Kultur

Wilmersdorf soll ein neues Open-Air-Kulturquartier bekommen

Zwischen dem Haus der Berliner Festspiele und der Bar jeder Vernunft sollen Bühnen entstehen. Senat muss noch mit Investor verhandeln.

Peter Gnielczyk und Franziska Becker (SPD) setzen sich dafür ein, dass auf dem Grundstück des Parkhauses im Hintergrund bald ein Kulturquartier entsteht.

Peter Gnielczyk und Franziska Becker (SPD) setzen sich dafür ein, dass auf dem Grundstück des Parkhauses im Hintergrund bald ein Kulturquartier entsteht.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Ein schöner Anblick ist es nicht - das graue, moosbewachsene Parkhaus zwischen der Universität der Künste (UdK), dem Haus der Berliner Festspiele und der Bar jeder Vernunft. Das findet auch Peter Gnielczyk von der Bürgerinitiative Fasanenplatz. Er hat eine Vision: Wo heute noch Autos parken, könnte in Zukunft ein Open-Air-Kulturquartier entstehen, mit Restaurants und Bühnen. Auch das Berliner Abgeordnetenhaus unterstützt diese Idee. Im Oktober 2020 forderte es den Senat in einem Antrag auf, die Entwicklung des Quartiers voranzubringen. Vorher muss die Finanzverwaltung aber noch mit einem Investor verhandeln.

Die Eigentumsverhältnisse des Parkhausgrundstücks neben der Gerhart-Hauptmann-Anlage sind kompliziert: Ein Teil gehört den Berliner Festspielen und ist damit Bundeseigentum, ein Teil gehört der Universität der Künste und damit dem Land und ein mittleres Stück gehört einem privaten Investor. Damit das Parkhaus abgerissen werden kann, muss dieser Investor sein Grundstück verkaufen. Mit ihm soll auf Landesebene über den Verkauf verhandelt werden, sagt Franziska Becker (SPD), Leiterin des Hauptausschusses im Abgeordnetenhaus.

Hinter der UdK soll Bühne entstehen

Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) soll die Verhandlungen führen. „Ich werde bei Herrn Kollatz anfragen, wie es nun um die Verhandlungen steht“, sagt Becker. Die Corona-Pandemie habe für Verzögerungen gesorgt. Der Investor habe aber „schlechte Chancen“, sich dem Verkauf zu verweigern. Um auf dem Grundstück irgendein anderes Bauvorhaben zu realisieren, müsste er die anderen beiden Flächen vom Bund aufkaufen, so Becker.

Sollte der Weg für das Kulturquartier bald frei sein, hat die Bürgerinitiative mithilfe des Architekten Prof. Wilfried Wang, einem ihrer Mitglieder, einen ausgeklügelten Plan entwickelt. Demnach könnte direkt hinter dem Gebäude der UdK eine Bühne entstehen. Studenten der Universität sollen dort nicht nur proben, sondern auch Konzerte spielen. Die Bar jeder Vernunft könnte ihren Biergarten erweitern. Die Berliner Festspiele könnten ihre Kantine, die bislang noch im Keller des Hauses ist, vor das Gebäude verlagern und ein Restaurant daraus machen.

Sommerfeste und Zirkus-Darbietungen sind geplant

„Wir stellen uns das Quartier wie eine Plaza vor, es soll für alle zugänglich sein“, sagt Gnielczyk. Breite Wege in alle Himmelsrichtungen könnten angelegt werden. Auch über die Bepflanzung des Areals denkt Gnielczyk nach, sie könnte etwa so aussehen „wie in einem japanischen Garten“, sagt er.

Mit den Chefs der drei Kulturinstitutionen rund um das Areal tauscht die Initiative sich über ihre Ideen aus. In einem gemeinsamen Brief sprachen sich Holger Klotzbach, Geschäftsführer der Bar jeder Vernunft, Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele und Prof. Norbert Palz, Präsident der UdK, für die „Kulturmeile für die Zukunft nach dem Parkdeck“ aus. Dort könnten verschiedene Veranstaltungen stattfinden, schreiben sie: Sommerfeste mit „musikalischen Rundgängen“, bei denen Musikstudenten ihr Können zum Besten geben sowie weitere Open-Air-Aufführungen mit Zirkus-Darbietungen. Zudem sollen Architekturstudenten ihre Ideen für das Quartier einbringen.

Kultursenator verweist auf „umfassenden Abstimmungsprozess“

Alle Anlieger sind also motiviert, nun muss das Ergebnis der Verhandlungen mit dem Investor abgewartet werden. Nachdem der Antrag im Abgeordnetenhaus beschlossen wurde, schrieb Kultursenator Klaus Lederer (Linke) an die Abgeordneten, ein „umfassender Abstimmungsprozess“ sei nötig, um das Quartier zu realisieren. Neben Land, Bund und Investor müsste auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf in die Planungen einbezogen werden.

Dass sich Gespräche über das neue Kulturquartier schwierig gestalten können, weiß auch Stefan Evers, Parlamantarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Er kämpfe schon seit Beginn seiner politischen Karriere für den Bau des Quartiers, sagt er. Zunächst habe man den Plan des Investors verhindern müssen, auf dem Grundstück des Parkdecks ein Hochhaus zu errichten. Das sei bereits vor vielen Jahren, in seiner Zeit als Bezirksverordneter, geschehen.

SPD-Abgeordnete Becker hofft auf Verhandlungsergebnis

„Dann habe ich gesagt: Wir dürfen nicht nur Investoren-Träume platzen lassen, wir müssen ein eigenes Konzept vorlegen.“, so Evers. Mithilfe der Bürgerinitiative konnte ein solches Konzept erarbeitet werden. Der Antrag im Abgeordnetenhaus sei nun ein wichtiger Schritt, um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen. „Nun sind wir dem Ziel so nahe, dass es hoffentlich nicht noch Dekaden dauert“, fügt er hinzu.

Die SPD-Abgeordnete Becker hofft indes darauf, noch in dieser Legislaturperiode die Verhandlungen mit dem Investor erfolgreich abzuschließen. Das Projekt werde auf jeden Fall nach den Wahlen fortgeführt, sagt sie: „Da die Regierungskoalition und die CDU dem Antrag zugestimmt haben, wird es nach den Wahlen weiterentwickelt - egal von welcher Regierungspartei.“