Verkehr

Autofreie City West: So verlief der Aktionstag

Mehr autofreie Straßenabschnitte in der City West gefordert: Teile des Tauentzien und der Wilmersdorfer Straße wurden gesperrt.

Während der autofreien Aktion am Tauentzien gab es ein Unterhaltungsprogramm für Kinder.

Während der autofreien Aktion am Tauentzien gab es ein Unterhaltungsprogramm für Kinder.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Mehr Platz für Fußgänger und weniger Raum für Autofahrer: Diese Forderungen hört man immer wieder aus der City West. An zwei Einkaufsstraßen sind am Sonnabend im Rahmen von Aktionstagen zwei Abschnitte vorübergehend gesperrt worden. An der Tauentzienstraße wurde die Strecke zwischen Nürnberger und Rankestraße autofrei, an der Wilmersdorfer Straße wurde die Fußgängerzone bis zur Bismarckstraße verlängert.

Andächtig gestaltete die Initiative Stadt für Menschen um 11 Uhr den Beginn ihrer dreistündigen Aktion an der Tauentzienstraße. Vor dem Breitscheidplatz legte sie Gedenkminuten für die insgesamt 31 Fußgänger und Radfahrer ein, die 2020 durch Verkehrsunfälle zu Tode kamen. Mitglieder der Initiative rollten auf der Fahrbahn Kunstrasen aus und legten weiße Rosen darauf ab. Bettina Jarasch, Kandidatin der Grünen für das Bürgermeisteramt, nutzte die Gelegenheit für eine kurze Ansprache.

Kommentar zum Thema: Autofreier Tauentzien: Nicht mehr als ein Versuch

Autofreie City West: Pop-up-Radwege als Anfang

Die Mobilitätswende in der Hauptstadt durchzusetzen werde „lange dauern“, sagte Jarasch vor den etwa 70 Besuchern, die zu der Aktion erschienen waren. Sie wolle den Fokus darauf richten, was „schon im nächsten Jahr“ passieren könne. Mehr autofreie Plätze und Straßen soll es geben, so die ehemalige Landesvorsitzende der Grünen. Ein Beispiel seien die Pop-up-Radwege, die zu Anfang der Corona-Krise in den Bezirken errichtet wurden.

Diese Radwege sind jedoch rechtlich umstritten: Die Richter am Verwaltungsgericht hatten im September Zweifel an deren Rechtmäßigkeit vorgebracht. Dagegen hatte der Berliner Senat im Eil-Verfahren Beschwerde eingelegt, über die das Oberverwaltungsgericht nun entscheiden muss.

Auf Jaraschs Ansprache folgten zahlreiche Diskussionsrunden über Mobilität auf dem gesperrten Straßenabschnitt. Dabei erklärten Beteiligte, wie sie ihre Vision vom autofreien Tauentzien und einer verkehrsberuhigten Hauptstadt umsetzen wollen.

Sperrung der Tauentzienstraße bislang nicht Teil der Charta City West 2040

So sagte Michael Cramer (Grüne), einst Mitglied des Europäischen Parlaments und von 2014 bis 2017 Leiter des Verkehrsausschusses, bei einer langfristigen Sperrung des Tauentzien könne man sich ein Beispiel an der Friedrichstraße nehmen, die seit dem Sommer für einen Zeitraum von fünf Monaten nur noch für Radfahrer und Fußgänger zugänglich ist. Eine solche Sperrung bringe den Einzelhändlern an anderen Einkaufsstraßen ebenfalls Vorteile, so Cramers Überzeugung.

Cramers Theorie widersprechen jedoch Zahlen, die das Kaufhaus Galeries Lafayette vor Kurzem genannt hatte: Seit Beginn der Sperrung des Teilabschnitts der Friedrichstraße soll die Zahl der Kunden um bis zu 30 Prozent zurückgegangen sein.

In einer weiteren Debatte stellte Oliver Schruoffeneger (Grüne), Verkehrsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, dann auch die Frage, ob es Einkaufsstraßen zukünftig in ihrer heutigen Form noch geben oder der Online-Handel das Einkaufsverhalten völlig dominieren werde. In dem Zukunftskonzept Charta City West 2040, das Schruoffeneger gemeinsam mit dem WerkStadtForum und Verbänden erarbeitet hatte, wird momentan darüber diskutiert, welche Straßen für den Durchgangsverkehr gesperrt werden sollen. Ob die Entscheidung dabei auf den Tauentzien fällt, wisse er noch nicht, so der Stadtrat.

Bezirksamt erstellt Gutachten über verlängerte Fußgängerzone

Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf beschäftigt sich momentan auch mit der Frage, ob die Fußgängerzone an der Wilmersdorfer Straße verlängert werden soll. Am Freitag und Sonnabend startete die Behörde einen Versuch: Der Abschnitt zwischen Bismarck- und Schillerstraße wurde an beiden Tagen zwischen 11 Uhr und 19 Uhr für Autos und Radfahrer gesperrt. Während der Sperrung wurden Passanten und Gewerbetreibende an der Straße dazu befragt, ob sie eine Verlängerung der autofreien Zone für sinnvoll halten.

„Die Resonanz bei den Passanten fällt bislang überraschend positiv aus“, sagte Gregor Langenbrinck, Projektleiter des Stadtplanungsbüros Urbanizers, das ein Gutachten zu dem Versuch erstellt. Ein gemischtes Echo habe er allerdings von den Gewerbetreibenden erhalten, fügte er hinzu. Die negativen Reaktionen mancher Ladenbesitzer führte Thomas Bong, Inhaber der Bong-Apotheke an der Straße, auf Sorgen über die Erreichbarkeit und Anlieferung der Geschäfte zurück. Er hingegen setzt sich gemeinsam mit anderen Geschäftsleuten im Händlerverband AG Wilmersdorfer Straße für die Verlängerung der Fußgängerzone ein. „Die Wilmersdorfer Straße ist unserer Ansicht nach eine Familienstraße. Und diese Familien brauchen Platz zum Einkaufen“, sagte Bong.