Straßenumbenennung

Debatte um Wissmannstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf

Nicht nur in Neukölln, sondern auch in Charlottenburg-Wilmersdorf wird die Umbenennung einer Wissmannstraße gefordert.

Neben Neukölln soll auch in Charlottenburg-Wilmersdorf die Wissmannstraße umbenannt werden.

Neben Neukölln soll auch in Charlottenburg-Wilmersdorf die Wissmannstraße umbenannt werden.

Foto: Maurizio Gambarini

Nachdem in Neukölln die Umbenennung der Wissmannstraße gefordert wurde, gibt es nun in Charlottenburg-Wilmersdorf ähnliche Überlegungen hinsichtlich einer gleichnamigen Straße im Grunewald. Vorschläge für alternative Namen gibt es allerdings noch nicht. Die Debatte um die Wissmannstraße geht nur schwerfällig voran. Ihren Anfang nahm sie bereits in November 2017, als die Linke-Fraktion in einem Antrag die Umbenennung gefordert hatte.

Im Juni 2019 folgte ein entsprechender Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Demnach soll sich die BVV verpflichten, den „Prozess mit dem Ziel einer Umbenennung zu initiieren“ und eine Anwohnerversammlung einberufen. Zudem wird das Bezirksamt aufgefordert, die Veranstaltung zu unterstützen und gemeinsam mit dem Senat ein „städteweites Konzept“ für die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte Berlins zu entwickeln.

Bislang keine alternativen Namen für Wissmannstraße

Verantwortlich für die Veranstaltung der Anwohnerversammlung ist Bezirksverordnetenvorsteherin Annegret Hansen (SPD). Sie werde sich nun auch darum kümmern, wie sie sagt. „Aber bei der Versammlung sollten bereits alternative Namen präsentiert werden und diese stehen noch nicht fest“, sagt sie. Für eine angemessene geschichtliche Aufarbeitung benötige sie die Expertise von Vertretern des Bezirksamts.

Dem Gouverneur Hermann von Wissmann (1853 bis 1905) werfen Linke vor, als Kolonialbeamter für brutale Verbrechen an Tausenden Menschen in damals Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Burundi und Ruanda) verantwortlich gewesen zu sein.

Kolonialgeschichte des gesamten Bezirks soll aufgearbeitet werden

Unterstützung bei der Aufarbeitung von Wissmanns Vergangenheit sicherten Hansen bereits Kulturstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) und Oliver Schruoffeneger (Grüne) zu. Mitarbeiter beider Stadträte forschen derzeit sowohl zu dem Namensgeber der Wissmannstraße als auch zu anderen kolonialgeschichtlich geprägten Orten im Bezirk.

Schruoffeneger möchte darauf aufbauend ein „Konzept zur Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte im Stadtbild“ erarbeiten. In diesem Zusammenhang könnten weitere Straßennamen zur Diskussion stehen, so der Stadtrat. Konkrete Beispiele nennt er dabei nicht. Zwischenergebnisse zu den Untersuchungen der beiden Stadträte sind noch nicht öffentlich.