Baustelle

Kantstraße wird eineinhalb Jahre zur Staufalle

Vattenfall erneuert die Fernwärmeleitungen in der City West. Es gibt massive Behinderungen für den Auto- und Radverkehr.

Nur noch eine Spur pro Richtung: die Kantstraße kurz vor der Kreuzung mit der Joachimsthaler Straße.

Nur noch eine Spur pro Richtung: die Kantstraße kurz vor der Kreuzung mit der Joachimsthaler Straße.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Wieder gibt es in Berlin eine neue Baustelle: Dieses Mal betrifft es die Kantstraße in Charlottenburg. Durch die Baustelle zwischen der Joachimsthaler Straße und der Fasanenstraße ist nicht nur Geduld zu den Hauptverkehrszeiten gefragt, sondern auch erhöhte Aufmerksamkeit bei Auto- und Radfahrern. Und das voraussichtlich bis März 2022.

Ein Fahrzeug nach dem anderen schlängelt sich um die Baustelle auf Höhe des Supermarktes unter den Bahngleisen, die zum Bahnhof Zoo führen. Wer nicht in den Hauptverkehrszeiten unterwegs ist, könnte noch ohne Behinderungen an der Baustelle vorbeikommen. Alle anderen Autofahrer werden sehr wahrscheinlich im Stau stehen und haben etwas Zeit, aus dem Fenster mal hinter die Absperrungen zu schauen.

Die Vattenfall Europe Wärme AG hat nämlich schweres Geschütz aufgefahren. „In erster Linie werden Fernwärmeleitungen erneuert, das Netz zwischen der Kantstraße und der Fasanenstraße verbunden sowie das Theater des Westens ans System angeschlossen“, sagt ein Sprecher von Vattenfall. Durch die Erneuerung der Leitungen könnten zukünftig noch mehr Kunden angeschlossen werden.

Baustelle auf der Kantstraße bis Juni 2021

Der jetzige Bauabschnitt ist bereits der zweite – schon von Oktober 2018 bis April 2019 haben dort auf dem Mittelstreifen Arbeiten stattgefunden. Diese Baustelle werde nun, so wie sie jetzt ist, bis Juni 2021 Bestand haben, sagt der Vattenfall-Sprecher. Im Anschluss wird die Baustelle wandern – an die Kreuzung Kantstraße/Fasanenstraße.

Ein genaues Zeitfenster für diese Bauabschnitte drei und vier konnte der Sprecher noch nicht nennen. Fest steht, dass bis zum Sommer nächsten Jahres nur eine Fahrspur für jede Richtung zur Verfügung steht. „Es ist zwar noch nicht endgültig entschieden, aber sehr wahrscheinlich werden zumindest in den Sommermonaten so lange wieder zwei Fahrspuren pro Fahrtrichtung nutzbar sein, bis der neue Bauabschnitt eingerichtet wird“, sagt der Sprecher. Man wolle auch die Touristen mit den vielen Baustellen nicht überfordern.

Tempo 30 auf der Kantstraße, aber kaum jemand hält sich daran

Auf dem gesamten Abschnitt gilt zwar Tempo 30, was auch kurz vor der Verengung von zwei Spuren auf eine rechts und links der Fahrbahn ausgeschildert ist, wirklich viele Autofahrer halten sich allerdings nicht daran. Das könnte vor allem für Radfahrer gefährlich werden. Mobile Poller und die gelbe Fahrbahnmarkierung mit dem Fahrradsymbol weisen zwar deutlich auf einen Radstreifen hin, dieser verschmilzt allerdings kurz vor der Kreuzung Kantstraße/Joachimsthaler Straße mit der Rechtsabbiegespur für alle anderen Fahrzeuge – keine Poller, keine gelbe Markierung, die den Radfahrern Schutz bieten, nur ein Schild: Achtung Radfahrer.

Auch in entgegengesetzter Richtung läuft das mit der Fahrbahnaufteilung nicht ganz rund. Zwar gibt es einen Radstreifen, nur wird dieser durch einige Fahrzeuge blockiert. Resultat: Radfahrer müssen auf die Spur für Pkw und Busse ausweichen, bis die Poller den Radweg wieder markieren und somit ein Gefühl von Schutz geben. Und dann sind ja auch noch die Autofahrer, die aus den Parkhäusern fahren. An der Ausfahrt des Parkhauses neben dem Theater des Westens haben die Autofahrer durch die weiß-rote Absperrung eine eingeschränkte Sicht. Und nicht nur das: Um rechts auf die Kantstraße abbiegen zu können – links abzubiegen ist untersagt – bleibt nicht viel Platz. Fahrer besonders großer Fahrzeuge könnten Mühe haben, auf der Spur zu bleiben und nicht in den Gegenverkehr zu geraten.

Bushaltestelle Joachimsthaler Straße/Kantstraße für Bus M49 ersatzlos aufgehoben

Nicht nur Autofahrer sind genervt, auch die Fußgänger zeigen sich über die Baustelle wenig begeistert. Zwar sind die Gehwege nicht direkt von der Baustelle betroffen, allerdings kann die Fußgängerampel am Yva-Bogen nicht mehr genutzt werden. Einzige Möglichkeit bleiben da die beiden Ampeln an der Fasanenstraße beziehungsweise der Joachimsthaler Straße. Für alle, die genau dort in Höhe der Baustelle die Straße überqueren möchten, bedeutet das einen deutlichen Umweg. Einige Passanten haben daher schon eine Lücke in der Absperrung genutzt, um ihren Weg zu verkürzen. Und da ist eben auch wieder die Aufmerksamkeit der Autofahrer gefragt. Es muss jederzeit damit gerechnet werden, dass jemand vor der Absperrung auftaucht.

Ein Hinweis für Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs: Wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mitteilen, ist die Bushaltestelle Joachimsthaler Straße/Kantstraße der Buslinie M49 in beiden Richtungen – Heerstraße/Nennhauser Damm sowie Richtung Hertzallee – ersatzlos aufgehoben. Die nächstgelegene Möglichkeit, den M49 zu nutzen, hat man an den Haltestellen Zoologischer Garten und Uhlandstraße/Kantstraße.