Sanierung

Bezirksamt sagt Blaualgen im Lietzensee den Kampf an

Bislang gibt es außer Blaualgen kaum Pflanzen im Lietzensee in Berlin-Charlottenburg. Wie sich das nun ändern soll.

Im Lietzensee fühlen sich außer Blaualgen kaum Pflanzen wohl.

Im Lietzensee fühlen sich außer Blaualgen kaum Pflanzen wohl.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Rauschende Trauerweiden, ruhende Schwäne und sprudelnde Brunnenspiele – der Lietzenseepark wirkt auf Besucher wie eine Symphonie. Ein Ton jedoch stört die Harmonie: Das Dunkelgrün der Blaualgen an der Oberfläche des Lietzensees. Sie machen das Wasser trübe. Bald soll es wieder kristallklar werden. Schritt für Schritt saniert das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf den See. Schließlich sollen sich Hechte im Wasser so wohl fühlen, dass sie dort laichen.

Zwar gebe es bereits Hechte im See, sagt Viola Hügerich, eine zuständige Mitarbeiterin des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf. „In den letzten zehn Jahren mussten die Hechte aber immer wieder von Neuem eingesetzt werden. Sie können sich in dem See momentan nicht fortpflanzen“, so Hügerich. Bislang bietet der See keinen idealen Lebensraum für die Raubfische: Zu viel Nährstoffe schwimmen im Wasser, darunter vor allem Phosphat. Hechte seien jedoch wichtig für das ökologische Gleichgewicht des Sees, betont Hügerich. Sie fräßen die Weißfische, die sich zahlreich im See aufhalten und sich an den überschüssigen Nährstoffen nicht stören.

Bezirksamt will Phosphatgehalt im Lietzensee verringern

Problematisch ist der hohe Phosphatgehalt auch für die meisten Wasserpflanzen, die bislang kaum im See vertreten sind. Blaualgen sind dabei die Ausnahme. Der hohe Nährstoffgehalt ermöglicht seit Jahren ihr Gedeihen im Lietzensee. Wie schnell die Entwicklung der Blaualgen voranschreitet, können Besucher des Lietzenseeparks auf den ersten Blick sehen: Sie bilden die grüne Schicht, die auf der Wasseroberfläche schwimmt.

All das soll sich nun ändern. Das Bezirksamt sagt den Blaualgen im See den Kampf an, damit mehr Pflanzen und Fische ihn als Lebensraum erobern können. Im Oktober hat es begonnen, den Lietzensee zu sanieren. Dabei folgt es einem ausgeklügelten Maßnahmenkatalog, basierend auf dem Pflegewerk, das Anfang 2017 für den Lietzenseepark erstellt wurde. In einem ersten Schritt hat das Amt mit einer sogenannten Phosphatfällung begonnen.

Schwefel im See soll gebunden werden

„Um den Phosphatgehalt im Wasser zu verringern, werden Eisenverbindungen hinzugegeben. Das Phosphat verbindet sich mit ihnen. Es entstehen Flocken, die auf den Grund des Sees sinken“, erklärt Hügerich den Vorgang. Auch Schwefel werde dadurch gebunden, der laut Hügerich für den gelegentlich strengen Geruch des Lietzensees in den Sommermonaten verantwortlich ist.

Wenn die Flocken aus Eisenverbindungen und Nährstoffen dann am Grund liegen, werden in einem zweiten Schritt Sauerstoffträger in den See gegeben. Sie sorgen dafür, dass sich die Flocken mineralisieren, also zu Stein werden und damit endgültig nicht mehr lösbar sind. Rein chemische Maßnahmen reichen jedoch nicht aus, um die Tier- und Pflanzenwelt im Lietzensee vielfältiger zu gestalten.

Natur- und Denkmalschutzbehörden stimmten sich ab

Das Bezirksamt muss auch selbst anpflanzen – und zwar sogenannte Unterwasserweiden. Diese dichten Pflanzenbestände können etwa aus Schilf bestehen. Welche Pflanzen an welcher Stelle im See gedeihen dürfen, musste zuvor verhandelt werden, wie Hügerich berichtet: „Hier musste sich die Natur- mit der Denkmalschutzbehörde abstimmen.“ Der Lietzenseepark, entworfen vor 100 Jahren vom damaligen Gartendirektor Erwin Barth, ist ein Gartendenkmal. Barth legte ihn so an, dass der Blick der Besucher auf ästhetischen Sichtachsen gelenkt wird. Diese Sichtachsen werden durch klare Uferkanten rund um den See ermöglicht und sollten möglichst nicht von Pflanzen verdeckt werden.

„Wir mussten uns an Vorgaben des Denkmalschutzes halten, wonach über der Wasseroberfläche nur wenige Stellen, zum Beispiel an der rechten Uferseite von der großen Kaskade aus gesehen und in der Nähe der Lietzenseebrücke, bepflanzt werden dürfen“, sagt Hügerich. Aus diesem Grund wird das Bezirksamt Unterwasserweiden vornehmlich dort anpflanzen, wo sie nicht zu sehen sind: unterhalb der Wasseroberfläche. Genehmigt wurden dafür verschiedene Pflanzenarten wie etwa Ehrentausendblatt, Wasserhahnenfuß, Heilkraut und Schwanenblume.

Pegel des Lietzensees wegen Dürre niedrig

Den Fortbestand des Lietzensees gefährdeten nicht nur überschüssige Nährstoffe und Blaualgen, wie Hügerich erklärt, sondern auch die Dürre der vergangenen Sommer. „Es gab zu wenig Regenfall. Der Pegel des Sees ist extrem niedrig“, sagt sie. Deswegen soll künftig Grundwasser in den See eingeleitet werden. Ein unterirdischer Brunnen nahe der großen Kaskade ist in diesem Zusammenhang in Planung.

Zunächst jedoch soll die Phosphatfällung bis Ende 2020 abgeschlossen werden. Die Kosten hierfür betragen 280.000 Euro. Mit dem Anpflanzen der Unterwasserweiden kann 2021 begonnen werden. Anschließend will das Bezirksamt prüfen, welche Wirkung die Maßnahmen erzielt haben und wie sich die Wasserqualität entwickelt. „Davon hängt das weitere Vorgehen ab, zu dem es verschiedene Varianten gibt“, sagt Hügerich. Die Höhe der Gesamtkosten für die Sanierung lasse sich deshalb nicht genau angeben.

Ende 2021 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Dann können Hechte im See laichen. Und zwischen Trauerweiden, Schwänen und Brunnenspielen wird im Park ein kristallklarer Lietzensee zu sehen sein.