Linkes Wohnprojekt

„Köpi“-Räumung: Demonstration vor Haus des Eigentümers

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Knapp 100 Menschen haben am Nachmittag an der Ecke Karlsruher- und Heilbronner Straße vor dem Haus des Eigentümers gegen die drohende Räumung des "Köpi-Wagenplatzes" in Mitte demonstriert.

Knapp 100 Menschen haben am Nachmittag an der Ecke Karlsruher- und Heilbronner Straße vor dem Haus des Eigentümers gegen die drohende Räumung des "Köpi-Wagenplatzes" in Mitte demonstriert.

Foto: Philipp Siebert

Am Donnerstag soll vor Gericht über die Räumung des „Köpi-Wagenplatzes“ verhandelt werden. Am Sonnabend gab es Proteste der Bewohner.

Berlin. Rund 100 Menschen haben sich am Sonnabendnachmittag an der Ecke Karlsruher- und Heilbronner Straße in Halensee versammelt, um gegen die drohende Räumung des linken Wohnprojekts „Köpi-Wagenplatz“ in Mitte zu protestieren. Unter den Augen der Polizei blieb der Protest jedoch friedlich.

In Redebeiträgen machten die Bewohner und Sympathisanten ihrem Ärger lautstark Luft. Vom „Ausverkauf der Stadt“ war die Rede. Dem Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft, der nach Aussagen einiger Redner in der Nähe des Demonstrationsortes leben soll, warfen sie kriminelle Machenschaften vor. Dabei erhielten die Protestierenden prominente Unterstützung von der Berliner Rapgruppe „K.I.Z.“, die am Nachmittag auftrat.

Der Wagenplatz gehört zum linken Wohnprojekt „Köpi“ an der Köpenicker Straße 133-138 in Mitte an der Grenze zu Kreuzberg, das in der Wendezeit entstand. Rund 100 Menschen sollen heute dort leben, etwa die Hälfte in den Bauwagen vor dem Gründerzeitgebäude. Sie wurden Anfang Februar vom Eigentümer aufgefordert, das Gelände bis Ende des Monats zu räumen.

Landgericht verhandelt ab Donnerstag über Räumung der Köpi

Weil die Bewohner darauf jedoch nicht reagierten, klagte der Eigentümer. Ab Donnerstag will das Berliner Landgericht über die Räumung entscheiden. Die Verhandlung soll um zwölf Uhr beginnen, der Protest der Bewohner vor dem Gerichtsgebäude bereits eine Stunde früher. Zuletzt gingen Mitte Mai 2400 Menschen für den Erhalt des Wagenplatzes auf die Straße.

Bei dem Eigentümer handelt es sich um die Startezia GmbH mit Sitz im nordrhein-westfälischen Moers. Sie erwarb das Areal 2013 bei mehreren Zwangsversteigerungen weit unter dem damaligen Marktwert. Die Grundstücke hatten bereits vorher mehrfach den Eigentümer gewechselt. Laut der Bewohner hat es sich allerdings immer um Tochterfirmen der Sanus AG gehandelt, zu der demnach auch die Startezia gehören soll.

Bezirk Mitte sprach sich zuletzt gegen eine Räumung aus

Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) gab im Februar an, dass die Baugenehmigung für das Areal noch in diesem Jahr ausläuft. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) sprach sich zuletzt gegen die Räumung aus, um den sozialen Frieden zu erhalten und nahm einen Antrag von Linken und Grünen mit der Forderung an, nach alternativen Lösungen zu suchen. Gothe schlug im April den Kauf durch eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft vor.

Die „Köpi“ ist eines der letzten linken Zentren Berlins. Diese verschwinden immer mehr aus dem Stadtbild. Allein in den vergangenen zehn Monaten wurden drei andere unter massiven Protesten geräumt: Im August die Szenekneipe „Syndikat“ in Neukölln, im Oktober das von Linksautonomem besetzte Haus „Liebig34“ in Friedrichshain und im März die Kneipe „Meuterei“ an der Reichenberger Straße in Kreuzberg.

Gericht befasst sich demnächst auch mit der „Rigaer94“

In der Szene wird ebenfalls die „Rigaer94“ als bedroht wahrgenommen. Anders als die „Köpi“ gilt das stadtbekannte Haus in Friedrichshain als Rückzugsort für Linksextremisten und Straftäter. Immer wieder kommt es im Umfeld zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Am 17. Juni soll es durch Gutachter begangen werden, die sich im Auftrag des Eigentümers ein Bild von den zumindest den Behörden seit Jahren bekannten Brandschutzmängeln machen sollen.

Und auch das Landgericht muss sich demnächst mit der „Rigaer94“ befassen – genauer gesagt mit der „Kadterschmiede“. Die Kneipe wird im Seitenflügel des Hauses ohne Genehmigung betrieben. Ein für Ende April angesetzter Termin zur Verhandlung über die Räumung platzte nach einem Befangenheitsantrag des Anwalts der Bewohner gegen die Richter.

Die „Kadterschmiede“ wurde bereits im Sommer 2016 unter massivem Polizeischutz geräumt. Das musste allerdings rückgängig gemacht werden, weil der Eigentümer zuvor keinen Rechtstitel erwirkt hatte.