Umwelt

Schafe sollen im Stadion Wilmersdorf weiden

Schafherden sollen künftig im Stadion Wilmersdorf die Pflanzen pflegen. CDU sieht Sportbetrieb gefährdet.

Schafe sollen im Stadion Wilmersdorf für die Pflanzenpflege eingesetzt werden (Symbolbild).

Schafe sollen im Stadion Wilmersdorf für die Pflanzenpflege eingesetzt werden (Symbolbild).

Foto: Owen Humphreys / dpa

Berlin. Im Stadion Wilmersdorf sollen künftig Schafe grasen. Die Herde soll nach Angaben des Bezirksamts die Grünfläche dort pflegen – das ist kostengünstiger als der Schnitt der Pflanzen mit Maschinen. Auch die Biodiversität im Stadion soll so erhöht werden. Ab Juni sollen die Schafe auf der Fläche der brachfallenden Tribünen stehen.

An mehreren Orten in Berlin werden Schafe bereits zur Pflege von Wiesen eingesetzt – etwa am Tempelhofer Feld oder im Schlossgarten Charlottenburg. Im Schlossgarten tragen Herden dazu bei, Biotope zu erhalten. Häufig gibt es zu viele Nährstoffe auf den Frischwiesen und dem Magerrasen im Park. Die Pflanzen können dann nicht gedeihen. Durch die Beweidung werden dem Boden Nährstoffe entzogen. Auch die Schafe auf dem Tempelhofer Feld sollen die Flora und Fauna dort schützen.

Einsatz von Schafherden im Horst-Dohm-Eisstadion getestet

Im Stadion Wilmersdorf sollen die Schafe Büsche und Bäume abgrasen, die besonders dicht wachsen, wie etwa der Eschenahorn oder der Brombeerbusch. Sie werden bislang von Mitarbeitern des Bezirksamts beschnitten. Von diesem Schnitt erholen sie sich jedoch schnell und können jährlich bis zu drei Meter in die Höhe wachsen. Die Bissspuren von Schafen verhindern ein solches Wachstum – das führt zu Kosteneinsparungen bei der Pflege. Dabei soll auch mehr Platz für andere Pflanzenarten entstehen. Sogenannte Weideunkräuter, zu denen Löwenzahn oder Hahnenfuß zählen, sollen sich auf den Wiesen verbreiten. So können Schmetterlinge und Wildbienen angelockt werden.

Zunächst soll die Beweidung der Böschung im Horst-Dohm-Eisstadion Anfang 2021 getestet werden. Wenn die Schafe dort die gewünschten Ergebnisse liefern, werden sie im Sommer im Stadion Wilmersdorf grasen – zunächst für zehn Tage. Da die Tribünen des Wilmersdorfer Stadions bereits eingezäunt sind, müsste nur noch ein „mobiler Weidezaun“ aufgestellt werden, wie ein Mitarbeiter des Bezirksamts sagt.

Maßnahme nicht mit Sportvereinen abgestimmt

Der Bezirksverordnete Hans-Joachim Fenske (CDU) sieht den Einsatz von Schafherden in Sportstätten kritisch. „Die Tribünen bieten noch keine geeignete Fläche für die Schafe. Die Treppen dort müssten erst begradigt werden“, sagt er. Die Tiere könnten zudem den Sportbetrieb im Stadion stören, fürchtet Fenske. Mit betroffenen Sportvereinen oder dem Bezirkssportbund seien die Maßnahme nicht abgestimmt worden, moniert er: „Ich halte es deshalb für sinnvoller, die Schafe auf anderen Grünflächen grasen zu lassen, zum Beispiel am Olivaer Platz oder am Preußenpark.“

Dominik Puhst, erster Vorsitzender der Sportfreunde Charlottenburg-Wilmersdorf 03, widerspricht Fenskes Behauptung. Mitglieder seines Vereins seien sehr wohl in die Planung der Schafherden im Stadion einbezogen worden, betont er. „Es wurden uns nicht nur die Pläne vorgelegt, sondern es wurde gefragt, ob Bedenken bestehen würden“, so Puhst. Das Projekt sei bei dem Verein auf Begeisterung gestoßen. Kinder von Vereinsmitgliedern könnten durch die Schafe ein „Naturerlebnis erfahren“, so Puhst.