Schon im Februar

Lentzeallee: Bewohner müssen aus Seniorenheim ausziehen

Sie dachten, sie hätten noch bis Juni 2021 Zeit. Nun müssen die Bewohner des Seniorenwohnheims an der Lentzeallee früher ausziehen.

Das Seniorenwohnheims an der Lentzeallee schließt.

Das Seniorenwohnheims an der Lentzeallee schließt.

Foto: Lea Verstl

Berlin. Die Bewohner des Seniorenwohnheims an der Lentzeallee gingen davon aus, dass sie bis zum 14. Juni 2021 Zeit hätten, um auszuziehen. Bis dahin läuft der Mietvertrag zwischen der Gewobag und dem Träger des Heims, der Wilmersdorfer Seniorenstiftung. Nun aber kündigt Gesundheitsstadtrat Detlef Wagner (CDU), Vorsitzender der Stiftung, den Senioren das Mietverhältnis bis zum 28. Februar 2021. Einige Angehörige und Bewohner reagierten entsetzt auf die Nachricht.

„Uns wurde Anfang Juni versichert, dass wir noch ein Jahr Zeit hätten, um nach einem Platz in einer anderen Einrichtung zu suchen“, sagt Marianne Lamprecht. Ihre 97-jährige Mutter wohnt in dem Heim. Als Wagner den Senioren und ihren Angehörigen auf einer Versammlung am Mittwochabend den frühzeitigen Kündigungstermin bekannt gab, sei Lamprecht geschockt gewesen, wie sie sagt. „Manche Bewohner haben angefangen zu weinen“, erzählt sie. Für alte Menschen wie ihre Mutter sei ein Umzug nicht leicht zu verkraften.

Von ursprünglich 84 Bewohnern leben nur noch 41 im Heim

Mit den Vorwürfen konfrontiert, argumentiert Stadtrat Wagner, er habe den Bewohnern so früh wie möglich kündigen müssen. Im Juni, wenn der Mietvertrag mit der Gewobag endgültig auslaufe, müsse das Heim bereits leer stehen. Zudem seien seit Bekanntgabe der Schließung bereits mehr als die Hälfte der Senioren ausgezogen. „Von den ursprünglich 84 Bewohnern leben jetzt nur noch 41 in dem Heim. Und auch von ihnen ziehen im Oktober noch mal sieben aus“, sagt Wagner.

Wenn diese Entwicklung sich fortführe, wohnten bis Ende des Jahres nur noch sehr wenige Senioren in dem Heim. Ein leeres Wohnheim weiter zu betreiben sei teuer, so Wagner. Er müsse das Haus schließen, da es nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden könne und damit den Fortbestand der Stiftung gefährde. „Falls sich bis Ende Februar noch einige Bewohner in dem Heim aufhalten, werden wir ihnen entweder Ersatzplätze in den anderen beiden Heimen der Stiftung anbieten oder sie in diesem Heim noch einige Monate weiterpflegen“, sagt Wagner.

An der Lentzeallee soll es auch künftig ein Seniorenwohnheim geben

Bereits im Juni sicherte Wagner den Bewohnern Ersatzplätze in Einrichtungen an der Hohensteinstraße und der Königsallee zu. Dieses Angebot werde er im Notfall erweitern. Wegen der Entwicklung der Corona-Pandemie könnte es jedoch sein, dass die Bewohner im Frühjahr nicht umziehen können. Für diesen Fall soll die Pflege in der Lentzeallee trotz Kündigung weiter bestehen bleiben, versichert Wagner.

Auch künftig, so der Stadtrat, soll es an der Lentzeallee ein Seniorenwohnheim geben. Allerdings ist das in die Jahre gekommene Haus sanierungsbedürftig. Es müsse entweder grunderneuert oder abgerissen und neu gebaut werden, bevor neue Bewohner einziehen, sagt Wagner. Er führe bereits entsprechende Verhandlungen. Auch mit Pflegeanbietern sei er im Gespräch. Die Seniorenstiftung könne den Betrieb an der Lentzeallee aus finanziellen Gründen nicht wieder aufnehmen. Einige Interessenten für die künftige Leitung des Heims haben sich aber schon bei ihm schon gemeldet, sagt er.