Verkehr in Berlin

So gefährlich sind die Schulwege in der City West

Riskante Kreuzungen, unsichere Fußwege, keine Schilder - der Weg zur Schule ist für Kinder oft gefährlich. Das soll sich nun ändern.

An der Nehring-Grundschule sind vor allem die Kreuzungen entlang der Schloßstraße gefährlich.

An der Nehring-Grundschule sind vor allem die Kreuzungen entlang der Schloßstraße gefährlich.

Foto: Philipp Siebert

Berlin. Die Schulwege in Charlottenburg-Wilmersdorf müssen sicherer werden. Das geht aus einem neuen Gutachten des Verkehrsplanungsunternehmens LK Argus hervor, das im Auftrag des Bezirksamts angefertigt wurde und der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt. Unübersichtliche Kreuzungen, schmale Gehwege, fehlende Warnschilder – die Liste der Mängel an den insgesamt 22 Grundschulen, die untersucht wurden, ist lang. Im Gutachten werden Verkehrsmaßnahmen vorgeschlagen, die Abhilfe schaffen sollen.

So gibt es an der Judith-Kerr-Grundschule laut Gutachten keine „Querungshilfen“ an der Kreuzung Kohlberger Platz/Friedrichshaller Straße. Deswegen sollen Gehwege dort breiter werden. Auch direkt vor der Grundschule sollen Gehwege vorgezogen oder eine Halteverbotszone eingerichtet werden.

Generell sind in der Umgebung der Schule „geschwindigkeitsdämpfende Maßnahmen“ notwendig, damit Autofahrer das Tempolimit von 30 Stundenkilometern einhalten. In diesem Zusammenhang soll die Friedrichshaller Straße mit Pflastersteinen und Bodenwellen versehen werden.

Zusammen mit der Alt-Schmargendorf-Grundschule soll an der Cunostraße eine gemeinsame Haltestelle für Eltern eingerichtet werden, die ihre Kinder zur Schule bringen oder dort abholen. Damit soll ein Verkehrschaos bei Unterrichtsbeginn und -ende vermieden werden, das die Elternvertreter laut Studie bemängeln.

Ampeln solenl an Lietzensee-Grundschule getestet werden

An der Lietzensee-Grundschule müssen in Richtung Norden bislang fehlende Warnschilder aufgestellt werden, die anzeigen, dass Kinder an der Straße unterwegs sind. Zudem gibt es keine „Querungshilfen“ sowohl vor der Schule als auch entlang des Kaiserdamms und an der Zufahrt Witzlebenstraße. Am Kaiserdamm soll deshalb geprüft werden, ob eine Ampel oder ein Zebrastreifen angelegt werden kann. Gehwegvorziehungen und Aufpflasterungen werden an den Gefahrenstellen empfohlen.

An der Nehring-Grundschule sind vor allem die Kreuzungen entlang der Schloßstraße gefährlich, wie aus dem Gutachten hervorgeht. Diese werden von Autofahrern zugeparkt, sodass Kinder beim Überqueren die Straße nicht einsehen können.

Zudem sind die Kreuzungen aufgrund von umliegenden Baumscheiben nur schwer zugänglich. Darum sollen auch entlang der Schloßstraße Gehwege vorgezogen werden. Zudem sollen die Gehwege abgesenkt und somit barrierefrei gestaltet werden.

Erweiterung der Tempo-30-Zone an Carl-Orff-Grundschule

An der Carl-Orff-Grundschule halten sich Autofahrer oft nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, weil an der Berkaer Straße nur auf dem Straßenabschnitt vor der Schule Tempo 30 gilt, ansonsten Tempo 50.

Hier schlagen die Gutachter vor zu prüfen, ob die 30er-Zone bis zum Elsterplatz erweitert werden kann. Zudem soll der Bau von Bodenwellen dafür sorgen, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten werden.

Auch an der Grundschule am Rüdesheimer Platz sind Autofahrer ein Problem, die sich nicht an das vorgegebene Tempo 30 halten. Die Gutachter empfehlen deshalb Bodenwellen und Aufpflasterungen an der Rüdesheimer Straße. An der Kreuzung von Rüdesheimer Straße und Lorcher Straße sowie an der Laubenheimer Straße sollen zudem Gehwege vorgezogen werden.

Gremium soll über Prioritäten entscheiden

Dass an einigen Schulen dringender Handlungsbedarf besteht, steht angesichts des Gutachtens außer Frage. Wann aber können die Maßnahmen umgesetzt werden? Darauf hat das Bezirksamt so kurz nach Fertigstellung des Gutachtens noch keine Antwort. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) verweist darauf, dass er das Gutachten zunächst in einer gemeinsamen Sitzung des Verkehrs- und Schulausschusses Anfang Oktober vorstellen wird. Konkrete Maßnahmenpakete für einzelne Schulen wurden ihm zufolge bereits erarbeitet.

Im weiteren Vorgehen sei nun wohl Geduld gefragt, sagt Lothar Saßen (SPD), Leiter des Verkehrsausschusses Charlottenburg-Wilmersdorf: „Die SPD möchte zunächst ein Gremium einsetzen, das die Unterlagen prüft und entscheidet, welche Schule Priorität hat“, sagt Saßen. Dieses Gremium, in dem Vertreter vom Bezirk, der Senatsverwaltung, der Schulen, der Polizei und der Fraktionen mit entscheiden, soll „am besten noch in diesem Jahr“ gebildet werden, so Saßen weiter.

Da die SPD sich dafür eingesetzt hat, dass im Bezirkshaushalt 2020/2021 insgesamt 100.000 Euro für das Gutachten zur Verfügung gestellt wurden, hat sie ein Interesse an der möglichst raschen Umsetzung der Maßnahmen. Das könnte zumindest in Bezug auf Verkehrsanordnungen wie bei neuen Warnschildern gelingen, sagt Saßen: „Bei diesen Anordnungen ist der finanzielle Rahmen und der Aufwand ziemlich überschaubar. Aber Bauvorhaben sind teuer. Hier müssen auch Landesmittel bereitgestellt werden, weil der Bezirk die Kosten nicht alleine tragen kann.“