Nashörner im Berliner Zoo bekommen eine neues Gehege

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Charlotte Bauer und Jil Dreimann
Neue Nashorn-Anlage im Berliner Zoo

Neue Nashorn-Anlage im Berliner Zoo

Im Berliner Zoo wurde der Grundstein für die neue Nashorn-Anlage gelegt.

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Die stark gefährdeten Panzernashörner können in ihrer neuen Anlage beim Schwimmen beobachtet werden. Sie sollen für Nachwuchs sorgen.

Berlin. Hohe Gräser und idyllische Wasserläufe sollen bald im Berliner Zoo in der City West den sumpfigen Lebensraum der Panzernashörner nachempfinden. Von einem 25 Meter hohen Turm sollen zudem die Besucher die vom Aussterben bedrohten Tiere beobachten können. Durch mehrere Panoramascheiben sollen die Besucher einen Einblick in das Leben der Tiere erhalten, wobei es erstmals möglich sein soll, die indischen Nashörner auch beim Baden unter Wasser beobachten zu können.

„Ich freue mich über diesen Versuch sehr, weil das gibt es bisher in keinem anderen Zoo der Welt“, sagte der Berliner Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem am Montagmorgen bei der Grundsteinlegung der Nashornanlage im Zoo am Hardenbergplatz. „Die Nashorn-Anlage hier im Herzen der Großstadt setzt ganz neue Maßstäbe“, ergänzte Aufsichtsratvorsitzender der Zoologischer Garten Berlin AG, Frank Bruckmann.

Damit will der Zoo ein Denkmal für den Artenschutz setzen. Laut Andreas Knieriem gibt es nach Schätzungen nur noch rund 2600 Panzernashörner in ihrem natürlichen Lebensraum. Drei davon sollen planmäßig nach Abschluss der Bauarbeiten ab dem Frühjahr 2023 im Zoo leben und sich bestenfalls auch vermehren. Das Mutter-Sohn-Duo Betty und Karl wohnt bereits schon im Berliner Zoo und zieht dann in das neue Gehege um. Ein Männchen soll noch folgen.

20 Millionen Euro für das neue Gehege

Auf dem rund 14.000 Quadratmeter großen Gelände sollen sie dann zusammen mit Tapiren und Pustelschweinen leben. Für den Bau der naturnahen Anlage werden insgesamt mit sumpfigen Suhlen und mehreren Badeteichen rund 20 Millionen Euro veranschlagt. Etwa Dreiviertel der Summe wird durch Fördermittel der Berliner Wirtschaftsverwaltung finanziert. So kann die Finanzierung trotz der während der Corona-Pandemie zurückgegangenen Umsätze sichergestellt werden. „In einem so besonderen Bauprojekt, mitten im grünen Herzen der City West sehen wir eine sinnvolle und nachhaltige Investition – nicht nur in die Zukunft des traditionsreichen Zoos Berlin, sondern auch für den Tourismusstandort Berlin“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) bei der Grundsteinlegung.

Ein neues Gehege für die Panzernashörner ist auch dringend nötig. Denn die bisherige Anlage der Nashörner und Tapire im Zoo ist mittlerweile sichtlich in die Jahre gekommen und entspricht heute nicht mehr den Ansprüchen einer artgerechten und modernen Tierhaltung.

Im Video - Der Baufortschritt des Nashorngeheges im Zeitraffer

Neue Nashorn-Anlange im Berliner Zoo - der Baufortschritt im Zeitraffer
Neue Nashorn-Anlange im Berliner Zoo - der Baufortschritt im Zeitraffer

Besucherturm steht symbolisch für den Artenschutz

Architektur und Freiraumplanung des Nashorngeheges übernahmen die Planer der dan pearlman Erlebnisarchitektur GmbH aus Berlin. Der Bau soll optisch an die anderen historischen Gebäude des Zoos angelehnt sein. Ein 25 Meter hoher Turm, in dem ein Besucherzentrum entstehen soll, soll in der Mitte der Anlage eine moderne Interpretation der historischen Elefanten-Pagode bilden. „Als ein neuer Leuchtturm heißt dieses Bauwerk Gäste aus nah und fern zukünftig direkt am Bahnhof Zoo willkommen und ist in jeder Hinsicht richtungsweisend“, sagte Pop.

Gleichzeitig stehe der Turm symbolisch auch für den Artenschutz und solle eine höhere Sinnhaftigkeit haben, erklärte der Architekt Kieran Stanley. Bei der Umsetzung des Projektes stünden die Bedürfnisse nach dem Vorbild des natürlichen Lebensumfeldes im Vordergrund.

Mehr Platz, weniger Tiere

Besonders wichtig dabei sei dem Zoodirektor gewesen, dass die Panzernashörner mehr als ausreichend Platz haben. „Mehr Platz für weniger Tiere – das muss man sich auch mal trauen können“, betonte Knieriem „Für unsere Tiere und den Schutz ihrer Artgenossen im natürlichen Lebensraum lohnt es sich diesen – manchmal doch mühsamen – Weg zu bestreiten“, ergänzte er.

Da die indischen Panzernashörner in ihrer ursprünglichen Umgebung das ganze Jahr über sommerliche Temperaturen gewöhnt sind, können sie sich ganzjährig in einen speziellen, tropisch beheizten Innenbereich zurückziehen können. Dieser Raum ist mit einem Amp Foliendach ausgestattet, das die Wärme besonders gut speichert, wodurch weniger Heizkosten entstehen und somit auch weniger Energie verbraucht wird. Der Zoo kann so bei den Heizkosten sparen, auf die ein Großteil der Gesamtkosten entfällt.

Besonders ist ebenso, dass die Besucher die Tiere auch in ihrem Wärme-Quartier beobachten können. Zudem gehe es darum, den Menschen die Tiere so nah wie möglich zu bringen und dadurch mehr Bewusstsein für den Artenschutz zu schaffen, sagte Kieran Stanley. „Zuschauer sollen ein Teil der Geschichte sein“, so der Architekt. Damit meint er nicht die historische Geschichte des Zoos, sondern vielmehr die Erlebnisgeschichte.

Vom Aussterben bedrohte Nashörner sollen sich hier auch paaren

Als Symbol für den zukunftsweisenden Weg des Projekts wurde mit dem Grundstein noch eine Zeitkapsel in die Erde eingelassen. Sorgfältig legte der Zoodirektor zusammen mit der Wirtschaftssenatorin, dem Architekten und Aufsichtsratvorsitzendem eine Tageszeitung, den Fördermittelbescheid, Euromünzen und Wünsche von Kindern sowie bunte Bilder von Nashörnern in die kupferfarbene Zeitkapsel. Wünsche wie: „Ich wünsche mir, dass die Nashörner schöne Babys machen“ und „Ich wünsche mir, dass die Nashörner wieder mehr werden“, las Senatorin Pop exemplarisch vor und schmunzelte dabei. Auch Zoodirektor Knieriem schloss sich diesem Wunsch an: „Wenn diese Zeitkapsel in etlichen Jahrzehnten irgendwann mal geöffnet wird, hoffen wir natürlich, dass die Anzahl der Panzernashörner weitaus höher liegen wird.“

Im Herbst 2022 soll das Gehege fertiggestellt sein und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase der Tiere können dann auch die Zoobesucher im Frühjahr 2023 die Panzernashörner in ihrem neuen Gehege besuchen.

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